Der bundesweit agierende Getränkedienst lässt sich auf dem Möller-Gelände nieder
„Flaschenpost“ kommt nach Bielefeld

Bielefeld (WB). Einen dicken Fisch hat die Firma Möller Real Estate für ihr noch junges Gewerbegebiet auf dem Gelände der Möllerwerke in Brackwede an Land gezogen: Die „Flaschenpost“ kommt nach Bielefeld.

Donnerstag, 12.03.2020, 10:00 Uhr aktualisiert: 12.03.2020, 11:06 Uhr
Zwei Hallen aus der früheren Produktion der Möllerwerke werden aktuell nach den Vorstellungen der Firma Flaschenpost zu einem gewaltigen Lebensmittellager umgebaut. Mitten durch die abgebildete Halle verläuft bereits eine Brandschutzwand. Foto: Markus Poch

Der Getränkelieferant mit bislang 18 Standorten in Deutschland quartiert sich dort auf rund 6500 Quadratmetern ein. Er ist dann der mit Abstand größte Mieter des 120.000 Quadratmeter großen Areals, das die Firmen Möllerwerke (Maschinenbauteile) und Möllertech (Kunststoffteile für Pkw) seit 2017 anderen Betrieben zur Verfügung stellen .

Flaschenpost sitzt in Münster und expandiert seit seiner Gründung 2016 massiv in alle Himmelsrichtungen, um sich den deutschen Getränkemarkt zu erschließen. Nach Metropolen wie Hamburg, Bremen, Hannover, Dortmund, Köln, Frankfurt, Dresden und München ist nun Bielefeld an der Reihe. Bis zu 400 Mitarbeiter und 150 Fahrzeuge setzt die Firma pro Standort ein. Nach eigenen Angaben nimmt sie jährlich rund zwei Millionen Bestellungen auf, liefert täglich 60.000 Getränkekisten aus.

Option für eine Erweiterung

Als Domizil für seine neue Lebensmittellogistik in Ostwestfalen hat Flaschenpost zwei ehemalige Produktionshallen der Möllerwerke an der Brockhagener Straße ausgesucht – fast 100 Jahre alt und bis zu 16 Meter hoch. Die Umbauarbeiten zu einem gewaltigen Lager sind in vollem Gang. Mehrere An- und Einbauten sind bereits abgebrochen worden. Eine große neu Brandschutzwand ist von außen zu erkennen.

„Es gab zu diesen Räumlichkeiten mehrere Anfragen. Wir haben uns aber für die Firma Flaschenpost entschieden, weil wir das innovative Konzept schätzen“, erklärt Denis Rauhut, Geschäftsführer des Vermieters Möller Real Estate. Es sei auch schon über Erweiterungsoptionen gesprochen worden. Der Münsteraner Lieferservice, der neben Getränken auch bestimmte Haushaltsartikel und Lebensmittel zustellt, äußert sich nicht zu seinen Plänen für die Stadt Bielefeld. Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen soll die Niederlassung in Brackwede aber möglichst im Frühjahr/Sommer ihren Betrieb aufnehmen – mit zunächst 80 Fahrern.

Über sein ambitioniertes Versprechen „Wir liefern innerhalb von 120 Minuten bis an die Wohnungstür. Egal in welches Stockwerk. Immer und ohne Aufpreis!“ wirbelt das Unternehmen den Zustellermarkt der ausgewählten Regionen üblicherweise gehörig auf. Ob das auch im Raum Bielefeld so läuft? Muss der heimische Getränkemarkt mit dem Schlimmsten rechnen? Der aufmerksame Händler ist vorgewarnt und entsprechend verunsichert. Unterdessen treibt auch der zum Oetker-Konzern gehörende Online-Getränkelieferdienst Durstexpress seine Expansion voran und strebt wohl auch nach Bielefeld .

Mitbewerber in Sorge

„Ich mache mir schon Sorgen. Es wäre dumm, wenn ich das nicht täte“, sagt André Cacic. Der 55-Jährige ist selbstständiger Getränkehändler und -zulieferer in Senne und einer derjenigen „Kleinen“, die mit den zeitlichen und monetären Zustellkonditionen der Firma Flaschenpost auf keinen Fall mithalten können. Sein Getränke-Center Senne beschäftigt genau einen Fahrer, der die Lieferaufträge so gebündelt bekommt, dass er bestimmte Gebiete an bestimmten Tagen möglichst sinnvoll anfahren kann.

„Das ist auch Vertrauenssache“, sagt Cacic. „Wir kennen unsere Kunden und ihre Eigenarten. Und die Kunden kennen unseren Fahrer. Manchmal überlassen sie ihm sogar ihren Haustür- oder Kellerschlüssel. Ich weiß nicht, ob eine große Firma, die so viele Fahrer einsetzt, jemals ein solches Vertrauen aufbauen kann.“

Derweil hat das Vertrauensverhältnis zwischen Flaschenpost und dem eigenen Personal arg gelitten: In der Filiale Düsseldorf, wo 500 Mitarbeiter beschäftigt sind, wollte die Firma jüngst die Wahl eines Betriebsrats verhindern. Von „brutalen Wildwest-Methoden“ sprach die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und erstattete Strafanzeige.

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