Osthusschulmuseum in Bielefeld besitzt seltene Sammlung von Geschenktassen für Erstklässler - mit Fotostrecke
Hasen „zum Ersten Schulgang“

Bielefeld (WB). Ob sich die kleine Marie Richter über ihr Geschenk zum „Ersten Schulgang“ wohl gefreut hat? Oder hätte sie an Stelle einer Tasse samt Untertasse lieber Süßigkeiten gehabt? Maries „Erster Schulgang“ liegt 110 Jahre zurück – die Tasse aber ist heute noch zu bewundern: in einer Vitrine im Osthusschul-Museum.

Freitag, 10.04.2020, 11:58 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 15:12 Uhr
Bis Mitte der 1960er begann das neue Schuljahr zu Ostern. Deshalb sind bemalte Eier und natürlich der Osterhase in Person dafür Symbole. Foto: Bernhard Pierel

Sie steht zum einen für eine Zeit, als Einschulungstassen – oft als Präsent der Paten – üblich waren, und für eine Zeit, als der „Erste Schulgang“ unmittelbar nach dem Osterfest stattfand.

Deshalb zieren Tassen und Unterteller häufig nicht nur Schriftzug und Goldrand, sondern Hasen, die in ihren Kiepen bunt bemalte Eier tragen, Hühner und Küken, Mädchen auf der Suche nach dem Osternest, Primeln und Veilchen und häufig auch Hundewelpen mit bunten Ostereiern.

Älteste Tasse aus dem Jahr 1881

Die Schulanfangstassen gesammelt hat vor allem der Leiter des Museums Osthusschule, Hans Schumacher. Die ersten derartigen Tassen habe er „für ein paar Mark“ Anfang der 1990er Jahre auf Flohmärkten erworben, heute, weiß Schumacher, seien solche Tassen „oft unerschwinglich für ein kleines Museum“.

Sammlungen von Einschulungstassen seien wohl auch in Schulmuseen Raritäten. Schumacher: „Ich kenne keine zweite derartige Sammlung.“

Seltene Sammlung von Geschenktassen

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  • Das Osthusschulmuseum besitzt eine seltene Sammlung von Geschenktassen für Erstklässler Foto: Bernhard Pierel
  • Foto: Bernhard Pierel
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  • Foto: Bernhard Pierel

Längst sind zu Tassen und Untertassen mit österlichen Motiven solche von Schulfesten dazu gekommen, sie zeigen häufig das Schulgebäude. Schumacher findet sie besonders interessant, weil „viele dieser Schulen gar nicht mehr stehen“. Die älteste Tasse der Sammlung stammt aus dem Jahr 1881. Schumacher: „Ja, schon damals wurden solche Tassen verkauft, um mit den Einnahmen den Schuletat aufzubessern.“

Inzwischen besteht die Sammlung aus 63 Tassen, acht Porzellan- und drei Zinnbechern, acht Gläsern, sieben Tellern, einem Milchkännchen und einer Gebäckschale. Schumacher weiß, dass in den 1950er Jahren Tassen zum „Ersten Schulgang“ noch üblich gewesen seien: „Ihren Höhepunkt erlebten sie in den 1920er und 1930er Jahren.“Weil die Preise erschwinglich wurden. Die Tassen und Untertassen wurden nicht mehr von Hand bemalt, es gab ein neues Verfahren, das auf Abziehbilder zurück griff. Hergestellt wurden die Sammeltassen in heute meist unbekannten Manufakturen. Zur Sammlung gehören eine Tasse aus Halle/Westfalen und ein Schuljubiläums-Becher aus Bethel. Der allerdings stammt aus dem Jahr 2015.

Hasen, Eier, Nester, Hühner

Es habe auch Tassen zur Taufe, zur Kommunion oder Konfirmation gegeben, so Schumacher. Hasen, Eier, Nester, Hühner – sie sind allerdings nur auf Einschulungstassen zu finden. 1964 wurde zudem beschlossen, den ersten Schultag bundeseinheitlich in den September zu verlegen – wie es in Bayern schon immer üblich gewesen war. Da wurden Ostermotive zu Auslaufmodellen. Überlebt aber hat zum Beispiel die berühmte „Hasenschule“, die auch im Museum vertreten ist und in der Gestalt des Lehrers den Wandel des Schulsystems verkörpert. Dereinst hielt der Hasen-Pädagoge den Stock zur Züchtigung seiner Schüler stets in der Hand, ab Mitte der 1960er Jahre sei der Stock verschwunden, so Schumacher.

Ein echtes Häschen gibt es im Museum übrigens auch: als Präparat (ausgestopft) und damit gedacht als Anschauungsobjekt.

Die Tassen zum „Ersten Schulgang“, ist Schumacher überzeugt, hätten wohl ausschließlich Mädchen geschenkt bekommen – erschließt das aus den Motiven. Und die Jungen? „Nichts“, so Schumachers Vermutung.

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