Schutzausrüstung für Zahnärzte wird knapp – 80 Prozent Umsatzrückgänge Nur unaufschiebbare Behandlungen

Bielefeld (WB). Knapp 200 Zahnärzte gibt es in Bielefeld. Sie gehören zu einer der​ durch das Coronavirus am meisten gefährdeten Berufsgruppen . Denn ihr Arbeitsbereich ist der Mund - direkt neben dem oberen Rachenraum, in dem die Krankheitserreger bereits lauern. Bestimmte Behandlungen nehmen sie daher derzeit nicht vor.

Von Sabine Schulze
Zahnarzt Dr. Jost Rieckesmann.
Zahnarzt Dr. Jost Rieckesmann.

„Die Patienten sind durch einen Zahnarztbesuch nicht gefährdet”, betont Dr. Jost Rieckesmann, in Bielefeld als Zahnarzt niedergelassen und Präsident der Zahnärztekammer Westfalen-Lippe. Alle Zahnärzte arbeiten mit Gesichtsmaske und Handschuhen, die Behandlungsplätze werden nach jeder Behandlung gereinigt, es wird desinfiziert und sterilisiert. “Der Patient muss absolut keine Angst haben”, sagt Rieckesmann.

Empfehlungen der Zahnärztekammer

Anders sieht das für seine Kollegen und ihre Mitarbeiter aus, für sie hat die Zahnärztekammer Empfehlungen ausgesprochen. Dazu gehört an erster Stelle, auf Zahnreinigungen derzeit zu verzichten. Denn dabei wird mit Ultraschall gearbeitet und entstehen feine Nebel. Diese Aerosole können sehr leicht Keime enthalten, da sich das Coronavirus bereits im Rachenraum vermehrt, und dadurch natürlich auf Zahnärzte oder Mitarbeiter übertragen werden. Bei “normalen” Behandlungen wie dem Ausbohren von Zähnen arbeiten die Zahnärzte zwar auch mit Wasserspülungen, das Risiko einer Tröpfcheninfektion sei durch eine effektive Absaugtechnik deutlich geringer, so Rieckesmann.

Dennoch wird den Zahnärzten geraten, derzeit nur unaufschiebbare Behandlungen vorzunehmen oder Schmerzpatienten zu versorgen. “Hintergrund ist, dass wir Ressourcen schonen wollen”, erklärt Rieckesmann. Denn es hapert an Schutzmasken, Handschuhen und Brillen, teils auch an Desinfektionsmitteln. Nachbestellungen seien aktuell schwierig, sagt der Kammerpräsident. Er appelliert an Bürger, auf selbstgefertigte und -genähte Masken zurückzugreifen und nicht für Spaziergänge, den Weg zur Arbeit oder für Einkäufe die professionellen zu nehmen: “Wir brauchen sie - dringend.” Denn “ohne” ist keine Behandlung möglich - wenngleich derzeit ohnehin viele Patienten ihre Termine absagen, weil sie verunsichert sind.

Wirtschaftlich schwierige Lage

Das Herunterfahren der Praxen bringt auch die Zahnärzte in eine wirtschaftlich schwierige Lage. “Sogar gut etablierte Praxen halten einen Umsatzrückgang von 80 Prozent nicht länger als drei, vier Monate durch. Schon jetzt sind viele Mitarbeiter in Kurzarbeit.” Und die Politik hatte die Zahnärzte nicht im Blick, als die Sondermittel für Krankenhäuser und Kassenärzte beschlossen wurden. Hier hofft Rieckesmann auf Nachbesserung. „Gerade junge Kollegen, die vor nicht langer Zeit eine Praxis übernommen oder eröffnet haben, sind sonst sofort platt”, sagt er deutlich.

Als Präsident der Westfälisch-Lippischen Zahnärztekammer hat der Bielefelder derzeit eine wichtige Aufgabe: Er möchte für akute Beschwerden Behandlungszentren für Corona-Patienten oder Verdachtsfälle einrichten. „Zahnschmerzen können einen die Wände hochgehen lassen. Aber Corona-Patienten können ja nicht einfach ihren Zahnarzt aufsuchen.” Denn der könnte sich danach direkt mit seinem Team in Quarantäne begeben. Deshalb soll es zentrale Anlaufstellen mit Schleusen und Isolationsbereich geben. Die erste soll in Münster eröffnet werden, weitere sollen etwa in Dortmund oder Bochum folgen.

Kommentare

Nur unaufschiebbare Behandlungen

Danke für diesen Bericht. Es ist wichtig die tägliche Keim-Belastung und die besonders bedrückende Situtation vieler Gesundheitsdienstleister gerade jetzt einmal darzustellen. Und das betrifft ja nicht nur die Zahnärzte. Ergotherapie, Physiotherapie, Kieferorthopädie, Logopädie und und und. Alles steht praktisch still und die wirtschaftlichen Sorgen der Praxisinhaber wiegen oft schwer trotz Hilfen.
Ein kleiner Kritikpunkt. Wir dürfen nicht vergessen, dass gerade in diesen Sprechstunden ein enger zwischenmenschlicher Kontakt herrscht. Und der ist derzeit das Problem. Der gefähliche Patient war schon immer der, von dem man NICHT wusste welche Infektionserkrankung er gerade bei sich trug. Und das betrifft auch den Zahnarzt und seine Mitarbeiterin die von ihrer eigenen Infektion vielleicht noch gar nichts wissen. Deswegen ist jeder nicht unbedingt notwendige Kontakt zu unterlassen. Beruflich wie privat. Nicht schön aber vernünftig. Und ich kenne eingenltich keinen Therapeuten der nicht alles für den Schutz seiner Patienten tut. Das WIR ist in diesen Tagen das Wichtigste. Ich tragen den Mundschutz um Dich zu schützen. Und Ich gebe Dir nicht die Hand um Dir die Keime nicht zu geben von denen ich vielleicht noch gar nichts weiss weil ich keine Symptome habe sie Dich aber villeicht an die Beatmungsmaschine bringt.
Danke an alle die das so sehen und nicht diskutieren sondern Mundschutz tragen um andere zu schützen. Villeicht auch ihren Termin beim Zahnarzt einfach absagen und dann später wieder kommen.

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