Kirche zu Ostern ist in Zeiten von „Corona“ anders
Alleine, und doch mit der Gemeinde verbunden

Bielefeld (WB). Kein Gottesdienstbesuch, kein Abendmahl aus der Hand des Pfarrers, keine Osterfeuer, dafür Kirche per Video: In diesem Jahr ist alles anders.

Freitag, 10.04.2020, 06:22 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 06:30 Uhr
Dechant Norbert Nacke (Pfarrei St. Jodokus) stellt Osterkerzen auf. Die katholische Kirche und der evangelische Kirchenkreis werden es auch zu Ostern ermöglichen, dass zwar jeder für sich, aber doch alle Gläubigen gemeinsam Gottesdienste begehen können. Foto: Thomas F. Starke

Ausgerechnet zu Ostern. Ausgerechnet zum höchsten Fest der Christen müssen die Kirchen wegen der Corona-Krise geschlossen bleiben. Dennoch: Der Evangelische Kirchenkreis und die katholische Kirche werden es auch zu Ostern ermöglichen, dass zwar jeder für sich, aber doch alle Gläubigen gemeinsam Gottesdienste begehen können.

Live-Stream aus St. Jodokus

„Wir werden zum Beispiel aus St. Jodokus – wie an den anderen Sonntagen und einigen Werktagen auch – einen Live-Stream ermöglichen“, sagt Dechant Norbert Nacke. Er weiß, dass auch ältere Gläubige dieses Angebot der katholischen Kirchengemeinden nutzen, „gerne auch gemeinschaftlich und zu zweit“.

Die Osterfeierlichkeiten beginnen am Gründonnerstag um 20 Uhr mit dem letzten Abendmahl, gefolgt von einem Gottesdienst am Karfreitag um 15 Uhr zur Sterbestunde und dem zweistündigen Gottesdienst in der Osternacht am Karsamstag ab 21 Uhr. „Dieses Triduum ist für uns der zentrale Gottesdienst des ganzen Jahres, und er ist als Live-Stream zu verfolgen. Und natürlich wird auch am Ostersonntag der Gottesdienst übertragen“, betont Nacke.

Superintendent Christian Bald richtet zu Ostern eine Videobotschaft an die Gläubigen.

Superintendent Christian Bald richtet zu Ostern eine Videobotschaft an die Gläubigen.

Sicher sei das eine Notlösung und eine Herausforderung: „Es ist tragisch, dass wir Karfreitag und die Ostertage nicht gemeinsam feiern können. Aber es geht nun einmal nicht anders. Es ist unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Verbreitung des Virus einzudämmen – und das betrifft nun auch die Kirche und das persönliche Glaubensleben.“

Möglicherweise sei es etwas Einsames, das hohe Fest mit Gebeten Zuhause zu begehen. „Aber wir müssen neu denken. Letztlich feiern wir Ostern doch auch genau das: Undenkbares ist wirklich geworden, nämlich die Auferstehung von den Toten“, gibt der Dechant zu bedenken.

Auch im Evangelischen Kirchenkreis hat man sich Gedanken gemacht, „viele Gemeinden bieten an den verschiedenen Tagen Audio- und Videobotschaften, Gottesdienste und Andachten an“, sagt Pastor Uwe Moggert-Seils.

Neue Kommunikationsformen

„Theologisch gesehen ist die vorösterliche Zeit eine Zeit des Verzichts. Aber wie gehen wir damit um, auf Gottesdienste und das gemeinsame Abendmahl verzichten zu müssen?“ Die Paulusgemeinde etwa, weiß Moggert-Seils, lade zum Abendmahl ein – zwar auf Distanz und jeder für sich, dennoch mit der Gemeinde verbunden. Dafür legen sich die Gläubigen Oblaten oder ungesäuertes Brot bereit und stellen Traubensaft hinzu. Wenn der Pfarrer dann die einleitenden Worte spricht, nehmen alle zugleich das Abendmahl. „Das ist nach dem evangelischen Verständnis möglich, weil Oblate und Saft (oder Wein) symbolisch verstanden werden.“

Mit Freude habe der Kirchenkreis festgestellt, dass sich die Gemeinden recht kurzfristig auf neue Kommunikationsformen eingestellt hätten, um mit den Gläubigen in Kontakt zu bleiben. „Selbst vor Beerdigungen findet das Gespräch mit den Angehörigen derzeit per Video statt.“ Wer das persönliche Gespräch sucht, erreicht seinen Pfarrer nun telefonisch.

Magazin an alle Haushalte

Auch Moggert-Seils bedauert, dass es derzeit anders nicht möglich ist. „Gerade in der Kirche sind wir doch auf Gemeinschaft und physische Nähe angelegt...“ Um in Verbindung zu bleiben, gibt es nicht nur Gemeindebriefe, sondern in dieser Wochen auch ein achtseitiges Magazin an alle Haushalte in Bielefeld, die zum Kirchenkreis gehören. Dazu richtet Superintendent Christian Bald eine Videobotschaft an die Gläubigen.

Als Signal der ökumenischen Verbundenheit läuten zudem am Ostersonntag ab 9.30 für eine Viertelstunde die Glocken der evangelischen und der katholischen Kirche,. Darauf, erklärt Moggert-Seils, hätten sich die fünf Bistümer und drei Landeskirchen verständigt.

Mehr über die Angebote der Kirchen gibt es unter www.kirche-bielefeld.de und unter katholisch-bielefeld.de.

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