30-Zone an der Babenhauser Straße in Bielefeld: viele Autofahrer immer noch zu schnell 1247 Tempoverstöße in nur einer Woche

Bielefeld (WB). Seit 2018 gilt auf der Babenhauser Straße im Bereich des Pflegeheims Karl-Pawlowski-Haus Tempo 30 – doch bei sehr vielen Autofahrern ist dies noch immer nicht angekommen. Obwohl der semistationäre Blitzer „Bernhard“ dort schon mehrfach im Einsatz war , wird nach wie vor häufig deutlich zu schnell gefahren, wie die Zahlen des derzeitigen Einsatzes des Blitzers dort belegen.

Von Hendrik Uffmann
Allein in der letzten Februar-Woche hat Blitzer „Bernhard“ an der Babenhauser Straße 1247 Tempoverstöße registriert.
Allein in der letzten Februar-Woche hat Blitzer „Bernhard“ an der Babenhauser Straße 1247 Tempoverstöße registriert. Foto: Thomas F. Starke

Allein in der ersten Woche vom 22. bis 29. Februar, in der „Bernhard“ nun wieder an der Babenhauser Straße im Einsatz war, gab es 1247 Tempoverstöße. In 47 Fällen lagen die Überschreitungen im Bußgeldbereich – das heißt, dass die Autofahrer mit mehr als 20 Stundenkilometern zuviel unterwegs waren. In vier Fällen wurde ein Fahrverbot ausgesprochen, trauriger „Spitzenreiter“ war ein Fahrzeug, das in der 30-Zone mit 76 Kilometern pro Stunde unterwegs war.

Diese Zahlen nennt Norman Rosenland vom städtischen Ordnungsamt. „Die Fallzahlen sind unverändert hoch. Anderswo gehen sie zurück, hier nicht“, so Rosenland.

Wie berichtet, hatte Stefan Heiermann, Abteilungsleiter der Bußgeldstelle des Ordnungsamts, bereits im vergangenen November bei der Vorstellung der Bilanz von Blitzer „Bernhard“ auf die Babenhauser Straße hingewiesen und festgestellt, dass es dort offensichtlich keinen „Lerneffekt“ gegeben habe.

8806 Verstöße

Und offenbar gibt es diesen bis heute nicht, wie die jüngsten Zahlen nahelegen. Dabei war der Blitzer seit Mai 2019 vier Mal für jeweils für etwa eine Woche an der Babenhauser Straße eingesetzt, so Norman Rosenland. Und darüber hinaus habe es kurzzeitige Einsätze der mobilen Blitzer der Stadt gegeben. Rosenland: „Dabei sind 8806 Verstöße festgestellt worden, davon 727 Fälle im Bußgeldbereich. In 54 Fällen wurden Fahrverbote verhängt.“ Der Gesamt-„Spitzenreiter“ sei mit 102 Stundenkilometern unterwegs gewesen.

Eingerichtet worden war die Tempo-30 Zone beidseits der Einmündung der Splittenbrede vor allem, um dort das Überqueren der Straße für die Bewohner des Karl-Pawlowski-Hauses und des angrenzenden betreuten Wohnens sicherer zu machen . Auch die Bezirksvertretung Schildesche hatte sich zuvor dafür stark gemacht.

Schon als klar gewesen sei, dass das Pflegeheim dort neu gebaut werden soll, habe man darauf hingewiesen, dass der Verkehr auf der Babenhauser Straße gefährlich sein könnte, sagt Claudia Stiller, Leiterin des Karl-Pawlowski-Hauses. „Vor der Einrichtung der Tempo-30-Zone sind die Autofahrer hier gerast wie die verrückten.“ Selbst Busse und Lkw seien deutlich zu schnell gefahren. Seit der Tempo-Begrenzung auf 30 km/h sei die Situation etwas besser geworden.

Pflegeheimbewohner (81) schwer verletzt

Als zusätzliche Lösung habe man eine Fußgängerampel vorgeschlagen, doch diese sei verkehrsrechtlich nicht möglich gewesen. Die Querungshilfe jedoch, die etwas weiter stadtauswärts bestehe, sei für die Bewohner nicht optimal. Claudia Stiller: „Für Menschen, die auf einen Rollator oder einen Rollstuhl angewiesen sind, ist das eine ganz schöne Ecke entfernt.“

So habe es auch schon zwei Unfälle gegeben. Bei einem wurde ein Bewohner (81) des Karl-Pawlowski Hauses beim Überqueren der Babenhauser Straße von einem Auto erfasst und so schwer verletzt, dass er nun nicht mehr mit Hilfe eines Rollators laufen kann, sondern auf einen Rollstuhl angewiesen ist. In einem anderen Fall habe es einen Auffahrunfall gegeben, weil ein Autofahrer für einen Fußgänger habe stark abbremsen müssen, so die Hausleiterin.

Deshalb hoffe sie nun, dass der von der Stadt geplante und zugesagte Zebrastreifen möglichst schnell angelegt wird. Dieser soll in direkter Nähe des Karl-Pawlowski-Hauses eingerichtet werden, „und dieser ist dann auch sicher wirksamer als die Querungshilfe“.

Einen klar erkennbaren Effekt habe nach ihrer Beobachtung auch der Einsatz von „Bernhard“. Claudia Stiller: „Es ist deutlich besser, wenn der Blitzer hier steht. Dies hält dann meist noch etwa zwei bis drei Wochen an, auch wenn er wieder weg ist.“

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Selbst gemachte Gefahrenstelle

Die andere Hälfte der Wahrheit ist, dass die Gefahrenstelle am Karl-Pawlowski-Haus an der Babenhauser Str. selbst gemacht ist.
Die Verkehrsinseln gab es dort bereits vor Bau des Pflegeheims. Wieso ein Pflegeheimbetreiber bei seinem Neubau, den Ausgang genau zwischen zwei Verkehrsinseln errichtet und nicht vor einer Verkehrsinsel ist völlig unverständlich, ebenso weshalb das bei der Baugenehmigung niemand auffällt.
Die Gefahrenstelle hätte von Anfang an vermieden werden können. Sich als Pflegeheimbetreiber nun hinzustellen und sich zu beklagen ist daher etwas unehrlich. Das Problem ist selbstverursacht.

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