Amtsgericht Bielefeld: Angeklagter zahlt dem Tierschutzverein 1500 Euro
Erhängter Hund: Verfahren eingestellt

Bielefeld (WB). Ein überaus grausamer Fall von Tierquälerei im Bielefelder Süden bleibt ungeklärt: Das Amtsgericht Bielefeld hat am Montag das Verfahren gegen einen 55-jährigen Mann eingestellt. Er war von der Staatsanwaltschaft verdächtigt worden, seinen 15 Jahre alten, schwer kranken Hund zum Ersticken an seiner Leine in einen Baum gehängt zu haben.

Dienstag, 03.03.2020, 10:00 Uhr
Das Verfahren gegen einen 55-jährigen Mann wurde eingestellt. Foto: Peter Bollig

Spaziergänger hatten „Joschi“, so hieß der 30 Zentimeter große Rüde, in der Nacht zum 31. Dezember 2018 leblos und wie beschrieben in einer Grünanlage neben der viel befahrenen Lämershagener Straße gefunden . Da sein Herrchen sich ganz in der Nähe aufhielt, nach eigenen Angaben unter Alkoholeinfluss auf einer Bank ein Nickerchen gemacht hatte, war der Fall für die Staatsanwaltschaft klar: Wie berichtet, ging sie davon aus, dass der Mann seinen Hund umgebracht hat, um möglicherweise die Tierarztkosten zur Einschläferung zu sparen.

Die Aussagen des Beschuldigten

Auf Antrag der Anklagebehörde erließ das Bielefelder Amtsgericht wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz einen Strafbefehl (eine Art Urteil ohne Prozess) gegen den Hundehalter und fünffachen Vater. Er sollte 2500 Euro Strafe zahlen, weigerte sich aber, das zu tun und legte über seinen Anwalt Jerrit Schöll Einspruch gegen den Strafbefehl ein. „Mein Mandant hat den Hund nicht aufgehängt und auch nicht getötet“, sagte dieser am Montag in öffentlicher Verhandlung vor dem Amtsgericht.

Es sei seinem Mandanten sehr wichtig, klar zu stellen, dass er das Tier seiner früheren Lebensgefährtin seit Jahren gepflegt hat und auch nicht wollte, dass es ins Tierheim kommt, wo es wegen seiner Krankheiten (Erblindung, Demenz, Inkontinenz) angeblich eingeschläfert werden sollte. Der gelernte Bergmann, zurzeit arbeitslos, sei in besagter Nacht geschockt von dem Anblick seines getöteten Hundes gewesen. Er habe seit Bekanntwerden der Tat mit schweren Drohungen und Beschimpfungen über das Internet leben müssen – obwohl es keinerlei Tatzeugen gab.

Aus Mangel an Zeugen

Nach Ansicht der Amtsrichterin Kerstin Heitker und auch der Staatsanwältin Evelyn Harkötter hat der mutmaßliche Täter nicht unbedingt aus Grausamkeit so gehandelt, sondern eher aus Verzweiflung, um sich selbst und den Hund endlich aus dieser Notlage zu erlösen. Aus Mangel an Zeugen schlug die Richterin letztlich vor, das Verfahren einzustellen, sofern der Angeklagte dem Tierschutzverein Bielefeld sechs Raten zu je 250 Euro zahlt. Der Angeklagte willigte ein, das Geld wie vorgeschlagen zu spenden, will diese Bereitschaft aber ausdrücklich nicht als Schuldeingeständnis verstanden wissen. Immerhin profitiert er insofern von dieser Lösung, als er künftig nicht als vorbestraft gilt.

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