Mobilfunk- und Passantendaten zeigen, wie sich das Leben verändert Bielefeld bleibt zu Hause

Bielefeld (WB). Am Sonntag waren verglichen mit Samstag 22 Prozent weniger Bielefelder unterwegs. Das geht aus einer Untersuchung der Firma Teralytics im Auftrag der Bild-Zeitung hervor. Für seine Analyse hat das Unternehmen anonymisierte Mobilfunkanbieter-Daten ausgewertet. Danach waren bundesweit am vergangenen Sonntag im Schnitt 26 Prozent weniger auf Achse.

Von Michael Schläger
Mit moderner Lasertechnik wird an zwei Standorten in der Bahnhofstraße und an einem Standort in der Stresemannstraße die Passantenfrequenz gemessen. Aktuell sind die Zahlen extrem zurückgegangen.
Mit moderner Lasertechnik wird an zwei Standorten in der Bahnhofstraße und an einem Standort in der Stresemannstraße die Passantenfrequenz gemessen. Aktuell sind die Zahlen extrem zurückgegangen. Foto: Bernhard Pierel

Die interaktive Karte, die „Teralytics“ erstellt hat, zeigt, dass das Bewusstsein für die Corona-Gefahr auch bei den Bielefeldern gestiegen ist, wenngleich der Wert noch unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Schon am Samstag galten Einschränkungen der Bewegungsfreiheit. Die Drohung mit einer möglichen Ausgangssperre tat offenbar ihr Übriges.

Unterschiede zwischen den Stadtbezirken

Es lassen sich innerhalb der Stadt sogar örtliche Unterschiede ausmachen. Besonders vorbildlich waren die Senner (32 Prozent weniger unterwegs). Auch in Brackwede blieb man brav zu Hause (30 Prozent weniger). In Stieghorst lag der Rückgang bei 29 Prozent, in Jöllenbeck bei 23 und in Gadderbaum bei 22 Prozent.

Bei der Messung wird registriert, wann sich ein Handy über einen anderen Mobilfunkmasten ins Netz einwählt. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass diese Masten im Innenstadtbereich enger zusammenstehen als im ländlichen Raum. Bundesweit stehen die Daten von 30 Millionen Nutzern zur Verfügung.

Nur 371 Menschen waren innerhalb einer Stunde in der Fußgängerzone

Noch exakter als die Betrachtungen von Teralytics sind die Passantenmessungen der Firma Hystreet an den Orten, wo sich sonst die meisten Menschen in der Stadt drängeln: in der Bahnhof- und in der Stresemannstraße. Beispiel der gestrige Dienstag, zwischen 10 und 11 Uhr: Zu diesem Zeitpunkt waren in der südlichen Bahnhofstraße, also zwischen Karstadt und Jahnplatz, 371 Menschen unterwegs. Üblicherweise tummeln sich zu diesem Zeitpunkt fast 2700 in diesem Bereich. Die vom Land verordnete Kontaktsperre zeigt zusätzlich zu den Ladenschließungen deutlich Wirkung.

Eigentlich gehört die Bielefelder Bahnhofstraße zu den am meisten frequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands. Noch im Februar dieses Jahres wurden dort von Hystreet fast eine Million Passanten registriert. Damit lag sie noch vor Top-Adressen wie dem Hamburger Jungfernstieg oder der Düsseldorfer Schadowstraße und bundesweit auf Platz 17. Für den März sind die Zahlen deutlich rückläufig.

Am noch fast „unbeschwerten” Samstag, 7. März, wurden 65.321 Passanten in der südlichen Bahnhofstraße gezählt, eine Woche später 40.298 und am vergangenen Samstag noch 4833. In der Stresemannstraße, also dort, wo sich der Hauptzugang zum Shoppingcenter Loom befindet, waren im Februar 535.790 Menschen unterwegs. Im März sind es bisher 291.205, am vergangenen Samstag noch 5260.

Coronavirus stellt das Leben auf den Kopf

Wie das Coronavirus das Leben im Lauf des Monats März auf den Kopf gestellt hat, lässt sich auch an älteren Mobilfunkdaten von Teralytics für Bielefeld ablesen. Gemessen wurde die „Beweglichkeit” der Bielefelder am Montag, 9. März, und am Montag, 16. März. Danach nahmen die Außer-Haus-Aktivitäten am 16. März um ein Viertel gegenüber dem 9. März ab.

Der Vergleichswert zeigt, wie dramatisch sich die Situation innerhalb dieses Zeitraums verändert hat. Am 9. März funktionierte das öffentliche Leben noch nahezu normal. Am Montag darauf dann waren Schulen und Kitas in Bielefeld geschlossen, arbeiteten bereits viele von zu Hause aus.

Hystreet sammelt die Passantendaten mit Hilfe von speziellen Lasergeräten. Das Angebot der Firma richtet sich in erster Linie an den Einzelhandel oder Immobilieneigentümer. Die Zahlen sind nicht frei zugänglich. Anders bei den aktuellen Werten von Teralytics, deren Daten vor allem Mobilitätsplaner nutzen. Sie können im Internet eingesehen werden: www.teralytics.net.

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