Die Bielefelder Genossenschaft Wochenmarkt 24 profitiert von der Corona-Krise
Hochkonjunktur mit der Lebensmitteltüte

Bielefeld (WB). Die sechsstelligen Monatsumsätze noch verdoppelt, auch die Mitarbeiterzahl von 8 auf 16 verdoppelt, den Fuhrpark von 6 auf 18 Lieferwagen sogar verdreifacht und täglich bis zu 1000 Anfragen, von denen maximal 450 bearbeitet werden können – so sieht Hochkonjunktur aus.

Freitag, 03.04.2020, 17:28 Uhr aktualisiert: 03.04.2020, 17:30 Uhr
Umschlagplatz Hof Meyer zu Bentrup in Quelle: Kaum angeliefert, werden die Lebensmittel der Erzeuger per Code markiert, danach sortiert, zu Bestellungen kombiniert, in Papiertüten verpackt und mit von der Decke hängenden Nähmaschinen verschlossen. Foto: Markus Poch

Die Bielefelder Genossenschaft Wochenmarkt 24, erst im Sommer 2018 gegründet, war bis vor drei Wochen auch ohne Pandemie auf einem guten Expansionskurs. Dann wurde sie vom Coronavirus eiskalt erwischt. „Wir sind positiv geschockt“, berichtet Vorstand Eike-Claudius Kramer. „Unsere Kapazität ist jeden Tag mehr als ausgeschöpft.“

Elf Betriebe machen mit

Es geht natürlich um die Wurst. Es geht aber auch um Käse, um Milch, Obst und Gemüse, um Backwaren, Marmelade, Fleisch und vieles mehr. Wochenmarkt 24 ist ein neuartig konzipierter Zusammenschluss regionaler Familien- und Handwerksbetriebe, der den Transfer hochwertiger Lebensmittel direkt vom Erzeuger zum Endverbraucher ermöglicht – ohne Zwischenhändler, ohne Körperkontakt. Der Kunde kann aus 2500 Produkten wählen. Er bestellt und bezahlt die Ware übers Internet und bekommt sie bis zum nächsten Morgen, 6 Uhr, in einer vernähten Papiertüte an die Haustür geliefert.

Standen am Anfang noch elf Betriebe aus Bielefeld, Herford sowie dem Altkreis Halle und dem Kreis Gütersloh hinter dem Konzept, sind es inzwischen schon 24 (siehe Info-Box), Tendenz steigend. Die Genossenschaft gehört ihnen allen zusammen, und sie alle bestimmen auch, wie die Einnahmen verteilt werden.

Ohne lange Lieferkette

„Von 100 Euro, die Wochenmarkt 24 einnimmt, erhält der Erzeuger derzeit 80“, erklärt Kramer. Der 33-Jährige ist Vorstand/Geschäftsführer des Konstruktes und sieht genau darin den Clou: Ohne lange Lieferkette, ohne Frischeverlust lande die Bestellung beim Kunden, und ohne großen Verlust lande das Geld „bei dem, der es sich mit harter Arbeit verdient hat“, nämlich dem Erzeuger. Der wiederum müsse sich zumindest auf diesem Wege nicht länger von manchen auf Gewinnmaximierung gepolten Zwischenhändlern schikanieren und finanziell ausnehmen lassen.

Doch wie genau funktioniert Wochenmarkt 24? Die Idee entwickelte Eike-Claudius Kramer im Zusammenspiel mit dem Unternehmer Robert Tönnies. Der 42-jährige Neffe des Fleischfabrikanten und Fußball-Managers Clemens Tönnies (63, FC Schalke 04) leistete auch die Anschubfinanzierung in sechsstelliger Höhe. Seit der ersten Stunde ist er als Aufsichtsratschef und treibende Kraft eingebunden.

Wo alle Fäden zusammen laufen

Als Kommissionierungszentrale dient von Anfang an eine Produktionshalle des Queller Obst- und Gemüsehofes Meyer zu Bentrup. Dort laufen jeden Abend die Fäden zusammen: Bis 20 Uhr treffen die Lieferwagen mit den Waren der kooperierenden Betriebe ein. Dank Chefdisponent Alexander Arent und einer speziell entwickelten Software der Firma Loom aus Paderborn gelingt es den 16 Mitarbeitern bis spätestens 23 Uhr, sämtliche Ware so umzuladen und zu sortieren, dass jedes Produkt in genau der Tüte landet, die von genau dem Fahrer auf genau der Route zu genau dem Kunden gebracht wird, der es erwartet – bis 6 Uhr morgens.

Das Zustellgebiet entspricht der Region, in der die Erzeuger heimisch sind. Die Fehlerquote bei der Belieferung sei minimal, betont Kramer. Ein Kontrollsystem mit Barcode, Handscannern und Warenkameras mache die Reise jedes einzelnen Produktes transparent und nachvollziehbar. Mehr als 10.000 Personen haben sich bereits registrieren lassen. Gut 1500 zählt Kramer zu seinen Stammkunden.

„In einem Einzugsbereich von einer Million Menschen ist das noch nicht viel, aber im Augenblick sind wir damit zufrieden“, sagt er. Bis zum Sommer soll technisch und personell so weit aufgestockt sein, dass sich tatsächlich 1000 Aufträge pro Tag abwickeln lassen. Angedacht ist, das boomende Vermarktungsprinzip auch auf andere Regionen zu übertragen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7356621?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Comeback mit Auswärtspunkt
Arminias Cebio Soukou (links, hier gegen Frankfurts Martin Hinteregger) erzielte das 1:0 für den Aufsteiger. Foto: Thomas F. Starke
Nachrichten-Ticker