Prozess gegen Messerstecher nach Bluttat an fünffacher Mutter im Jahnplatztunnel Bielefeld
„Ich werde dir den Kopf abschneiden“

Bielefeld (WB). Selten sind bei einem Prozess am Bielefelder Landgericht so viele Tränen geflossen, selten wurde von so viel Dramatik, Gewalt und Leid berichtet. Vor dem Schwurgericht hat am Montag die Verhandlung gegen Falco T. (46), den mutmaßlichen Messerstecher vom Jahnplatz, begonnen. So viel steht nach dem ersten von sechs Prozesstagen fest: Die Bluttat geschah offenbar, weil der Angeklagte, ein Deutsch-Türke mit ursprünglich arabisch klingendem Vornamen, seine Ehre und die seiner Kinder nach der Trennung von der Frau verletzt sah.

Dienstag, 03.03.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 20:38 Uhr
Zwei Justizwachtmeister führen den Angeklagten Falco T. in den Gerichtssaal. Rechts Verteidiger Jan-Christian Hochmann. Foto: Bernhard Pierel

Der seit vielen Jahren psychisch kranke Mann soll am 20. September vergangenen Jahres gegen 11.30 Uhr an den Stadtbahngleisen im Jahnplatztunnel vor zahlreichen Zeugen seine Ex-Frau Heike B. (43) angegriffen und in den Schwitzkasten genommen haben . Dann stach der Deutsch-Türke, der sich in Falco T. umbenannt hatte und zuletzt in Gadderbaum wohnte, 20 Mal mit einem kleinen Küchenmesser auf die fünffache Mutter aus Baumheide ein. „Du hast mich betrogen und mir die Kinder weggenommen, du Schlampe“, soll der Mann bei der Attacke gebrüllt haben.

Verheerende Verletzungen

Die Stiche mit der neun Zentimeter langen Klinge richteten verheerende Verletzungen bei Heike B. an. Die Küchenhilfe wurde an so gut wie allen Stellen des Kopfes, an ihren Armen und Händen getroffen, eine Arterie wurde durchtrennt. Die Deutsch-Türkin, die eigentlich Aische heißt und auf Druck ihres Mannes ebenfalls einen deutschen Vornamen annehmen musste, schwebte unmittelbar nach der Tat in Lebensgefahr. Bei einer Notoperation mit acht Bluttransfusionen retteten Ärzte das Leben der Frau. Die 43-Jährige lag wochenlang im Krankenhaus. Narben in ihrem Gesicht zeugen bis heute von der Tat. Heike B. ist weiter in Behandlung, kann schwer hören, eine Hand nur eingeschränkt bewegen, hat Schmerzen im Gesicht und eine posttraumatische Belastungsstörung. „Mir geht es nicht gut“, sagte die 43-Jährige unter Tränen vor Gericht. Zum Schutz des Opfers wurde während der stundenlangen Aussage eine Sichtschutzwand vor dem Angeklagtem aufgebaut.

Ihre Beziehung mit Falco T. sei seit mehr als zehn Jahren von Gewalt gekennzeichnet gewesen. Sie habe nicht arbeiten, sich nicht mit Freunden treffen oder zum Sport gehen dürfen, berichtete Heike B. von ständiger Kontrolle. „Mein Mann hat mich nicht als Frau, sondern als Sklave gesehen. Er war sehr gewalttätig und hat mich öfter geschlagen.“ Ihr Mann habe sie zwingen wollen, seine Medikamente einzunehmen und den Kindern unter das Essen zu mischen.

Situation eskaliert nach Trennung

Als sich das Paar im Oktober 2018 endgültig getrennt hatte, eskalierte die Situation. Nach zahlreichen Morddrohungen an Heike B. und die Kinder erwirkte die Mutter am 5. April 2019 ein Näherungsverbot gegen Falco T. „Ich werde dir den Kopf abschneiden“, kündigte der Mann unter anderem an. „Ich habe ein Jahr lang bei der Polizei Anzeigen erstattet. Warum hat die Polizei mich nicht ernst genommen, warum wollte sie mir nicht glauben“, rief Heike B. im Gericht.

Zum Prozessauftakt gab Falco T. die Tat zu, bestritt aber jede Tötungsabsicht. Seine Ex-Frau habe ihn beim zufälligen Aufeintreffen am Jahnplatz provoziert. Später beleidigte der Mann im Schwurgerichtssaal laut brüllend das Opfer.

Als Handyvideos von der Messerattacke gezeigt wurden, verließen Redouan E. und Ghassan A., die als Ersthelfer Heike B. das Leben gerettet hatten, unter Tränen den Gerichtssaal. Mittags hielt es dann auch die Schwester des Angeklagten nicht mehr im Saal aus. „Du Schweinehund“, rief sie ihrem Bruder zu und stürmte nach draußen.

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