Mangelnder Abstand, zu viele Teilnehmer, Attacken von Linksautonomen: Polizei und Ordnungsamt stoppen Kundgebung
Grundrechte-Demo in Bielefeld aufgelöst

Bielefeld (WB/hz). Polizei und Ordnungsamt haben am Samstagnachmittag in der Bielefelder Innenstadt eine Demonstration der neuen Gruppe “Grundrechte in OWL” mit etwa 150 Teilnehmern aufgelöst. Bei der Kundgebung gegen die Coronavirus-Schutzverordnung und die nach Ansicht der Gruppierung teilweise außer Kraft gesetzten 22 Grundrechte des Grundgesetzes seien dreimal so viele Menschen wie zulässig unterwegs gewesen.

Sonntag, 03.05.2020, 08:11 Uhr aktualisiert: 03.05.2020, 11:46 Uhr
Statt der angemeldeten 40 Teilnehmer versammeln sich um die 150 Menschen aus OWL zur Anti-Corona-Demo vor dem Bielefelder Hauptbahnhof. Der Appell von Demoanmelderin Anastasia Powolozki (stehend auf der Steinbank), dass mehr als zwei Drittel der Demonstranten wieder gehen müssen, verhallt ungehört. Foto: Jens Heinze

Zudem hätten die Demoteilnehmer, die ihrer Überzeugung folgend überwiegend ohne Schutzmasken unterwegs waren, die Sicherheitsabstände nicht eingehalten, hieß es von den Ordnungskräften.

Ursprünglich sollte der Demozug vom Hauptbahnhof quer durch die Innenstadt über die Fußgängerzone Bahnhofstraße bis zur Abschlusskundgebung auf den Kesselbrink führen. Angesichts der vielen Menschen auf der Bahnhofstraße, die vor den Geschäften Schlange standen, setzte die Polizei vor Beginn eine Ausweichroute über die Herforder Straße durch.

Situation drohte zu eskalieren

Zeitweise drohte die Situation beim kurzen, letztlich nur wenige hundert Meter langen Aufzug bis vor die alte Post an der Herforder Straße zu eskalieren. Um die 15 Aktivisten der linksautonomen Szene versuchten immer wieder, die Veranstaltung lautstark zu stören. Es kam zu gegenseitigen Wortgefechten zwischen den beiden Lagern.

Noch bevor sich der Zug am Bahnhof in Bewegung gesetzt hatte, passierte die erste Übergriff. Einem Teilnehmer der “Grundrechte”-Demo wurde offenbar von Linksautonomen das Mobiltelefon entrissen und in einen Gully geworfen.

Polizei und Ordnungsamt, die zunächst nur mit drei Doppelstreifen vor Ort waren, hatten die Lage völlig unterschätzt und forderten Verstärkung von mehr als einem halben Dutzend weiterer Streifenwagenbesatzungen an. Wie Polizei-Einsatzleiter Wolfgang Rupprecht sagte, sei bei Anmeldung der Demo von lediglich 40 Teilnehmern, darunter viele Familien mit Kindern, die Rede gewesen.

150 Demonstranten vor Hauptbahnhof

Vor dem Bielefelder Hauptbahnhof versammelten sich aber um die 150, fast ausschließlich erwachsene Demonstranten aus OWL und Umgebung. Die Ansage von Demo-Anmelderin Anastasia Powolozki aus Bad Salzuflen, dass die Zahl der Teilnehmer auf 50 begrenzt sei, verhallte ungehört. Ungerührt hielten die dicht an dicht stehenden Menschen weiter Schilder und Transparente hoch mit Aufschriften wie “Ich will wieder tanzen gehen”, “Sagt doch endlich was ihr denkt” oder “Eure Zahlen kotzen mich an” und zogen im großen Rudel los.

“Ich bin sehr enttäuscht. Ich war vielleicht zu naiv”, sagte Demo-Anmelderin Anastasia Powolozki nach dem vorzeitigen Abbruch der Demo. “Ganz OWL war unterwegs. Wir wollten friedlich spazieren gehen”, erklärte die Salzuflerin das eigentliche Ziel. Angesichts des aggressiven Auftretens der Linksautonomen “wäre es zu gefährlich geworden, wenn wir weiter gemacht hätten”.

Die Gruppe “Grundrechte in OWL” hat sich beim Kurznachrichtendienst “Telegram” (ähnlich wie WhatsApp) zusammen geschlossen. Aktuell sind es um die 500 Mitglieder, Tendenz steigend. “Wir folgen keiner Ideologie, Partei oder Gesinnung. Wir fordern, dass unsere Grundrechte nicht beschnitten und verletzt werden”, sagte Anastasia Powolozki mit Blick auf die Einschränkungen der Coronavirus-Schutzverordnung. Nach Ansicht der linksautonomen Antifa Westfalen ist die Gruppe “Grundrechte in OWL” ein Zusammenschluss von Verschwörungstheoretikern, Antisemiten und Neo-Nazis.

 

Kommentare

Andreas V.  wrote: 07.05.2020 19:38
Pseudo-Demokraten stören Demonstration
Da demonstriert am letzten Samstag eine bunte Gruppierung von Menschen für die Einhaltung unserer Grundrechte in Corona-Zeiten und die „Antifa“ stört diese genehmigte Demo massiv und maßt sich an, darüber zu entscheiden, wer an daran teilnehmen darf.
(„... verbalen Attacken der Autonomen gegen Demo-Teilnehmer“, Versuche der „Antifa“, nicht genehme Teilnehmer aufzuhalten).
Ich finde es auch traurig, wenn berechtigte Anliegen von z.B. von Rechtsextremen für ihre Ziele vereinnahmt werden. Das kann aber das Anliegen an sich nicht diskreditieren und Meinungsfreiheit macht ja gerade aus, Andersdenkende zu Wort kommen zu lassen.
Hier zeigt sich das Demokratieverständnis dieser Gruppierung: Meinungsfreiheit und Demonstrationsrecht nur für die, die uns genehm sind.
Auch bei dem Angriff auf das ZDF-Team in Berlin rechnet die Staatsanwaltschaft die Täter dem linken Spektrum zu.
Da fragt man sich, ob die Demokratie nur von „Rechts“ gefährdet wird. In „Antifa“ steckt halt auch etwas „…fa“.

Aufgrund der unverständlichen Untätigkeit der Polizei in diese Richtung, konnte die „Antifa“ leider dazu beitragen, dass die Demo abgerochen werden musste.
Gott (und hoffentlich auch bald wieder die Polizei) bewahre uns vor solchen „Heilsbringern“!
Ich möchte keinen braunen Mob und keinen roten Mob auf unseren Straßen!
Peter Laumacher  wrote: 04.05.2020 13:58
Nazis
@ Frau Wanning: Wo sehen Sie denn in der Bilderstrecke Nazis? Dies ist doch wieder eine Fakenews, um oppositionelle Bürger zu diskreditieren.
Peter Laumacher  wrote: 04.05.2020 13:56
@Anna Wanning
@Frau Wanning: es tut mir leid das Sie so wenig für das wohl wichtigste Grundrecht übrig haben. Die Versammlungsfreiheit ist mMn einer oder gar der wichtigste Artikel des GG, mit seiner Aushebelung kann man jede Menschenansammlung, auch die einer politischen Opposition, auflösen.
Und die körperliche Unversehrtheit bezieht sich dann doch eher auf äußerliche oder phsychische Gewalt. Ein Virus, dessen Mortalität nicht höher als der einer Grippe ist, dient hier nur als Vorwand.
Anna Wanning  wrote: 04.05.2020 07:42
Grundrechtdemo auf Shopping mit Nazi Beteiligung
Das sich der "Demo" dann auch noch reichlich bekannte Nazis angeschlossen haben bleibt leider unerwähnt. Grundrechte sind und bleiben für mich unantastbar, eine kurzzeitige Einschränkung halte ich für vertretbar zumal sich der Protest ja nicht unbedingt für essentiell wichtige Dinge, wie z.B. Journalismus bezieht, sondern im Wesentlichen das Recht auf Shopping und tanzen in den Fokus nimmt. Die Gefahr, dass die Nazi Brut versucht solche Veranstaltungen zu übernehmen ist sehr groß und in so fern war es vielleicht wirklich naiv.
Twinnie  wrote: 03.05.2020 22:36
Man man man... Deutschland ist so verweichlicht das man es nichtmal aushält 2 Monate die Füße still zu halten ohne zu denken das der böse Vater Staat einen dauerhaft in der Wohnung inhaftieren möchte (übertrieben dargestellt).
Manchmal habe ich das Gefühl es gibt hier all zu viele Menschen die Verhältnisse wie in USA, Russlang, Italien oder Spanien haben möchten.
Die Italiener und Spanier haben sehr viel länger einen komplette Shutdown mit Ausgehverboten ausgehalten ohne die sozialen SIcherungssysteme in dem Maß zu haben wie es bei uns der Fall ist - an dieser Courage der Gesellschaft da sollte man sich ein Beispiel nehmen. Aber "der" Deutsche im Allgemeinen hat immer Angst das man "ihm" etwas wegnehmen will. Ist wohl historisch bedingt das wir im Kopf so verdrahtet sind.
Peter Laumacher  wrote: 03.05.2020 19:26
Anifa Westfalen
Alleine das die Linksautonome Antifa Westfalen erwähnt wird und ihre Meinung kund tun darf, sollte jedem Bürger zu denken geben.
Die Linke Rebublik ist schon längst Realität und Corona und die damit einhergehenden Einschränkungen, sind wie der Reichstagsbrand anscheinend der Steigbügehalter.
Gestern sind auf der Linken Demo in Berlin Mitarbeiter eines Kamarateams des ZDF teilweise schwer verletzt worden. Wo sind die Sondersendungen, die es mit Sicherheit gegeben hätte, käme der Vorfall von Rechts?
Ulrich B.  wrote: 03.05.2020 16:02
Wer von Grundrechten spricht, sollte sie auch kennen
Es gibt Menschen mit wenig Verstand und solche, die trotz Verstand ihr Ego ungeniert zum Nachteil anderer ausleben, um sich medienwirksam in Szene zu setzen. Dass die Polizei mal wieder die Eigendynamik einer Verantstaltung unterschätzt hat, ist eine Sache und schlimm genug. Professionalität sieht für mich anders aus. Der Mensch ist von Natur aus weder gut, noch verantwortungsbewußt. Davon dürfte man schon eimmal gehört haben. Dass aber bestimmte Individuen von Grundrechten faseln und gleichzeitig das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit anderer mit Füßen treten, spricht für sich. Für mich sind das Strafttäter und keine Weltverbesserer. Und wie Straftäter sollten sie auch behandelt werden.
Hans-Dieter Niewöhner  wrote: 03.05.2020 13:35
Grundrechte in OWL
Es erscheint schon extrem kurzsichtig zu glauben das die Änderungen an Gesetzen die aktuell in sehr kurzer Zeit durchgewunken ( vorgestellt ca. 29-05-2020 Terminplan zur Verabschiedung ca.15-05-2020) werden sollen kurzfristige Aktivitäten beschreiben. Wer dann noch glaubt das später automatisch ein Rückgang zur alten Gesetzteslage erfolgt, der lebt für mich auf einem anderen Stern. Da bin ich doch lieber ein verblendeter Fanatiker.
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