9580 Menschen sind sich in Bielefeld bei einer warmen Mahlzeit begegnet
Vesperkirche war ein großer Erfolg

Bielefeld (WB). Die Vesperkirche war ein voller Erfolg: Genau 9580 Menschen haben in den vergangenen drei Wochen die Neustädter Marienkirche besucht, dort eine warme Mahlzeit bekommen und fremde Menschen kennengelernt; weitere 1000 Besucher sind zum Kulturprogramm gekommen. „Wenn es nach mir geht, wird das Projekt im nächsten Jahr wiederholt“, sagt Christel Weber, als Pfarrerin der Neustädter Kirche quasi die Gastgeberin.

Montag, 24.02.2020, 08:50 Uhr aktualisiert: 24.02.2020, 14:16 Uhr
Freuen sich über den Erfolg der Vesperkirche: von links Pfarrer Christoph Steffen, Marc Korbmacher und Pfarrerin Christel Weber in der Neustädter Marienkirche. Drei Wochen lang gab es hier eine warme Mittagsmahlzeit, Begegnungen und Kultur. Foto: Thomas F. Starke

Zum ersten Mal hat der Evangelische Kirchenkreis eine Vesperkirche organisiert. Die ersten beiden Tage waren mit etwa 240 Mittagsgästen mau, dann aber stiegen die Besucherzahlen rasant. „Wir haben mit maximal 350 Gästen jeden Tag gerechnet, waren dann aber schnell bei mehr als 580“, sagt Marc Korbmacher, Geschäftsführer der Diakonie für Bielefeld und Projektleiter.

Dadurch musste natürlich die Zahl der Mahlzeiten erhöht und mussten Abläufe etwas umorganisiert werden. Am vergangenen Freitag kamen 587 Besucher, am Samstag waren es gar 606, und auch für den Sonntag, den letzten Tag der Vesperkirche, erwartete Korbmacher eine volle Kirche.

Großspender waren zurückhaltend

Ziel war, erläutert Pfarrer Christoph Steffen als Stellvertreter des Superintendenten, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen und Begegnungen zu ermöglichen. „Und das hat hervorragend funktioniert.“ Eine tamilische Familie zählte ebenso zu den Gästen wie eine Muslima mit Kopftuch zu den Helfern gehörte. Denn ohne die Helfer ging es genauso wenig wie ohne Sponsoren.

Die Firma Steinkrüger stellte täglich frisches Obst zur Verfügung und organisierte den Transport der Mahlzeiten, die in Diakonischen Altenzentren gekocht wurden. Carolinen stellte die Getränke, Pollmeier und Lechtermann lieferte die Brötchen. Die Stadtwerke trugen die Energiekosten, Mobiel spendete die Tickets für die gut 40 freiwilligen Helfer. Nattkämper und Brummel hatten den Boden der Kirche ausgelegt, und Borgstedt reinigte. Für Kaffee und Tee sorgte dann das Kolpingwerk

Trotz der Unterstützer: Das Projekt wird mit einem Defizit von 20.000 bis 30.000 Euro abschließen. „Potenzielle Großspender waren noch zurückhaltend, weil sie die Vesperkirche noch nicht kannten“, meint Korbmacher. Er hofft, dass die große Resonanz für sich spricht und es deshalb eine Wiederholung geben kann.

Verschiedene Kunstaktionen

Denn unter dem Strich, sind sich alle einig, sei die Vesperkirche ein „unglaublich schönes Projekt“. Viele derer, die die Gastfreundschaft genossen, möchten bei einer Wiederholung als Helfer dabei sein, andere gaben eine Spende. Und Pfarrerin Christel Weber weiß von zwei älteren, alleinstehenden Damen, die sich bei der Mahlzeit kennenlernten und für die Zukunft gemeinsame Unternehmungen planen.

Daneben war die Vesperkirche auch ein soziales Projekt: „Eine Besucherin sagte mir, dass sie stets rechnen müsse und überlegen, ob sie sich etwas Gutes zum Essen kauft oder ihre Wohnung heizt“, erzählt Pfarrerin Weber. Vom 2. bis 23. Februar konnte sie im Warmen leben. Dabei, betonen alle Beteiligten, ist die Vesperkirche keine Armenspeisung: „Willkommen sind alle.“ Wer prekär lebt, konnte jeden Tag zu Gast sein. Wie viel ein jeder dann von sich preisgab, lag an ihm. Einzige Voraussetzung: sich dem Gespräch mit anderen Menschen zu öffnen. Wer daher als Gruppe kam, wurde nach der freundlichen Begrüßung – am Samstag durch Pfarrer Matthias Blomeier – gebeten, sich für die Mahlzeit zu trennen. Pfarrer i.R. Ulrich Wolf-Barnett wies die Gäste dann einem Achtertisch zu.

Ergänzt wurden die Mahlzeiten (es gab stets ein Gericht mit und eines ohne Fleisch) durch ein Kulturprogramm, das Pfarrer Bertold Becker vorbereitet hatte. Aktionskunst gab es ebenso wie Porträtfotografie (anschließend direkt an den Wänden zu bewundern), Musik durch ein internationales Jugendensemble oder eine Aufführung der Theaterwerkstatt Bethel. „Teilweise sind die Momente der Begegnung kulturell festgehalten“, freut sich Becker.

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