Immobilienmesse in der Stadthalle Bielefeld steht im Zeichen der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt Große Nachfrage, weniger Angebote

Bielefeld (WB). Es waren zwei Themen, die die Immobilienmesse am Wochenende in der Stadthalle bestimmten: Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt und das Coronavirus.

Von Peter Bollig
Mit der Resonanz auf die bislang größte ihrer vier Immobilienmessen in der Bielefelder Stadthalle sind (von links) Christin Singer und Katrin Bader von der Projektleitung und Geschäftsführer Michael Barlag vom Veranstalter Barlagmessen zufrieden.
Mit der Resonanz auf die bislang größte ihrer vier Immobilienmessen in der Bielefelder Stadthalle sind (von links) Christin Singer und Katrin Bader von der Projektleitung und Geschäftsführer Michael Barlag vom Veranstalter Barlagmessen zufrieden. Foto: Thomas F. Starke

Das Virus, weil die Stadtwerke Bielefeld und die Toom-Baumarktkette ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt hatten und die Messeagentur Barlag als Veranstalter mit zusätzlichen Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen reagierte. Gleichwohl war das Interesse auch bei der vierten Auflage der Messe groß: Mit rund 80 Ausstellern war sie so groß wie nie, und auch mit der wiederum gestiegenen Besucherresonanz zeigte sich Geschäftsführer Michael Barlag zufrieden. Beim Zuwachs der Aussteller um 30 Prozent füllten vor allem Handwerksbetriebe die Reihen, wie Projektleiterin Katrin Bader sagte.

Neuer Wohnraum an der Jöllheide

„Diese Messe ist ein Barometer des Marktes“, meinte Michael Barlag. Das zeigte sich in der Tat an den Ständen rechts und links des roten Teppichs, auf dem die Besucher durch die Halle flanierten. Denn die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt in der wachsenden Stadt Bielefeld ist größer als das Angebot. Wohl auch deswegen war die Zahl der Besucher groß, die der Immobilienmakler eher gering, wie ein Aussteller anmerkte. Makler Michael Fredebeul gehörte zu den Anbietern und stellte ebenfalls fest, dass sich der Mangel an Bauland in Bielefeld auf das Angebot negativ auswirke. Vieles werde am Immobilienmakler vorbei verkauft. Und: „Die Leute tun sich schwer, ihre Immobilie zu verkaufen, weil sie selbst nichts Neues finden.“ Die Lage für die Makler sei angespannt, weil sie wenig Grundstücke angeboten bekämen.

„Diese Marktsituation haben wir so noch nicht erlebt“, sagte auch Christian Steinpass von der Volksbank-Tochter Geno-Immobilien. Er stellte fest: „Immobilien, die wir bekommen, gehen nach kürzester Zeit wieder raus.“ Immerhin kann Geno eines der größten neuen Bielefelder Baugebiete zumindest im Modell schon einmal präsentieren: Die Volksbanktochter vermarktet demnächst die rund 450 Wohneinheiten an der Jöllheide. Amandla International als Projektentwickler baut von Ende April an Mehrfamilienhäuser mit etwa 400 Wohnungen, dazu 15 Reihenhäuser, 30 Doppelhaushälften und neun freistehende Einfamilienhäuser. Ebenfalls auf den Markt bringt Geno zudem die von ihr selbst entwickelten Immobilien an der Neulandstraße in Theesen.

Dort ist auch die Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen (BGW) aktiv und baut 120 Mietwohnungen, davon die Hälfte als öffentlich geförderten Wohnraum. Es sollen dort alle Bevölkerungsgruppen bedient werden, wie Fabian Haslebacher von der Abteilung Finanzierung der BGW sagte: Alleinstehende ebenso wie Familien, Alte ebenso wie Junge. Die Wohnungen sind barrierefrei, haben Größen zwischen 45 und 95 Quadratmetern. Baubeginn ist im Frühjahr dieses Jahres, eine Kita wird bereits errichtet.

Stadtnahes Wohnen liegt im Trend

Die BGW informierte ansonsten vor allem über ihre Dienstleistungen als größter Vermieter in Bielefeld. Was viele Besucher des BGW-Messestandes interessierte: „Sie wohnen in einem größeren Haus, wollen sich nach der Familienphase verkleinern und suchen nun eine seniorengerechte Wohnung“, sagte Haslebacher. Was die BGW, die vor allem im Bereich des öffentlich geförderten Wohnraums am Markt unterwegs ist, derzeit umtreibt, ist das Spannungsverhältnis zwischen einem Mangel an Grundstücken, hohen Baupreisen und dem Ziel, preisgünstige Wohnungen zur Verfügung zu stellen.

Fachleute wie Christian Steinpass und Michael Fredebeul sind sich unterdessen bei den Trends einig: Die Interessenten wollen stadtnah wohnen, gerne in der Nähe von ÖPNV-Angeboten. Die Voraussetzung ist aber, dass sie es sich leisten können. „Günstige Finanzierungen gleichen die gestiegenen Grundstücks- und Baukosten nicht aus“, weiß Axel Kirschberger von der Volksbank.

Die Messebesucher erfuhren auf Fachvorträgen im neuen Workshopbereich einiges über Finanzierung, Sanierung und Bauplanung. In dieser Themenvielfalt waren auch die Anbieter vertreten: In der Stadthalle konnten sich die Besucher bei Finanzierern ebenso informieren wie bei Bauträgern oder im Detail über die passende Fliese, das richtige Dachfenster, den Fußbodenbelag oder Tischlerarbeiten. Andreas Westerburg und Markus Herbort berieten am Stand der Bielefelder Polizei über Einbruchsschutz und machten klar: Wer besonders gesicherte Fenster und Türen gleich beim Bau des Hauses einplant, lebt sicherer und spart im Verhältnis zur späteren Nachrüstung. Aber auch über diese Möglichkeit informierten die Experten.

Tipps gab’s auch für diejenigen, die Bauen oder Umzug schon hinter sich haben und den Garten genießen wollen: Die Sizzles Brothers demonstrierten in ihren Shows, welche Art von Grill zu wem passt und was die Geräte so alles können.

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