Bielefelder soll Nachbarin erwürgt haben – „gestörtes Verhältnis zu Frauen”
Mordanklage gegen Stalker

Bielefeld (WB). Rund um Weihnachten vergangenen Jahres sorgte ein Verbrechen für Aufsehen und Entsetzen in Bielefeld. In der Nacht zum 23. Dezember wurde die 34-jährige Supermarkt-Verkäuferin Christina F. in ihrer Wohnung an der Bremer Straße erwürgt. Angeblich, weil die Festbeleuchtung der Griechin in dem großen Mietshaus zu grell geblinkt haben soll.

Mittwoch, 18.03.2020, 09:00 Uhr
An der Bremer Straße in Bielefeld passierte das Verbrechen. Foto: Christian Müller

Nun hat Staatsanwalt Christoph Mackel Anklage wegen Mordes aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen gegen Ulf T. (59), den ehemaligen Nachbarn der Toten, vor einem Bielefelder Schurgericht erhoben. Der Mann soll ein Stalker sein. „Er hat ein gestörtes Verhältnis zu Frauen, hat sie verfolgt und verängstigt”, sagte Staatsanwalt Mackel. Der Mann habe nicht auf normalem Wege Kontakt zu ­Frauen aufnehmen können. Nach Informationen dieser Zeitung fanden Kripoermittler in der Wohnung von Ulf T. eine umfangreiche Sammlung pornografischer Filme.

Lautes Hundegebell als Motiv

Die Anklage gegen den im hiesigen Gefängnis in Untersuchungshaft sitzenden 59-Jährigen geht von folgendem Sachverhalt aus. Ulf T. soll die 34-Jährige gestalkt haben, weil angeblich ihr Hund zu laut gebellt, die Griechin zu laut Musik gehört und ihre Weihnachtsbeleuchtung zu grell geblinkt haben soll. Am Abend des 23. Dezember eskalierte dann die Situation.

Gegen 21 Uhr am Tag vor Heiligabend kam es zum ersten Streit zwischen den Nachbarn. Der Bielefelder drang dann gegen 23 Uhr beim zweiten Aufeinandertreffen in die Wohnung von Christina F. ein, mit der er Tür an Tür lebte. „Er ist direkt über die Frau hergefallen”, sagte Staatsanwalt Mackel. Die zierliche Frau sei mit „erheblicher stumpfer Gewalteinwirkung” niedergeschlagen und erwürgt worden.

Ohrring des Opfers gefunden

Dann nahm Ulf T. offenbar „Trophäen” vom Tatort mit. Der Mann soll der Toten einen Ohrring abgenommen und ihren Wohnungsschlüssel eingesteckt haben. Zudem soll der 59-Jährige Kleidung und Handtücher aus der Wohnung des Mordopfers getragen haben. Ein Teil der Textilien soll Ulf T. in den großen Müllcontainer des Mietblocks geworfen, einen anderen Teil in sein Auto gepackt haben.

Der Mord wurde entdeckt, weil der Hund der Griechin in der Tatnacht andauernd bellte und Nachbarn die Polizei riefen. Ulf T. wurde am ersten Weihnachtstag festgenommen, als er gerade mit seiner Mutter vom Weihnachtsessen zurückgekehrt war. In seinem Auto, dass er offenbar bereits für seine Flucht gepackt hatte, fanden Kripoermittler Textilien aus der Wohnung der ermordeten Griechin. Den Ohrring und den Wohnungsschlüssel der Toten soll der 59-Jährige bei sich getragen haben.

Mutmaßlicher Täter ist vorbestraft

Ulf T. soll seit langem psychisch krank sein. „ Er macht einen etwas verwirrten Eindruck und soll früher auch schon psychiatrisch behandelt worden sein“ , sagte der ermittelnde Staatsanwalt Christoph Mackel. Aus Ermittlerkreisen heißt es, dass der 59-Jährige seit langem unter psychotischen Schüben leiden soll. Die Behandlung habe er abgebrochen und vor Jahren seine Medikamente abgesetzt. Das Gutachten eines psychiatrischen Sachverständigen stehe noch aus, sagte Mackel.

Der Angeklagte ist Mackels Angaben zufolge bereits wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestraft. Er hatte vor Jahren eine Betreuerin angegriffen. Zudem soll Ulf T. vor dem Kapitalverbrechen an seiner Nachbarin eine Kassiererin eines hiesigen Supermarktes verfolgt und bedrängt haben. Die Frau habe gegen den Mann Strafanzeige wegen Stalkings erstattet, sagte der Staatsanwalt.

Torsten Giesecke, der Verteidiger von Ulf T., bezweifelte auf Anfrage, ob alle Anklagevorwürfe der Mordanklage vor Gericht zu halten sind. “Das wird die Beweisaufnahme zeigen”, sagte der Rechtsanwalt.

Der Angeklagte hat bislang zu den Vorwürfen nichts gesagt, bestätigten sowohl der Staatsanwalt als auch der Verteidiger. Wann der Prozess vor dem Schwurgericht (10. Große Strafkammer) stattfindet, steht noch nicht fest.

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