Der städtische Corona-Krisenstab sieht darin dennoch kein Zeichen der Entspannung
Die Kurve flacht etwas ab

Bielefeld (WB). In der Zeit vom 20. bis 26. März hatte sich die Zahl der Corona-Fälle in Bielefeld verdoppelt, in der Woche von 27. März bis 2. April lag die Steigerung nur noch bei 46 Prozent. „Es gibt ein deutliches Abflachen der Kurve. Ein Grund zur Entspannung ist das aber noch nicht”, sagt Sozialdezernent Ingo Nürnberger, Chef des städtischen Krisenstabs. Noch immer könne es sich dabei um eine Momentaufnahme handeln.

Samstag, 04.04.2020, 02:00 Uhr aktualisiert: 04.04.2020, 05:02 Uhr
Der Leineweber trägt Maske. Pflicht wird das aber in Bielefeld nicht. Foto: Bernhard Pierel

Statistik

Dr. Peter Schmid, Leiter des städtischen Gesundheitsamtes, verweist auf die Besonderheit der Statistik. So hat es bis Freitag, 12 Uhr, zwar insgesamt 200 Corona-Fälle in Bielefeld gegeben. Doch von diesen 200 Fällen seien aktuell nur 129 infektiös. Bei 71 ist die Krankheit geheilt. Bislang hat es einen Todesfall gegeben. Der 71-Jährige hatte schwerste Vorerkrankungen. Dass das Robert-Koch-Institut für Bielefeld noch am Freitag 316 und das NRW-Gesundheitsministerium 334 Corona-Fälle ausgewiesen hat , liegt an einem Übermittlungsfehler. Schmid: „Wir korrigieren das.“

Arminia

Die Profimannschaft des DSC Arminia darf wieder trainieren. Möglich macht das eine Landesverordnung zur Berufsausübung. Nürnberger mahnt dazu eine bundesweit einheitliche Regelung an: „Mannschaften in anderen Bundesländern dürfen noch nicht wieder trainieren. Ein Wettbewerbsnachteil.“

Problem im Rettungsdienst

Zu einem echten Problem für den Rettungsdienst wird, dass Menschen bei telefonischen Notrufen nicht angeben, dass sie Corona-Symptome zeigen oder mit einem Corona-Patienten Kontakt hatten. Dies geschehe aus Angst, nicht mitgenommen zu werden. Es habe zuletzt zwei Fälle von Menschen gegeben, die positiv auf Corona getestet gewesen seien und so die Rettungsdienst-Mitarbeiter extrem gefährdet hätten, berichtet Feuerwehr-Vize Carsten Kroll. Er versichert: „Wir kommen immer, wenn wir gerufen werden. Aber bitte ehrliche Angaben machen.“

Keine Maskenpflicht

Theoretisch könnte auch Bielefeld eine Maskenpflicht anordnen und damit dem Beispiel der Stadt Jena folgen. Es sei wichtiger auf ausreichende Handhygiene zu achten, sagt Dr. Peter Schmid. „So lange hochwertige Masken in anderen Bereichen fehlen, können wir sie nicht woanders einsetzen“, findet Ingo Nürnberger. Nichts spreche aber gegen den freiwilligen Einsatz der Masken.

Mehr Tests

Nürnberger kündigt mehr Corona-Tests in Altenheimen und in der ambulanten Pflege an. „Jetzt wird sofort bei typischen Erkältungszeichen getestet.“ Die Ergebnisse lägen meist innerhalb von 24 Stunden vor.

Schutzausrüstung

„75.000 Masken sind angeliefert worden”, sagt Feuerwehr-Vize Carsten Kroll. Die werden nun weiterverteilt: an Pflege- und Jugendhilfeeinrichtungen, an den Katastrophenschutz, an städtische Ämter und Tochterunternehmen – immer unter dem Aspekt, dass dort systemrelevante Aufgaben wahrgenommen werden. 44.000 der Masken stammen von einem Bielefelder Automobilzulieferer, der seine Produktion umgestellt hat. Auch das Land liefert jetzt mehr Schutzausrüstung. Zudem wurden Nothilfekontingente für den Fall geschaffen, dass in einem Pflegeheim viele Bewohner infiziert sind oder in einem Krankenhaus Mangel auftritt.

Spendenaufruf

Kroll dankt den vielen, die nach einem entsprechenden Spendenaufruf Masken oder Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt haben. So entstanden in der Näherei des Theaters 1600 Masken, die Uni stiftete 600 Liter Händedesinfektion. Auch Erstaunliches kam zu Tage: Ausgerechnet das Landgericht stellte OP-Kittel zur Verfügung, der Deutsch-Chinesische Freundschaftverein für Kinder und Jugendliche 500 Masken und 100 Schutzanzüge.

Abstand halten

Am Wochenende rechnet Ordnungsamts-Chef Friedhelm Feldmann wegen des schönen Wetters mit vielen Menschen, die es nach draußen drängen wird. In der ersten Wochen mit Corona-Schutz-Verordnung seien 30 Verstöße gegen das Kontaktverbot pro Tag registriert worden, aktuell seien es 50. „Die Steigerung ist auch auf mehr Kontrollen zurückzuführen“, betont er. Grundsätzlich ist Feldmann aber zufrieden mit den Verhalten der Bielefelder. Auch mit Bußgeldern ist die Stadt zurückhaltend.

Kinderbetreuung

Die Notbetreuung in Kitas und Schulen wird wenig in Anspruch genommen. 450 Kinder sind aktuell in den Kitas, 63 in der Kindertagespflege und 171 in den Schulen.

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