Messerstiche an Bielefelder Stadtbahnhaltestelle: 17-Jähriger ist offenbar Zufallsopfer Bluttat: Verdächtiger ist Intensivtäter

Bielefeld (WB/hz). Vier Tage nach der Bluttat von Baumheide – in der Nacht zum 1. Mai starb ein Bielefelder (17) nach einem Raubversuch an der Stadtbahnhaltestelle Schelpmilser Weg – werden immer mehr Details bekannt. Der ermittelnde Staatsanwalt Veit Walter bestätigte, dass der nach Stichverletzungen innerlich verblutete 17-Jährige offenbar zufällig Opfer der Messerattacke eines 18-jährigen Verdächtigen wurde.

Am Bahnsteig der Haltestelle Schelpmilser Weg in Richtung Bielefeld-Innenstadt wurde das 17-jährige Opfer niedergestochen.
Am Bahnsteig der Haltestelle Schelpmilser Weg in Richtung Bielefeld-Innenstadt wurde das 17-jährige Opfer niedergestochen. Foto: Jens Heinze

„Soweit wir wissen, kannten sich der Täter und das Opfer nicht“, fasste der Staatsanwalt die Ermittlungsergebnisse der Mordkommission „Bahn“ zusammen. Eduard T., der am 30. April gegen 23.10 Uhr am Schelpmilser Weg dem 17-Jährigen die tödlichen Stiche versetzt haben soll, ist bei Polizei und Justiz als Intensiv-Gewalttäter bekannt.

Bereits mehr als ein Dutzend Strafverfahren gegen Intensivtäter

Wegen gefährlicher Körperverletzung, Raub und Bedrohung würden mehr als ein Dutzend Strafverfahren gegen den 18-Jährigen mit osteuropäischem Migrationshintergrund geführt, heißt es aus Ermittlerkreisen. Dabei soll der in Baumheide lebende Mann schon vor der Messerstecherei am Schelpmilser Weg damit aufgefallen sein, dass er seine Opfer mit Waffen bedrohte, bewusstlos schlug und trat.

Trotz der vielen schweren Vorwürfe blieb der Intensiv-Gewalttäter bis zur Verhaftung am Samstag auf freiem Fuß. Eigentlich hätte sich Eduard T. längst wegen der vorangegangenen Delikte vor einem Jugendschöffengericht in Bielefeld verantworten müssen. „Ein Prozess fand bislang nicht statt“, sagte Staatsanwalt Walter. Nach Informationen dieser Zeitung wurde im April ein geplanter Prozess gegen den Baumheider wegen der Coronavirus-Pandemie abgesetzt.

Mutmaßlicher Messerstecher wohnt 300 Meter vom Tatort entfernt

Inzwischen gibt es auch eine Erklärung dafür, warum Eduard T. beim Raubversuch mit anschließender Messerattacke auf den 17-Jährigen am späten Abend des 30. April zwar von Zeugen beobachtet wurde, dann aber untertauchte und um die 20 Stunden lang bis zu seiner Identifizierung und Festnahme verschwunden blieb. Der 18-Jährige hatte einen kurzen Fluchtweg. Er wohnt nur 300 Meter Fußweg vom Tatort an der Haltestelle Schelpmilser Weg entfernt.

Zeugenangaben zufolge soll Eduard T. in der Tatnacht in Richtung seiner Wohnung geflüchtet sein. Als Spürhunde der Polizei mit Hundeführer und einer Mordermittlerin am Freitag nach der weiterhin verschwundenen Tatwaffe suchten, liefen die Polizisten mehrfach an der Haustür des mutmaßlichen Messerstechers vorbei.

Eduard T. sitzt wegen Totschlags im Herforder Jugendgefängnis und schweigt. Im Falle einer Verurteilung wegen der tödlichen Messerattacke drohen ihm zwischen zehn Jahre bis lebenslange Haft. Der erstochene 17-Jährige wäre an diesem Montag 18 Jahre alt geworden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7396154?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F