Erster „Plogging“-Tag war ein voller Erfolg – 160 Freiwillige sammeln 670 Kilo Abfall
„Eine tolle Aktion für Bielefeld“

Bielefeld (WB). So viel Spaß kann Umweltschutz machen: 160 Freiwillige sind dem Aufruf zum „Plogging“ gefolgt und haben am Samstag Müll gesammelt – gut 670 Kilogramm sind zusammengekommen. Mit so einer Resonanz hat Michael Wojtynek von den Initiatoren nicht gerechnet – „wir sind überwältigt“, so sein Fazit.

Montag, 02.03.2020, 06:00 Uhr
Lilli Bromann (rechts) und Christiane Busche sammeln Müll im Nordpark. Insgesamt beteiligen sich 160 Leute an der „Plogging-Aktion“. Foto: Bernhard Pierel

Das „Plogging“ – ein Wortspiel mit den Begriffen Joggen und Plocka (schwedisch für pflücken) war jedoch nur der Auftakt für den Aktionstag, zu dem die Projektgruppe „Bielefeld for Future“ des Künstlerkollektivs Ostblock – Kulturhaus Bielefeld aufgerufen hatte. Frei nach dem Motto „Ist das Kunst oder kann das weg?“ konnten am Nachmittag die Besucher des Kulturhauses an der Werner-Bock-Straße kreativ werden.

Die Frage nach dem Kunstwert konnte am Stand der „Schrottwichtel“ ganz klar mit Ja beantwortet werden: Eine ganze Menagerie aus Phantasietieren bevölkerte die kleine Ausstellung. Über allem thronte eine großes Nashorn, das aus Kronkorken, Stoff- und Metallresten und sogar Eierschalen hergestellt worden war.

Dass auch weggeworfene Plastikfolien die Kreativität beflügeln kann, bewies Künstler Daniel Giesbrecht in einer kleinen Werkstatt des Kulturhauses. Dafür benötigte er neben dem Müll nur den Kopf einer Schaufensterpuppe und einen Heißluftföhn.

Schrottwichteln einmal anders: Das Nashorn besteht ausschließlich aus Abfallprodukten wie Kronkorken, Stoffresten und Eierschalen.

Schrottwichteln einmal anders: Das Nashorn besteht ausschließlich aus Abfallprodukten wie Kronkorken, Stoffresten und Eierschalen. Foto: Bernhard Pierel

Direkt daneben experimentierten jüngere Besucher mit einem 3D-Druckerstift. Im Raum des IBZ wurde gezeigt, wie aus Stoffresten, Gläsern und Konservendosen Nützliches fürs Büro oder das Kinderzimmer entsteht. An der Wand hing eine XXL-Pappe, auf der mit gesammelten Abfallstücken eine Müll-Collage erstellt werden konnte.

Am Stand von Pia Weidemann und Stephan Schröder gab es schon einen Vorgeschmack auf den Frühling. Die beiden formten aus Blumenerde, Tonerde und Saatgut so genannte Samenbomben, die wild in die Landschaft geworfen die Stadt etwas bunter machen sollen. Wer etwas fingerfertiger war, konnte aus ausgedienten Saftverpackungen Portemonnaies falten.

Viele Familien mit Kindern waren dem Aufruf von „Bielefeld for Future“ gefolgt, aber auch so manch betagter Besucher schaute sich um. Umweltschutz und Müllvermeidung gehen jeden etwas an – und beginnen schon im eigenen Kühlschrank. Der Verein Foodsharing informierte an seinem Stand darüber, nach welchem System abgelaufene Lebensmittel bei Märkten abgeholt und wieder verteilt werden.

Stephan Noltze und Anne-Lena Friebe wiegen den gesammelten Müll. Insgesamt sind 670 Kilogramm zusammengekommen.

Stephan Noltze und Anne-Lena Friebe wiegen den gesammelten Müll. Insgesamt sind 670 Kilogramm zusammengekommen. Foto: Bernhard Pierel

„Manche verschenken die Lebensmittel in ihren Hausgemeinschaften, aber es gibt auch Verteilstellen zum Beispiel im Umweltzentrum, im Einwelthaus, in der Martini-Gemeinde und bald auch in der Uni“, weiß Serif Dag, Vorsitzender der Bielefelder Gruppe. Über die Internetplattform Foodsharing, die 2012 an den Start ging, sollen, so Serif Dag, schon 30 Millionen Kilo Lebensmittel gerettet worden sein. Der Bielefelder Verein wurde 2018 gegründet, zählt 430 Mitglieder.

Wie lecker gerettete Lebensmittel schmecken, davon konnten sich die Besucher im Kulturhaus beim Buffet persönlich überzeugen: Curry, Pilz-Bulgur-Pfanne und Obstsalat fanden reißenden Absatz. „Das ist eine tolle Aktion für Bielefeld“, zeigte sich Marianne Weiss von Bielefeld Marketing begeistert darüber, dass nicht nur das klassische Kulturhaus-Publikum den Weg in die Werner-Bock-Straße gefunden hatte. Die Initiative von Bielefeld for Future war mit 5000 Euro gefördert worden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7304299?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
SEK-Einsatz in Bad Oeynhausen
Für einen Polizeieinsatz, auch mit Beamten eines SEK, ist das Restaurant „New Orleans“ in der Bad Oeynhausener Innenstadt weiträumig mit Flatterband abgesperrt. Foto: Christian Müller
Nachrichten-Ticker