Baustellen-Anwohner in Bielefeld-Quelle warten auf versprochene Beschilderung
Angst vor 40-Tonnern im Wohngebiet

Bielefeld (WB). Der rege Baumaschinenverkehr auf dem früheren Gemüseacker im Queller Norden freut Investor Thomas Budde und sicherlich auch die 58 Familien, die dort ein neues Zuhause finden wollen. Trotz Coronavirus-Krise rotieren dort die Kräne, und täglich sind neue Baugruben, Hauswände oder Betondecken zu erkennen.

Mittwoch, 01.04.2020, 00:00 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 07:16 Uhr
Im neuen Queller Baugebiet Charlotten-/Augustastraße wachsen die ersten Häuser in die Höhe. Zum Ärger der Anwohner ließ der Landesbetrieb Straßenbau NRW die Baustellenzufahrt von der Osnabrücker Straße aus mit einem Erdwall (Foto) auf Dauer abriegeln. Foto: Markus Poch

16 Einzel- und sieben Doppelhäuser sowie drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 28 Wohnungen sollen bis 2021 entstehen. Viele alteingesessene Nachbarn aus Anna-, Augusta- und Charlottenstraße sind von der neuen Betriebsamkeit auf dem 20.000 Quadratmeter großen Areal weniger begeistert.

Baustellenfahrzeuge bringen Lärm und Dreck

Denn seit einem Monat donnern Sattelschlepper, Bagger und bis zu 40 Tonnen schwere Zementmischer dicht an ihren Haustüren und Gärten vorbei. Sie bringen Lärm und Dreck mit und die Ungewissheit, ob die kleinen Straßen, eigentlich Sackgassen, der enormen Belastung überhaupt standhalten. Mehr Verkehr, vor allem Schwerlastverkehr, erfordert auch größere Aufmerksamkeit besonders bei Fußgängern und Radfahrern. Auf eine entsprechende, ihnen bereits zugesagte Beschilderung, die vor allem Kinder und Senioren besser schützen soll, warten die Anwohner vergeblich. Sie fürchten die nächste Niederlage.

Ursprünglich hatten sie sich nämlich gewünscht, dass das Baugebiet sowohl in seiner Entstehung als auch später für die neuen Nachbarn dauerhaft über die Osnabrücker Straße (L 756) erschlossen wird. Das wollten auch Investor Budde beziehungsweise dessen Vermarktungsbüro Gormann & Bode erreichen. „Wir haben Kopfstände gemacht“, beteuert Ulrike Bode. „Aber letztlich hat der Landesbetrieb Straßenbau NRW in dieser Sache den Hut auf.“

Landesbetrieb konnte sich mit der Idee nicht anfreunden

Besagter Landesbetrieb konnte sich mit der Idee nicht anfreunden. „Das Gesetz sieht einen zügigen Verkehrsfluss auf Landesstraßen vor“, erklärte dessen Sprecher Sven Johanning. Zufahrten solcher Art würden generell abgelehnt, sofern es andere Lösungen gebe. Straßenbau NRW genehmigte lediglich eine temporäre Lkw-Zufahrt von der Landstraße aus. Diese wurde aber Ende Februar 2020 zurückgebaut und mit einem Erdwall als Teil einer künftigen Lärmschutzmaßnahme zur Osnabrücker Straße hin abgeriegelt. Sämtlicher Baustellenverkehr fließt jetzt über die Magdalenenstraße durch das genannte Wohngebiet und bringt dessen Anwohner zunehmend auf die Palme.

Als Vorsitzender der örtlichen Reihenhaus-Eigentümergemeinschaft steht Klaus Strathkötter deshalb in Kontakt mit Bezirksamt, Bauamt, Amt für Verkehr und dem Büro des Oberbürgermeisters. „Ohne vernünftige Beschilderung ist der Begegnungsverkehr in den zugeparkten Wohnstraßen eine Katastrophe“, sagt der 75-Jährige. Außerdem kämen häufig kleine Kinder mit oder ohne Fahrrad aus einem Stichweg über die Augustastraße gesaust. „Ich möchte als Anwohner kein verunglücktes Kind unter einem Lkw hervorziehen müssen“, warnt Strathkötter.

Eigentümergemeinschaft will in Bauphase eine Einbahnstraßenregelung

Um den Baustellenverkehr mit dem Leben im Wohngebiet sicher abzugleichen, stellt sich die Eigentümergemeinschaft zumindest in der Bauphase eine Einbahnstraßenregelung vor: Lkw sollen über die Augustastraße an-, über die Charlottenstraße wieder abfahren – das ganze bei Tempo 30 und eindeutiger Beschilderung, die keinen Begegnungsverkehr zulässt.

Vom Amt für Verkehr kam jüngst die lange erwartete Mitteilung, dass „die Anordnung für eine ‚unechte’ Einbahnstraßenregelung inklusive der Anordnung von Tempo 30 für Charlotten- und Augustastraße erfolgt“ sei. Doch Klaus Strathkötter mag sich über diese positive Nachricht nicht so recht freuen. Denn am Ende schreibt Verkehrsplaner Roland Huck: „Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich Ihnen keinen genauen Umsetzungszeitpunkt mitteilen kann. Die Dringlichkeit ist den beteiligten Stellen jedoch bekannt.“

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