Innenministerium bestätigt Bedarf an „temporärer Ausbildungsstätte“ – Stadt Bielefeld plant weiter
Bundespolizei will Catterick-Kaserne

Bielefeld (WB). Die Bundespolizei will in der Catterick-Kaserne an der Detmolder Straße ein Ausbildungszentrum einrichten. Diese Absicht haben nun das Bundesinnenministerium und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) bestätigt. 

Dienstag, 03.03.2020, 14:00 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 14:42 Uhr
Die Catterick-Kaserne an der Detmolder Straße steht seit fast zwei Wochen leer. Das 34 Hektar große Gelände gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Foto: Bernhard Pierel

Offensichtlich scheint die Polizei das Gelände jedoch nur vorübergehend nutzen zu wollen – ab wann, für wie lange und in welchem Umfang, dazu gibt es vom Ministerium und der Bundesbehörde noch keine Auskünfte. Die Stadt Bielefeld hat laut Sven Dodenhoff (Bauamt) selbst noch keine Information über die Absichten der Bundespolizei.

Anmeldung bei der BImA

„Die Bundespolizei hat grundsätzlich Bundesbedarf an der Catterick-Kaserne angemeldet“, erklärt hingegen die BImA, in deren Eigentum die Kasernenareale nach der Übergabe durch die Briten sind, auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTS. Jedoch liege bisher kein Beschaffungsauftrag vor, aus dem hervorgeht, wie und in welchem Umfang die Bundespolizei die Liegenschaft nutzen möchte.

Benötigt werde die Kaserne, um die Ausbildungskapazität der Bundespolizei vorübergehend zu erhöhen, erklärt Daniil Kushnerovich, Sprecher des Bundesinnenministeriums. Deshalb gebe es die Absicht, „in Bielefeld eine temporäre Ausbildungsstätte der Bundespolizei einzurichten“, so Kushnerovich.

Wie genau und in welchem Umfang die Bundespolizei das 34 Hektar große Gelände der bisherigen Kaserne zwischen Detmolder Straße, Lipper Hellweg, Jagdweg und der Straße Am Niederfeld nutzen will, dazu machte der Sprecher des Innenministeriums ebenfalls keine konkreten Angaben.

Flächenbedarf noch unklar

Fragen dazu, wie groß der Flächen- und Gebäudebedarf der Bundespolizei ist und ob für das Ausbildungszentrum das gesamte Areal der Catterick-Kaserne benötigt werde, blieben ebenso unbeantwortet wie die Fragen, wann dieses in Betrieb gehen und welche Einheiten dort ausgebildet werden sollen. Die Einrichtung des Ausbildungsstandortes und die Fragen unter anderem in Hinblick auf die Liegenschaft würden in einem nächsten Schritt zunächst mit dem Bundesfinanzministerium der Finanzen erörtert, erklärte Kushnerovich lediglich.

Unterstellt werden soll das Ausbildungszentrum in Bielefeld nach seinen Worten direkt der Bundespolizeiakademie in Lübeck. Diese ist die zentrale Aus- und Fortbildungseinrichtung der Bundespolizei und nicht nur zuständig für die Ausbildung der Bundespolizei im mittleren, gehobenen und höheren Dienst, sondern auch bei der Grenz- und Bahnpolizei sowie in den Bereichen Luftsicherheit, Polizeitechnik, Polizeisport, Auslandsverwendung und Polizeiärztlicher Dienst.

Sieben Ausbildungszentren

Neben der Zentrale in Lübeck, an die auch der Fachbereich Bundespolizei der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung angegliedert ist, gehören zur Bundespolizeiakademie bislang außerdem sieben weitere Aus- und Fortbildungszentren. Diese haben ihre Standorte in Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern), Walsrode (Niedersachsen), Swisttal (Nordrhein-Westfalen), Diez (Rheinland-Pfalz), Eschwege (Hessen) sowie in Oerlenbach und Bamberg in Bayern. Darüber hinaus gibt es die Bundespolizeisportschulen Bad Endorf (Bayern) und Kienbaum (Brandenburg) sowie das Bundespolizeitrainingszentrum Kührointhaus (Bayern).

Auf die Frage, warum die Bundespolizei den Vorzug bei der Nutzung des Kasernengeländes erhalte und dieses nicht der Stadt Bielefeld angeboten werde, verweist die BImA darauf, dass sie die Liegenschaften nur dann veräußern dürfe, wenn kein Bundesbedarf bestehe. Erst wenn dies feststehe, könne die BImA die Liegenschaften beziehungsweise Restliegenschaften der Stadt Bielefeld im Rahmen der Erstzugriffsoption zum Kauf anbieten, so die Behörde.

Sven Dodenhoff vom städtischen Bauamt erklärt, dass dort nach wie vor noch keine offizielle Auskunft darüber vorliege, dass die Bundespolizei in der Catterick-Kaserne ein Ausbildungszentrum einrichten wolle. „Wir gehen davon aus, dass die Flächen der Stadt angeboten werden und können deshalb im Moment nur so weiterplanen wie bisher, bis wir eine andere Bestätigung erhalten sollten“, erklärt Dodenhoff. Immerhin sei man im laufenden Verfahren und arbeite schon seit 2015 daran, die Kasernenflächen für eine zivile Nutzung durch Wohnen und Gewerbe zu überplanen.

Was es bedeuten würde, wenn die Bundespolizei das Gelände als Ausbildungszentrum nutzen wolle, können die Stadt derzeit nicht einschätzen. „Denn was ‘temporär’ bedeute und welchen Platzbedarf die Bundespolizei habe, sei unklar.

Stadt will weiter Wohnungen

Klar sei hingegen, dass die Stadt den dringenden Bedarf an Flächen für Wohnraum und in Teilen auch für Gewerbe sehe und dies auch weiterhin gegenüber der BImA deutlich machen werden, betont Sven Dodenhoff.

Um dies auch deutlich zu machen, habe die Stadt als „schärfstes Schwert des Städtebaurechts“ schon 2017 eine vorbereitende Untersuchung zur städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme eingeleitet. Außerdem habe es 2016 und 2017 jeweils einen Bürgerdialog gegeben und habe der „Runde Tisch Konversion“ zehn Mal getagt.

Bei der öffentlichen Informationsveranstaltung an diesem Mittwoch (18 Uhr, Großer Saal der VHS in der Raspi) sollen auch grobe Pläne vorgestellt werden, wie das Gelände der Catterick-Kaserne entwickelt werden könnte , so Dodenhoff.

Nach wie vor aber hätten sich Mitarbeiter der Stadt aber selbst kein Bild von dem Gelände durch eine Besichtigung vor Ort machen können. Dodenhoff: „Wir bemühen uns, zeitnah die Gebäude in Augenschein nehmen zu können.“

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