Ärger um Schülerspezialverkehr an der Sonnenhellwegschule in Bielefeld
„Die Eltern sind am Limit“

Bielefeld (WB). Zwischen vier und fünf Kinder werden zurzeit jeden Tag in der Schildescher Sonnenhellwegschule, einer Förderschule für Kinder mit geistiger Behinderung in freier Trägerschaft, betreut. Ihre Eltern arbeiten in „systemrelevanten Berufen“, sind beispielsweise Pflegekräfte.

Mittwoch, 25.03.2020, 15:00 Uhr
Thomas Freiwald vom Vorstand der Sonnenhellwegschule beklagt, dass Eltern hohe Anfahrtkosten bezahlen müssen, wenn sie ihr Kind nicht selbst zur Betreuung bringen. Foto: Bernhard Pierel

Sie haben Anspruch auf Betreuung, auch an den Wochenenden und in den Osterferien. Zu regulären Unterrichtszeiten werden ihre Kinder mit einem Schülerspezialverkehr, also in besonderen Fahrzeugen, zur Schule gebracht, zum Teil aus dem Bielefelder Umland. Das gilt aber nicht in der aktuellen Betreuungsphase während der Corona-Krise. Die Eltern müssen zwischen 1,90 und 2,50 Euro pro Kilometer selbst zahlen, sollen die Kinder abgeholt werden. Im Fall eines Kindes, das aus Herford kommt, wären das jeden Tag rund 60 Euro. Untragbar.

Die Eltern sind am Limit

„Die Betreuung zu organisieren, ist kein Problem“, sagt Thomas Freiwald vom Vorstand der Schule, die nach den Prinzipien der Waldorf-Pädagogik arbeitet. „Aber die Eltern, die uns die Kinder jetzt jeden Tag selbst bringen, sind am Limit.“ Die müssen nämlich vor dem Dienst den Nachwuchs erst noch in der Schule abliefern. Wegen der Entfernungen bedeutet dies teils erhebliche Umwege.

Die Detmolder Bezirksregierung weigere sich die Kosten zu übernehmen, so Freiwald. Der Aufsichtsbehörde ist der Fall bekannt. Äußern konnte sie sich am Dienstag noch nicht zu den Umständen. Deren Sprecherin Anja Hegener versprach aber eine rasche Stellungnahme. Die ist auch in einem anderen Fall erforderlich, der ebenfalls mit der Schülerbeförderung zusammenhängt.

Bisher wurde der Schülerspezialverkehr vom Land komplett übernommen

Die meisten der 132 Schülerinnen und Schüler der Sonnenhellwegschule kommen aus Bielefeld. Ein Drittel aber aus den umliegenden Städten und Kreisen bis hin nach Paderborn. Bisher wurde der Schülerspezialverkehr während der Unterrichtszeiten für alle vom Land komplett übernommen. Zum neuen Schuljahr soll diese Regelung aber nur noch für die Bielefelder Schülerinnen und Schüler gelten.

„Das Regierungspräsidium setzt damit eine gesetzliche Regelung des Landes NRW um, die schon seit dem Jahr 2005 besteht“, erläutert Freiwald. Dass bisher die Kosten noch übernommen wurden, will der Landesrechnungshof nicht länger akzeptieren.

In der Praxis könne dies bedeuten, dass einige Kinder nach den Ferien eine andere, nähergelegene Förderschule besuchen müssten. Gewissermaßen übers Geld erfolge ein Eingriff in die freie Schulwahl. „Schwierig bei Kindern die schon länger bei uns sind“, sagt Freiwald mit Blick auf die geistigen Beeinträchtigungen.

Wenn viele Kinder die Schule verlassen, werden Lehrer entlassen

Sollten viele Kinder die Schule verlassen müssen, müssten auch Lehrkräfte entlassen werden, darunter welche in Ausbildung. Eltern und Lehrer der Schule erhoffen sich wenigstens eine einjährige Übergangsfrist und Bestandsschutz für die älteren Kinder. In der Zwischenzeit wolle die Schule einen eigenen Fahrdienst organisieren.

Ältere Kinder sollen zudem lernen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln selbst zur Schule zu kommen. „Aber das braucht Zeit“, sagt Freiwald. Das Problem werde eigentlich auch dadurch gemindert, dass die meisten jüngeren Schülerinnen und Schüler inzwischen aus Bielefeld kämen. Jetzt ist Detmold am Zug. Doch im Moment, so der Schulvorstand, seien die Fronten verhärtet.

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