Ruf-Jugendreisen und Corona: Bielefelder Unternehmen hat Stornofristen verlängert
„Die Kunden warten ab“

Bielefeld (WB). Zahlreiche Jugendliche aus Bielefeld waren in ihrem Leben mindestens einmal mit Ruf auf Reisen, viele von ihnen haben später als Reiseleiter Jugendgruppen für Ruf betreut. Das Bielefelder Unternehmen gilt als Europas führender Veranstalter für Jugendreisen. 50.000 Elf- bis 23-Jährige pro Jahr sind mit Ruf zu 60 Zielen weltweit unterwegs, seit der Gründung 1981 insgesamt mehr als eine Million. Welche Folgen die Corona-Pandemie für das Jugendreise-Unternehmen hat, erläutert Kristina Oehler, geschäftsführende Gesellschafterin. Die Fragen stellt Burgit Hörttrich.

Dienstag, 07.04.2020, 08:00 Uhr
50.000 junge Leute sind pro Jahr sind mit Ruf zu 60 Zielen weltweit unterwegs. Foto: Ruf Jugendreisen

Ruf-Jugendreisen hat wegen der Corona-Krise alle Reisen zunächst bis zum Ende der Osterferien ausgesetzt, Wie viele Reisende sind von dieser Absage betroffen? Wohin wären Sie gefahren? Waren Gruppen in Österreich und Südtirol unterwegs oder musste eine der Reisen wegen Corona abgekürzt werden?

Kristina Oehler: Wir haben für die Osterferien unser Wintersportprogramm nach Österreich und unsere Fernreisen unter anderem in die USA absagen müssen. Zwischen den Weihnachts- und Osterferien haben wir traditionell keine Kunden unterwegs, so dass es da keine Probleme oder Reisekürzungen gab.

 

Sind die Osterferien – neben den Sommerferien – ein Reise-Schwerpunkt bei Ruf?

Oehler: In den Osterferien wären rund 500 Gäste mit uns gereist, das ist gegenüber dem Sommer nur ein kleiner Anteil, aber gerade die Kunden für Fernreisen haben sich natürlich sehr lange auf dieses Erlebnis gefreut. In dem Segment spielt Ostern durchaus eine Rolle, aber klar - im Vergleich mit der Sommersaison ist das Verhältnis eher gering. Im Wintersportbereich sind die Weihnachtsferien stärker, aber Skilaufen im Frühling ist dennoch recht beliebt.

 

Wurden auch bereits gebuchte Abi-Reisen abgesagt oder bietet Ruf eine Möglichkeit an, diese Reisen zu verschieben?

Oehler: Die Abi-Reisesaison startet in der Regel rund um Pfingsten, so dass es hierfür noch keine offizielle Absage gibt. Vereinzelte Stornos liegen vor, aber die Gäste warten ab. Durch die Verschiebung der Prüfungstermine melden sich Kunden und fragen nach Lösungen und neuen Terminen. Wir ermöglichen allen Abireise-Kunden das Verschieben ihrer Reise. Wir stehen dann im Austausch mit den Hauptbuchern der Gruppe und versuchen, alles möglich zu machen und Kontingente bereit zu stellen.

 

Denkt Ruf-Jugendreisen über eine Gutscheinlösung für Jugendliche nach, die ihre Reise nicht antreten konnten? Oder bekommen Sie das bereits gezahlte Geld zurück?

Oehler: Wir bieten ihnen auch jetzt schon Gutscheine an, die wir dann mit einem zusätzlichen Benefit versehen. Die Gutscheine können in diesem und im nächsten Jahr eingesetzt werden. Für viele ist diese Lösung gut. Man möchte ja verreisen und hat das auch entsprechend eingeplant.

 

Kristina Oehler ist geschäftsführende Gesellschafterin bei Ruf-Jugendreisen. Foto: Jörg Dieckmann

Hat Ruf-Jugendreisen wie zum Beispiel Unternehmen wie Tui auch finanzielle Unterstützung bei Land oder Bund beantragt?

Oehler: Wie jeder andere Reiseveranstalter auch stehen wir vor der Herausforderung, laufende Kosten decken zu müssen, Anzahlungen für Reiseleistungen getätigt zu haben und aktuell keine oder nur wenige Buchungen zu erhalten. Damit sind wir auch auf Hilfen angewiesen und hoffen, dass auch beim Mittelstand die versprochenen Maßnahmen ankommen. Eine Branchenlösung rund um die Gutscheine für stornierte Reisen ist zudem ein wichtiges Mittel, die Reiseveranstalter und deren Partner abzusichern.

 

Gehen Sie zur Zeit davon aus, dass die Reisen während der Sommerferien stattfinden können? Sind Camps, Clubs, Hotels weiterhin für diese Zeit gebucht und Reiseleiter verpflichtet worden?

Oehler: Wir glauben fest an den Sommer, wir glauben daran, dass gerade nach der schwierigen Zeit die Lebensfreude und die Lust am Reisen noch größer ist. Sicher kann man zum heutigen Zeitpunkt den Start der Saison nicht benennen, aber das Ruf-Team bereitet sich auf alle Eventualitäten vor. Wir stehen mit unseren Partnern im In- und Ausland im Austausch und alle glauben nicht nur an den Sommer, sondern bereiten ihn auch vor. Ja, wir haben schon viele Reiseleiter verpflichtet, suchen aber weitere junge Menschen, die Lust haben, bei uns zu arbeiten. Weil wir zur Zeit natürlich keine Seminare im House of Ruf auf dem Lenkwerk-Gelände durchführen können, arbeiten wir an Online-Seminaren, um sie fit für den Einsatz vor Ort zu machen.

 

Gehen bei Ihnen aktuell viele Anrufe oder Mails von Jugendlichen oder deren Eltern ein, die wissen wollen, wie es weiter geht?

Oehler: Ja, das Team am Telefon mit dem direkten Kontakt zu den Gästen ist sehr gefragt. Selbstverständlich gibt es bei den Kunden viele Unsicherheiten und Fragen. Wir bitten sie, abzuwarten, und melden uns bei neuen Erkenntnissen. Natürlich ist uns das Wohl der Kunden extrem wichtig und wir handeln auch entsprechend. So haben wir die Stornofristen beispielsweise verlängert, so dass die Kunden, was ihre Reise angeht, erste einmal entspannt abwarten können.

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