Auftakt zur Woche der Brüderlichkeit in Bielefeld mit Annelie Buntenbach
Widerstand gegen Rassismus

Bielefeld (WB). Mit einer Ansprache von Annelie Buntenbach vor rund 80 Zuhörern hat im Saal des Neuen Rathauses am Sonntag die Woche der Brüderlichkeit begonnen. Die frühere Bundestagsabgeordnete aus Bielefeld, Mitglied im Bundesvorstand des DGB, griff das Motto der bundesweiten Veranstaltung auf: „Tu Deinen Mund auf für die anderen“ habe eine bedrückende Aktualität angesichts der Lage an der griechisch-türkischen Grenze, wo das „Menschen- und Asylrecht gerade Schaden nimmt“.

Montag, 09.03.2020, 13:00 Uhr
Auftakt zur Woche der Brüderlichkeit im Neuen Rathaus mit (von links) OB Pit Clausen, Hartmut Drüge, Julia Martynova und Ulrich Speckenbach vom Vorstand der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Bielefeld, Gastrednerin Annelie Buntenbach (DGB) und Martin Féaux de Lacroix, Geschäftsführer der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Foto: Peter Bollig

Um so mehr lobte sie die Entscheidung des Bielefelder Rates, zusätzlich hundert Flüchtlinge aus griechischen Lagern aufzunehmen. Solidarität müsse die Grundlage künftigen Handelns sein, sagte Buntenbach auch bezogen auf rechtsextreme Übergriffe in den vergangenen Monaten in Deutschland: auf die Synagoge in Halle, auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Das mache Angst. Um so wichtiger sei es, als Gesellschaft zusammenzustehen. Die AfD spiele eine Hauptrolle, dass „Unsägliches wieder gesagt wird“. Annelie Buntenbach: „Die Täter werden von diesem Klima getragen.“ Sie forderte zum Widerstand auf, weil Rassismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei.

Komplizierteres Miteinander

Auch OB Pit Clausen stellte in seiner Begrüßung fest, dass „wir auch 75 Jahre nach Auschwitz den Auftrag ‚Nie wieder‘ nicht erfüllt haben“. Denn es gebe immer noch rechtsextremen Terror, Hass und Hetze – eine „entsetzliche Entwicklung die zeigt, dass unsere Gesellschaft bedroht ist“.

Dem Auftrag „Nie wieder“ sieht sich auch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit verpflichtet, die sich auch mit ihrer Ortsgruppe in Bielefeld seit Jahrzehnten für den Dialog zwischen jüdischen und nicht jüdischen Bürgern einsetzt und die Woche der Brüderlichkeit ausrichtet. Die jüdische Vorsitzende Julia Martynova stellte denn auch die Herausforderung fest, den Dialog zu leben in Zeiten, in denen durch Globalisierung und Abtauchen in soziale Medien „das Miteinander komplizierter“ werde.

Weitere Veranstaltungen

Im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit folgt am Mittwoch um 19 Uhr im Haus der Kirche, Markgrafenstraße 7, ein Vortrag von Klaus-Michael Bogdal von der Uni Bielefeld über „Schattenleben. Der Ort der Roma in Europa.“ Als kultureller Beitrag ist am Sonntag, 15. März, ab 17 Uhr der Synagogalchor Hannover für ein Konzert in der Pfarrkirche St. Jodokus zu Gast.

Zur Woche der Brüderlichkeit gehören auch fünf Kurzgottesdienste in der Altstädter Nicolaikirche jeweils ab 17.30 Uhr. Die Gottesdienste gestalten Mitglieder der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit: an diesem Montag Sven Christian Puissant, am 10. März Karl-Christoph Flick, am 11. März Martin Féaux de Lacroix, am 12. März Hartmut Drüge am 13. März Manfred Sewekow.

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