Wenn an diesem Montag die Salons öffnen, gibt es viele Neuerungen für Kunden und Mitarbeiter
Friseure rechnen mit Ansturm

Bielefeld (WB). „Die meisten Friseure haben schon schlaflose Nächte“, ist Markus Turri sicher. Der Obermeister der Bielefelder Friseur-Innung verfolgt selbst mit großer Spannung, wie nach dem Lockdown, der auch das Friseurgewerbe sieben lange Wochen hart getroffen hat, der Alltag wieder in die Friseursalons einkehren soll. Turri geht davon aus, dass nahezu alle Salons bereits am Montag öffnen und rechnet mit einem großen Andrang. In den nächsten zwei Wochen hat er selbst keinen Termin mehr zu vergeben.

Montag, 04.05.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 10:46 Uhr
Peter Loth ist gerüstet, wenn er nach dem siebenwöchigen Lockdown seinen Salon wieder öffnet: Mindestabstand zwischen den Frisierstühlen, Desinfektionsmöglichkeiten und Mundschutz sowie Einmalhandschuhe für die Mitarbeiter. Foto: Bernhard Pierel

Bei Alexander Urban, der seinen Friseursalon in Hillegossen betreibt, und Salon byLoth in der Altstadt gibt es die nächsten freien Termine erst wieder Ende Mai. Bereits seit einer Woche können Kunden bei Alexander Urban telefonisch Termine vereinbaren. Zudem arbeiten Urban und seine vier Mitarbeiterinnen im Schichtbetrieb: werktags von 8 bis 14 Uhr sowie von 14.30 bis 21 Uhr, samstags von 8 bis 13 Uhr und von 13.30 bis 18.30 Uhr. Ein Weg, um die wegfallenden Frisierplätze zu kompensieren. Um jeden Frisierstuhl müsse ein Sicherheitsabstand von 1,50 Meter eingehalten werden, weiß Obermeister Turri: „Der nächste Stuhl steht drei Meter weit weg. Da bleiben viele Plätze leer“. Zehn Quadratmeter werden je Kunde berechnet. Friseurmeister Peter Loth hat die Zahl der Plätze halbiert.

Arbeitsabläufe grundlegend geändert

Auch die Arbeitsabläufe werden sich grundlegen ändern. Durfte der Friseur bislang einen Herrenschnitt in Form bringen und diese Arbeit kurz unterbrechen, um zum Beispiel die Dauerwellenwickler der Dame auf dem Nachbarplatz zu kontrollieren, wird dieses parallele Arbeiten nun sehr viel umständlich. Der Friseur muss seine Einmalhandschuhe für jeden Kunden wechseln, Kamm, Bürste und Schere jedes Mal desinfizieren.

Alexander Urban löst das Problem, indem er jeder Mitarbeiterin zwei feste Arbeitsplätze zuweist mit einer eigenen Desinfektionsstation. „Es gibt zudem je zwei Sätze Arbeitswerkzeuge je Mitarbeiter“, sagt Alexander Urban. Nach jedem Kunden werden die Werkzeuge desinfiziert. Peter Loth will sein Team ebenfalls im Schichtbetrieb arbeiten lassen. An jedem Frisierspiegel stehen Behälter mit Desinfektionsmittel. Zudem setzt Peter Loth auf Einweg-Produkte. Extra aus Großbritannien hat er sich Einmalhandtücher bestellt, die biologisch abbaubar sind und in die Biotonne dürfen. Die Umhänge sind aus PET und grundwasserneutral abbaubar.

Das Waschen der Haare ist Pflicht

Auf einige Dienstleistungen müssen die Kunden bis auf Weiteres verzichten: Das Färben von Wimpern und Augenbrauen, das Trimmen des Bartes oder Rasuren sind in Corona-Zeiten verboten. Andere Dienstleistungen sind obligatorisch: Trockenschnitte oder einfach nur mal den Pony schneiden ist nicht mehr möglich. Das Waschen der Haare ist Pflicht, auch bei Kindern oder etwa vor dem Färben der Haare.

Weniger Frisierplätze, höherer Arbeits- und Materialaufwand – Obermeister Markus Turri geht davon aus, dass sich die Kosten für den Friseurbesuch erhöhen werden. Er rechnet mit zehn bis 30 Prozent. Peter Loth kalkuliert vorsichtig mit acht Prozent. Sein Kollege Alexander Urban will zunächst auf eine Erhöhung verzichten und stattdessen eine Hygieneumlage von ein bis vier Euro erheben. „Wir sehen uns das an und müssen dann entscheiden“, meint Urban auch mit Blick auf die Sechs-Tage-Woche für sein Team.

Der Mundschutz bedeutet eine weitere große Umstellung für Kunden und Friseure. Letztere müssen sie den ganzen Tag tragen und mehrmals wechseln.

Erfassung von Kontaktdaten der Kunden

„Es ist belastend, den ganzen Tag die Maske zu tragen“, weiß Obermeister Turri aus dem Selbstversuch. Für seine 100 Innungsbetriebe hat er rechtzeitig 2500 Mundschutze geordert und auch bekommen. Eingedeckt haben sich wohl alle Friseure damit, auch für ihre Kunden, den ohne Mund-Nasen-Schutz darf der Salon nicht betreten werden. Ungewohnt, aber unverzichtbar ist auch die Erfassung von Kontaktdaten. Jeder Kunde gibt seinen Namen, Adresse (freiwillig) sowie Telefonnummer oder Emailadresse an. Des Weiteren versichert er, nicht an Covid19-typischen Krankheitssymptomen wie Fieber, Husten oder Geschmacksstörungen zu leiden oder unter Quarantäne zu stehen. „Ich darf die Kunden sonst nicht frisieren“, betont Peter Loth.

Kein Friseurbesuch ohne Klatschzeitung. In Loths Altstadt-Salon dürfen die Kunden wie gewohnt sich via Tablet die Zeit vertreiben. Die Ausgabe von Printprodukten wie Illustrierten ist jedoch verboten. Auch darf der Friseur keine Getränke mehr anbieten. „Die Kunden können sich eigene Getränke mitbringen, dürfen sie aber nur außerhalb des Salons zu sich nehmen“, sagt Markus Turri.

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