Bielefelder Jens Teutrine will Chef der FDP-Nachwuchsorganisation werden Der liberale Kevin Kühnert

Bielefeld (WB). Ein FDP-Politiker aus Bielefeld will Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen (Julis) werden. Jens Treutrine (26) bewirbt sich um die Spitze der FDP-Nachwuchsorganisation.

Von Andreas Schnadwinkel

„Die Annahme der Wahl zum Ministerpräsidenten in Thüringen war ein Fehler. Eigentlich wollte ich meine Kandidatur genau am Tag der Abstimmung im Erfurter Landtag bekannt geben. Dann habe ich abgewartet und meinen Schritt noch einmal überdacht.“ Die Bedenkzeit sei vom Eindruck einer Anti-FDP-Kampagne geprägt gewesen. „Das war nicht nur sachliche Kritik, sondern zum Teil auch ein Shitstorm. Und das hat mich darin bestätigt, mich jetzt erst recht für freiheitliche Werte einzusetzen.“ Seit Anfang 2018 ist Teutrine NRW-Chef der Julis , davor war er drei Jahre Bezirksvorsitzender in OWL. Beim Bundeskongress vom 1. bis zum 3. Mai in Berlin will der Bielefelder den nächsten Schritt machen. Bislang gibt es keine anderen Kandidaten. Sein Antrieb: „Von der FDP existiert ein falsches Bild. Wir sind weder eine Lobbypartei noch sozial kalt. Und wir arbeiten auch nicht mit der AfD zusammen. Diese Vorurteile will ich aufbrechen.“

Teutrine stammt aus Rheda-Wiedenbrück

Teutrine stammt aus Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh – und aus einem „normalen Elternhaus“, wie er betont. Sein Studium der Philosophie an der Universität Bielefeld finanziert er selbst und wohnt in einer Fünfer-WG am Jahnplatz. In seinem Leben erkennt er auch die Werte der FDP: „Wir stehen für eine faire Gesellschaft und gerechte Bildungschancen.“ An der mehrheitlich politisch linken Uni Bielefeld habe es die Liberale Hochschulgruppe nicht immer leicht gehabt. Es sei an der Tagesordnung, dass Veranstaltungen gestört werden.

Sollte Teutrine zum Bundesvorsitzenden der Julis gewählt werden, wäre er das liberale Pendant zu Kevin Kühnert, dem aus den Talkshows bekannten Chef der Jungsozialisten (Jusos). „Die Funktion wäre quasi ein ehrenamtlicher, unentgeltlicher Vollzeitjob. Aber das hält mich nicht ab.“ Wie jede Nachwuchsorganisation seien auch die Julis in ihren Ansichten und Forderungen konsequenter als die Mutterpartei. „Wir sind für die Abschaffung der Meisterpflicht und für eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“, sagt Teutrine.

Klimaschutz begrüßt er

Dass sich junge Leute für Klimaschutz engagieren, begrüßt er: „Wir haben auch ein paar Mitglieder, die bei ‚Fridays for Future’ aktiv sind. Ich setze mich auch für Klimaschutz ein, aber die radikalen Forderungen teile ich nicht. Der Kampf gegen Wachstum und Kapitalismus entspricht nicht dem Wesen des Liberalismus.“ Sein Umgang mit der FDP kann unbequem sein: „Die Loyalität zum Kurs hängt von der Liberalität der Mutterpartei ab.“

Bis zur Abstimmung über seine Kandidatur wird Jens Teutrine viel unterwegs sein. „Ich unterstütze die Julis beim Kommunalwahlkampf in Bayern und besuche die Landesverbände.“ Wahlkampf in eigener Sache muss sein.

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