Ein Mann (53) und eine Frau (47) haben sich während einer Israel-Reise mit dem Virus infiziert - mit Video
Zwei Corona-Fälle in Bielefeld

Bielefeld (WB). In Bielefeld gibt es die ersten bestätigten Corona-Fälle . Es handelt sich um zwei Fälle, die miteinander zusammenhängen. Ein 53-jähriger Mann und eine 47-jährige Frau haben sich während einer Israel-Reise mit dem Coronavirus infiziert.

Samstag, 07.03.2020, 14:52 Uhr aktualisiert: 07.03.2020, 16:16 Uhr
Informieren über die ersten bestätigten Corona-Fälle in Bielefeld (von links): Ärztin Dr. Ina Strate-Schneider, Sozialdezernent Ingo Nürnberger und Gesundheitsamtsleiter Dr. Peter Schmid. Foto: Thomas F. Starke

Das teilte der Krisenstab der Stadt, der zuvor mehrere Stunden lang getagt hatte, am Samstagmittag mit. Die beiden Bielefeder gehörten einer Reisegruppe an, die sich eine Woche lang in Israel aufgehalten hatte. Sie waren am späten Donnerstag, 4. März, nach Deutschland zurückgekehrt. Einen Tag später erfuhren sie, dass ihr Busfahrer in Israel am Coronavirus erkrankt ist und dort im Krankenhaus liegt.

Die Reisegruppe bestand aus insgesamt 30 Personen, sieben davon kamen aus Bielefeld. Fünf Personen sind mittlerweile getestet worden. Drei Ergebnisse fielen negativ aus, zwei stehen noch aus. Alle Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne.

Zwei Familien in Quarantäne

Bei der 47-jährigen Frau handelt es sich um eine Altenpflegerin, der 53 Jahre alte Mann ist katholischer Gemeindereferent. Beide haben Familie. Der Gemeindereferent hat zwei schulpflichtige Kinder, ihre Schulen sind informiert, eine Schließung hält der Krisenstab nach aktuellem Stand aber nicht für notwendig. Die Altenpflegerin hat eine Tochter, die mit auf der Reise war, aber negativ gestetet wurde, und einen erwachsenen Sohn. In beiden Fällen sind die Familien vollständig in häuslicher Quarantäne, sie seien sehr kooperativ, betont Sozialdezernent Ingo Nürnberger, der den Krisenstab leitet.

Die Altenpflegerin arbeitet in einer stationären Einrichtung und hat nach ihrer Rückkehr aus Israel noch nicht gearbeitet. „Glück im Unglück“, konstatiert Nürnberger. Denn gerade ältere und vorerkrankte Menschen sind bei einer Erkrankung besonders gefährdet. Der Gemeindereferent hatte bereits mehrere soziale Kontakte, sie werden derzeit ermittelt und informiert. „Eventuell müssen danach Einzelne in Quarantäne“, so Nürnberger.

Sowohl die Altenpflegerin als auch der Gemeindereferent zeigen leichte Symptome einer Erkrankung. Der Mann habe Schnupfen und etwas Luftnot bei Belastung, die Frau zeige nur leichte Symptome und habe Knochenschmerzen, fühle sich aber ansonsten wohl, sagte Gesundheitsamtsleiter Dr. Peter Schmid. Beide Erkrankten werden in Absprache mit dem Gesundheitsamt durch ihre jeweiligen Hausärzte betreut.

Entwarnung an der Theodor-Heuss-Schule

Entwarnung konnte Nürnberger in einem weiteren Verdachtsfall geben: Der Schüler der Theodor-Heuss-Schule , die am Freitag von der Schulleitung vorsorglich geschlossen worden war, ist negativ gestetet. Das hat das Gesundheitsamt in Lippe, wo der Schüler wohnt, mitgeteilt. Der Unterricht an der THS wird am Montag wieder aufgenommen.

Gleichwohl rechnet Schmid damit, dass es zu weiteren Erkrankungsfällen kommen wird und sowohl das Evangelische Klinikum Bethel als auch das Klinikum Bielefeld ihre vorsorglich eingerichteten Bereiche werden in Betrieb nehmen müssen. Dann könnte es auch nötig sein, planbare Operationen zu verschieben, um für schwerkranke Coronapatienten Betten und das nötige Personal zu haben.

„Die Lage ist dynamisch“

Insgesamt jedoch, betonen Nürnberger, Schmid und seine Stellvertreterin Dr. Ina Strate-Schneider, bedeuteten die beiden bestätigten Corona-Fälle für Bielefeld keine neue Lage und keine Notwendigkeit, Veranstaltungen abzusagen. Allerdings: Die Lage sei dynamisch. Wer also berechtigterweise fürchte, von einer Coronainfektion betroffen zu sein, sollte sich beim Gesundheitsamt (Hotline 116117) oder telefonisch bei seinem Hausarzt melden, um das weitere Vorgehen und einen Test zu verabreden.

Wer eine Reise ins Ausland plant, so Strate-Schneider, solle sich an die Empfehlungen und gegebenenfalls Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes halten. „Sicher, der globale Tourismus stellt ein Risiko dar.“ Fachleute diskutieren, dass sich das Coronavirus wie viele andere Viren auch mit der wärmeren Jahreszeit „zurückziehe“ und sich die Welle der Erkrankungen abschwächen werde. „Aber das wissen wir noch nicht. Es ist eine Hypothese.“ Deutlich tritt Schmid der Vermutung entgegen, dass das Coronavirus gefährlicher als die „normale“ Grippe sei: „Die Sterblichkeit ist nicht höher. Bei den bislang erfassten Fällen lag sie bei zwei bis 3,5 Prozent. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahlen für die Grippe, die ja nicht meldepflichtig ist, auf fünf bis zehn Prozent – je nach Jahr.“

 

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