Patientenschwund in der Corona-Krise vor allem bei Zahnmedizinern
Kurzarbeit in Arztpraxen

Bielefeld (WB). Es klingt paradox – aber die Corona-Krise sorgt vielerorts für leere Arztpraxen und Kurzarbeit bei Medizinern und Fachangestellten. Die Furcht von Patienten vor einer Ansteckung mit dem Virus hält viele derzeit von einem Arztbesuch ab. Besonders betroffen sind Zahnärzte. Hier ist das Aufkommen um bis zu 80 Prozent zurückgegangen, sagt der Bielefelder Zahnarzt Jost Rieckesmann, Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. In OWL seien aktuell acht Praxen ganz geschlossen, 14 hätten ihre Sprechstunden eingeschränkt.

Freitag, 10.04.2020, 03:48 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 12:12 Uhr
Blick in ein leeres Wartezimmer: In Corona-Zeiten kommen weniger Patienten, die zudem in den Praxen nicht aufeinandertreffen sollen. Foto: dpa

„Die Patienten sind durch einen Zahnarztbesuch nicht gefährdet”, betont Dr. Jost Rieckesmann. Aufgrund des ohnehin sehr hohen Hygienestandards in den Praxen seien Zahnärzte auch in dieser besonderen Situation in der Lage, Behandlungen in gewohnter Qualität und Sicherheit durchzuführen. „Der Patient muss absolut keine Angst haben.“

Die zahnärztliche Versorgung in Westfalen-Lippe sei weiterhin gewährleistet, erklärt Rieckesmann. Gleichwohl hat die Krise spürbare Auswirkungen. Sowohl angestellte Zahnärzte als auch zahnmedizinische Fachangestellte sind in erheblichem Maße von Kurzarbeit betroffen, teilt die Kammer mit. Genaue Zahlen seien derzeit aber noch nicht bekannt, da diese bei den berufsständischen Organisationen nicht gemeldet werden.

Zahnärztekammer-Präsident Jost Rieckesmann.

Zahnärztekammer-Präsident Jost Rieckesmann.

Die Situation bringe auch Zahnärzte in Existenznöte. „Sogar gut etablierte Praxen halten einen Umsatzrückgang von 80 Prozent nicht länger als drei, vier Monate durch“, sagt Rieckesmann. Dann kämen auch Zahnarztpraxen nicht ohne staatliche Unterstützung aus. Die Soforthilfen des Landes NRW für Selbstständige – zwischen einmalig 9000 und 25.000 Euro – können auch von niedergelassenen Medizinern in Anspruch genommen werden. „Sie reichen aber für den kostenintensiven Betrieb einer Praxis nicht lange“, teilt die Kammer mit.

Rieckesmann hofft deshalb auch auf eine Nachbesserung des Covid-19-Entlastungsgesetzes. Das sieht bislang einen finanziellen Ausgleich für Umsatzverluste in der Corona-Krise nur für Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte sowie Psychotherapeuten vor – Zahnärzte sind davon bislang ausgenommen. Das Bundesgesundheitsministerium habe zugesagt, auch für Zahnärzte eine gesetzliche Lösung zu schaffen.

Nur unaufschiebbare Behandlungen

Zudem geht die Kammer davon aus, dass ein weitgehend normaler Betrieb in Kürze wieder aufgenommen werden kann. Das gelte insbesondere dann, wenn für die Zahnärzte und deren Mitarbeiterinnen in ausreichender Menge Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt beziehungsweise beschafft werden kann. Denn derzeit herrscht auch hier ein Mangel an Schutzmasken, Handschuhen und Brillen, teils auch an Desinfektionsmitteln. Nachbestellungen seien aktuell schwierig, sagt Rieckesmann. Vergangene Woche habe aber etwa eine erste Teillieferung von FFP2-Schutzmasken verteilt werden können. Auch um die knappen Ressourcen zu schonen, würden viele Zahnärzte derzeit nur unaufschiebbare Behandlungen vornehmen oder Schmerzpatienten versorgen . Insbesondere auf Zahnreinigungen werde derzeit öfter verzichtet, weil hier auch für das Praxispersonal ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehe.

Während die meisten Hausärzte weiterhin auch wegen Corona noch relativ gut zu tun haben, sind viele Fachärzte ebenfalls von Absagen der Patienten mit aufschiebbaren Untersuchungen und Kurzarbeit betroffen. Konkrete Zahlen hierzu liegen aber weder den Gesundheitsämtern noch der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) vor.

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