Die Stadtwerke sichern Versorgung, müssen aber Einbußen hinnehmen Seismograph der Krise

Bielefeld (WB). „Wir wechseln uns ab”, sagt Rainer Müller, Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld. Er und sein Geschäftsführer-Kollege Martin Uekmann kommen in diesen Tagen immer versetzt ins Büro. Einer arbeitet stets im Home Office. So wie an der Spitze des Unternehmens läuft es überall bei den Stadtwerken. Oberstes Ziel: Die Versorgungssicherheit der Bielefelderinnen und Bielefelder in Zeiten der Corona-Krise gewährleisten und das Ansteckungsrisiko verringern.

Von Michael Schläger
Blick in die Leitstelle der Stadtwerke: Von hier wird die Versorgung mit Strom gesteuert.
Blick in die Leitstelle der Stadtwerke: Von hier wird die Versorgung mit Strom gesteuert. Foto: Thomas F. Starke

Im Krisenmodus

„Es muss sich keiner Sorgen machen, dass die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser nicht klappt”, versichert Müller. Das Unternehmen ist im Krisenmodus. Ein Krisenstab entscheidet ständig neu. Für die Mitarbeiter gibt es klare Vorgaben. In den Leitständen zum Beispiel oder bei der Instandhaltung. „Es gelten strenge Abstandsregelungen”, erläutert Müller. Bei Schichtwechseln soll es möglichst keine direkten Begegnungen geben.

Die Stadtwerke-Gruppe ist gleichsam auch Seismograph der Krise. In den einzelnen Unternehmenszweigen kann man ablesen, was sie bedeutet. Bei den Verkehrsbetrieben Mobiel zum Beispiel hat sich die Zahl der Fahrgäste inzwischen auf ein gutes Drittel reduziert. Fahren an einem normalen Werktag 220.000 Menschen mit Bus und Bahn, sind es jetzt noch rund 70.000. Der Fahrplan wurde bereits reduziert, aber so, dass jeder, der kein Auto hat, zur Arbeit kommen kann.

Bei der Bädergesellschaft BBF liefen jetzt normalerweise die Vorbereitungen auf die Freibadsaison auf Hochtouren. Nun sind die 130 Beschäftigten dort in Kurzarbeit, auch die Hallenbäder geschlossen. Die Telefontochter Bitel registriert derzeit zwischen 8 und 16 Uhr eine höhere Internet-Nutzung. „Da merkt man, dass viele von zu Hause aus arbeiten”, sagt Müller. Allein bei den Stadtwerken sind rund 1000 Beschäftigten im Home Office.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Bei den Verbräuchen von Strom und Gas waren in den vergangenen Wochen noch keine deutlichen Unterschiede erkennbar. „Wir rechnen aber im zweiten Quartal mit einer Reduzierung bei den Gewerbekunden”, so Müller. Wo nichts mehr produziert wird, wird auch weniger Energie verbraucht. Dass die Privatkunden jetzt mehr zu Hause sind und dort mehr Strom verbrauchen, werde eher geringere Auswirkungen auf deren Stromrechnung haben, schätzt Müller. Auch die Entsorgungssparte Interargem mit Müllverbrennungsanlagen in Bielefeld und Hameln spürt Veränderungen: Haushaltsmüll normal, Industrieabfälle weniger.

Wegen des milden Winters war der Gas- und Fernwärmeverbrauch eh geringer. In diesem Bereich seien keine größeren Ausschläge zu erwarteten.

Schon jetzt ist aber klar: Die Krise wird wirtschaftliche Auswirkungen haben. „Wir rechnen in unterschiedlichen Szenarien”, sagt Müller. 2018 konnten die Stadtwerke noch den Verlust ihrer Verkehrstochter Mobiel ausgleichen. Das waren 22,1 Millionen Euro. Die Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor. Aber 2020 wird das wohl endgültig nicht mehr zu schaffen sein. Müller mag sich zu Details noch nicht äußern. In jedem Fall hat die Krise aber Auswirkungen auf die Konzern-Mutter, auf die Stadt. Müller und Uekmann hatten schon vor Corona betont, das Rathaus werde künftig in den Verlustausgleich einsteigen müssen. Die Zeiten satter Gewinne seien vorbei. Das gilt nun umso mehr.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7358350?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F