Bezirksbürgermeister Gerhard Haupt empfängt in Bielefeld den Soldaten Stefan Mahne Heil zurück aus dem Irak

Bielefeld (WB). Ein Buch mit humorigen Kurzgeschichten steckt unter dem Geschenkpapier. Es ist eine kleine Anerkennung des Senner Bezirksbürgermeisters Gerhard Haupt für die Arbeit des Luftwaffen-Infanterie-Offiziers Stefan Mahne. Der 40-Jährige war erst kürzlich unversehrt von einem schwierigen, halbjährigen Einsatz im Irak zurückgekehrt. „Oft werden nur die Soldaten geehrt, die nicht mehr gesund oder gar nicht aus einem Krisengebiet zurückkommen“, sagt Haupt. „Dabei sind die humanitären Einsätze unserer Soldaten so wichtig.“

Von Markus Poch
Der Berufssoldat absolviert einen Dienst, der in der Verfassung verankert ist. Dafür müsse er nicht bejubelt werden, aber einen gewissen Respekt habe er sich damit schon verdient, finden Stefan Mahne (links) und Bezirksbürgermeister Gerhard Haupt.
Der Berufssoldat absolviert einen Dienst, der in der Verfassung verankert ist. Dafür müsse er nicht bejubelt werden, aber einen gewissen Respekt habe er sich damit schon verdient, finden Stefan Mahne (links) und Bezirksbürgermeister Gerhard Haupt. Foto: Markus Poch

Stefan Mahne fühlt sich als „Senner durch und durch“. Er ist verheiratet, Vater von sechsjährigen Zwillingen und engagiert im Vorstand des Sportvereins TuS 08 Senne. Seinen Dienst als Berufssoldat versieht der ausgebildete Sozialpädagoge im Stab der Panzerbrigade Augustdorf bei der Luftwaffe. Wegen seiner Auslandserfahrungen als Militärbeobachter und Ausbilder im Sudan, in Kenia und Afghanistan wurde er im Sommer 2019 dazu ausgewählt, bis Januar 2020 als Verbindungsoffizier in der Stadt Erbil/Irak bei der Bekämpfung der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu helfen.

Mitglied einer internationalen, von den USA angeführten Koalition

Als Mitglied einer internationalen, von den USA angeführten Koalition zur Zerschlagung des IS arbeitete Mahne eng mit der kurdischen Regionalregierung zusammen, führte Gespräche mit hochrangigen Diplomaten, berichtet von schwierigen Vermittlungsrunden zwischen den Ethnien und von der enormen Bedeutung persönlicher Kontakte. Manchmal habe er gar die Bundesrepublik Deutschland repräsentiert, die Tragweite seiner Entscheidungen aber erst später begriffen. Üblicherweise hatte er auch nicht dort zu tun, wo es krachte, wo sich Terroristen und Soldaten tatsächlich bekämpften. Der Senner nennt seinen Einsatzort zwar ein „international besetztes Haifischbecken“, aber zu denjenigen, „die dort mit Waffe und kugelsicherer Weste durch den Wüstensand kriechen“, habe er nicht gehört.

Einmal allerdings, es war in der Nacht zum 8. Januar, bekam er einen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, plötzlich unter Beschuss und in Lebensgefahr zu sein. Der Alarm hatte ihn und seine 100 deutschen Kollegen auf dem Flughafengelände Erbil aus dem Bett gerissen und in den Bunker getrieben, manche schon mit Waffe in der Hand, aber noch im Schlafanzug. „Dort konnte man den Einschlag der Rakete durch die Erschütterung deutlich spüren“, erzählt Mahne. Sein Puls sei hoch gewesen, die Konzentration auf die Lage fokussiert, niemand habe ahnen können, was als nächstes passiert. Es passierte nichts.

Neuer Auftrag als UN-Militärbeobachter in Westsahara

Der Angriff entpuppte sich letztlich als deeskalierender Schlag des Iran, der keinen Personen- oder größeren Sachschaden anrichtete. „Ich glaube, ich kann jetzt nachvollziehen, wie sich meine Großeltern bei den Bombardements 1944/45 gefühlt haben“, sagt der Senner Familienvater ehrfurchtsvoll. Während er im Irak diente, seien dort landesweit mehr als 1000 Menschen bei Straßenkämpfen getötet worden.

Dafür dass er die Zeit dort auch mental überstanden hat, macht er vor allem den Rückhalt an seiner Familie, aber auch den Zuspruch aus dem Freundeskreis verantwortlich. Wieder in Deutschland sei es entsprechend schwierig, zurück in die trivialen Themen des Alltags zu finden. Jetzt, da ihm die Bundeswehr mit Seminaren und Gesprächen bei der Bewältigung des posttraumatischen Stresssyndroms hilft, zeichnet sich sein nächster Auslandseinsatz bereits ab: Ende 2022 wird er wohl als UN-Militärbeobachter einige Monate nach Westsahara gehen.

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