Am Donnerstag beginnt der Betrieb für die 2848 Viertklässler in Bielefeld
Grundschulen stehen vor kaum lösbaren Problemen

Bielefeld (WB). Donnerstag soll es endlich wieder losgehen. Auch in den Grundschulen startet der Unterricht nach einer wochenlangen Zwangspause. Zumindest für die 2848 Viertklässler in der Stadt. Aber schon das bringt die bringt die 44 städtischen und die drei Grundschulen in freier Trägerschaft in arge Probleme.

Dienstag, 05.05.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 05.05.2020, 08:26 Uhr
In einer vierten Klasse der Sudbrackschule in Bielefeld ist bereits alles für den Schulstart am Donnerstag vorbereitet. Rektorin Martina Reiske trägt ein Gesichtsvisier, mit dem sich das Kollegium vor Tröpfcheninfektionen schützen will. Foto: Thomas F. Starke

Martina Reiske, Leiterin der Sudbrackschule, ist auch im Vorstand der Schulleitungsvereinigung NRW. Für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat sie neulich eine Rechnung aufgemacht, wie der Schulstart an ihrer Schule ablaufen wird. Es ist eine Rechnung, die nicht aufgeht.

Viele offene Fragen

Drei vierte Klassen gibt es aktuell an ihrer Schule. Da nicht mehr als acht Kinder in einem Klassenraum unterrichtet werden sollen, benötigt sie für den Schulstart in der Jahrgangsstufe vier also nicht drei, sondern neun Klassenräume. Weitere zwei Klassenzimmer sind für die Notbetreuung vorgesehen, die parallel weiter läuft. Macht zusammen elf Räume. Ihre Schule verfügt über 15 Klassenzimmer. Es gibt noch einen Musik- und einen Spielraum.

Für den Jahrgang vier reicht der Platz. Aber was ist mit den drei weiteren Jahrgängen, die es zusammen auf zwölf Klassen bringen? „Wo soll für die der Unterricht stattfinden?“, fragt Reiske und hat die Antwort gleich parat. „Dann geht es nur noch tageweise in einem rollierenden System.“

Präsenzunterricht

Mit regulärem Unterricht hat das jedoch nichts zu tun. Denn es gibt nicht nur ein Raum-, sondern auch ein Personalproblem. 33 Pädagoginnen und Pädagogen unterrichten an der Subrackschule, darunter viele Teilzeitkräfte. Hinzu kommen eine Sozialpädagogin und ein Schulsozialarbeiter. Nur 27 Lehrkräfte stehen aber tatsächlich zur Verfügung. Eine Kollegin ist schwanger, zwei haben eine Behinderung. Drei sind über 60 Jahre alt. Sie alle gehören zur Risikogruppe und können nicht eingesetzt werden.

Was am Donnerstag startet, nennt Rektorin Reiske „Präsenzunterricht“. Die Kinder werden unter Aufsicht vorbereitete Aufgabe in den Fächern Deutsch und Mathe erledigen, können aber Fragen stellen. Im Klassenraum sind auch eine Lehrerin oder ein Lehrer mit Gesichtsvisier. Das hat schon fast etwas von Science Fiction-Film. Die eine Hälfte der Jungen und Mädchen kommt von 9 bis 11 Uhr, die andere von 10 bis 12 Uhr. Wer erkältet ist, soll gleich zu Hause bleiben.

Jedes Kind sitzt an einem Einzeltisch, der zum nächsten Tisch zwei Meter Abstand hat. Der Platz ist namentlich gekennzeichnet und darf nicht gewechselt werden. Auch in der Pause gemeinsam spielen ist nicht drin. Immer nur ein Drittel der Klasse ist dann auf dem Pausenhof.

Wenig Hoffnung

Mit ungezwungenem Unterricht und Spaß an der Schule habe all das nichts zu tun, räumt Martina Reiske ein. Sie hofft, dass das Schulministerium für die weitere Öffnung der Grundschulen bei den unteren Jahrgängen nicht zu strenge Vorgaben macht. „In jeder Schule kommt es auf den vorhandenen Platz und die zur Verfügung stehenden Lehrkräfte an“, sagt sie. „Da kann man nur flexibel reagieren.“

Doch allzu groß ist ihre Hoffnung auf die Weitsicht des Ministeriums nach den vergangenen Tagen nicht mehr. Aus den Medien hätten die Schulleitungen vom beabsichtigten Start der Grundschulen erfahren. Dann seien die Schulräte beauftragt worden, die jeweiligen Rektorinnen und Rektoren telefonisch zu informieren. Schriftlich gab es erst einmal nichts.

Kritik an Ministerin

Was Martina Reiske aber ganz besonders empört, ist eine Äußerung von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). „Wie bei den Gymnasien sollen zuerst die Schulleitungen in die Schule zurückkehren“, hatte die Ministerin am 29. April erklärt. „Wir Schulleitungen sind nie nicht in der Schule gewesen“, hat Reiske der Ministerin nun in ihrer Funktion als Vorstandsmitglied der Schulleitungsvereinigung geschrieben.

Sie kenne keine Schulleitung, die nicht auch in den Osterferien ihrer Dienstpflicht nachgekommen sei. „Wir planen, organisieren Notbetreuung und Wiedereinstieg, sorgen für ein möglichst qualitativ gutes Home Schooling, sofern es der Stand der Digitalisierung derzeit zulässt, bemühen uns, trotz großer Hindernisse um Chancengerechtigkeit.“ Was die Rektorin in diesen Tagen am meisten vermisst, ist „ein bisschen Wertschätzung“.

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