„Paprika“ und Bielefelder Initiative gegen mögliche Nutzung der Anlagen durch die Bundespolizei „Kasernen für Wohnzwecke“

Bielefeld-Stieghorst (WB). Die Catterick-Kaserne steht mittlerweile leer. Dass das Gelände an der Detmolder Straße sowie das Areal der ebenfalls inzwischen von den britischen Streitkräften geräumten Rochdale-Kaserne an der Oldentruper Straße künftig vor allem als Wohnquartiere genutzt werden sollen, mahnen deshalb nun erneut die Paprika-Kooperation im Rat und die Bielefelder Initiative für sozialökologische Stadtentwicklung (BISS) an.

Von Hendrik Uffmann
Bernd Küffner (von links), Reinhard Bödeker und Christian Presch beim symbolischen „Flaggentausch“ vor der Kaserne.
Bernd Küffner (von links), Reinhard Bödeker und Christian Presch beim symbolischen „Flaggentausch“ vor der Kaserne. Foto: Thomas F. Starke

Am Donnerstagnachmittag, 20. Februar, machte die Initiative mit einer Aktion vor dem Kasernentor der Catterick-Kaserne auf ihr Anliegen aufmerksam – nachdem sich am Morgen die letzten britischen Truppen mit einem kleinen Zeremoniell aus der Kaserne und aus Bielefeld verabschiedet und das Gelände an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übergeben hatten. Außerdem hat die BISS eine Online-Petition „Kasernen für Wohnzwecke“ gestartet.

Großes Potenzial für eine städtebauliche Aufwertung

Denn die BISS befürchtet, dass auf dem Gelände von Rochdale- und Catterick-Kaserne eine Ausbildungsstätte der Bundespolizei eingerichtet werden könnte. Denn für diese Zwecke sucht die Bundespolizei einen Standort in Ostwestfalen. Die BImA ist nach dem Abzug der Briten Eigentümer der Kasernen-Immobilien. Eine offizielle Information der BImA zu einer Nutzung der Kasernen durch die Bundespolizei liegt in Bielefeld bislang noch nicht vor, jedoch soll die Paprika-Kooperation im Stadtrat in den kommenden Wochen mit einer entsprechenden Anfrage rechnen.

In einer gemeinsamen Erklärung dringt die Paprika deshalb ebenfalls darauf, dass die Kasernenflächen für die Stadtentwicklung genutzt werden. Die Kooperation aus SPD, Grünen, Bürgernähe/Piraten und Lokaldemokraten betont darin erneut, dass in Bielefeld dringend Raum für bezahlbares Wohnen und schonendes Gewerbe gebraucht werde. Gerade für die Catterick-Kaserne gebe es bereits erste Entwürfe der Fachhochschule, die ein großes Potenzial für eine städtebauliche Aufwertung des Stadtteils aufzeigten, so die Paprika-Kooperation.

Um die insgesamt etwa 40 Hektar große Fläche in Stieghorst und Sieker zu entwickeln, bräuchte die Stadt jedoch die Gestaltungshoheit darüber, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Georg Fortmeier. „Deshalb wollen wir als Stadt das Erstzugriffsrecht ausüben und diese Möglichkeit nutzen.“

„Für uns kommt es überraschend, dass die Bundespolizei nun plant, ein Ausbildungszentrum dort zu errichten“, erklärt Christian Heißenberg für Ratsgruppe Bürgernähe/Piraten. Dieses würde „den langen bürgerschaftlichen Beteiligungsprozess ad absurdum führen“.

Michael Gugat (Lokaldemokraten) erklärt, dass es unverständlich sei, dass sich „der Bund hier gegen die Stadt und ihre Einwohner stelle“.

Der Abzug der Briten ist seit Jahren bekannt

Bei der Aktion der BISS versammelten sich am Donnerstag etwa 25 Teilnehmer vor dem Kasernentor. Sie hatten eine britische Flagge gehisst, die sie symbolisch einholten und gegen eine Fahne mit dem Bielefelder Stadtwappen austauschten. „Denn allein, dass nach so langer Zeit die militärische Nutzung ein Ende hat, ist schon eine Feier wert“, erklärt Christian Presch von der Initiative und kritisierte die BImA. Seit 20 Jahren sei bekannt gewesen, dass die Briten aus Deutschland abziehen, seit zehn Jahren stehe der Zeitpunkt fest. Presch: „Dass bis jetzt noch keine Nachnutzung feststeht, ist unprofessionell.“

Wohngebiet Sperberstraße wird saniert

Die alten Häuser an der Sperberstraße 1 bis 25a, 2 bis 54a sowie an der Oldentruper Straße 106 bis 106e gehören bald der Vergangenheit an. Die Stadt will sie abreißen und neue bauen lassen. Dem dazu notwendigen Sanierungskonzept hat die Bezirksvertretung Stieghorst mit Mehrheit zugestimmt. Lediglich die CDU-Fraktion stimmte dagegen. Sprecher Werner Thole begründete das erneut mit diesem Hinweis: „Wir forderten immer, dass die Häuser stehen bleiben“. Wie berichtet, wollten die Christdemokraten die Gebäude sanieren lassen und die Wohnungen vermieten.

Dagegen stehen Beschlüsse aus vorangegangen Gremien, wonach die 48 Häuser künftig 85 neuen Wohneinheiten in zwei- bis vierstöckigen Mehrfamilien- und Reihenhäusern Platz machen sollen. Es gebe zu viele Missstände, hatten Gutachter festgestellt.

Saniert werden soll zusammen mit der Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen (BGW); sie soll die 14.221 Quadratmeter große Fläche von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) erwerben. Das gesamte Vorhaben kostet nach aktueller Schätzung 26,4 Millionen Euro. „Vielleicht können die Kosten reduziert werden“, meinte Amtsleiter Peter Skarabis vor der Bezirksvertretung. Weil Sozialwohnungen geschaffen werden, verbillige sich jede Wohneinheit um 25.000 Euro, wenn städtebauliche Missstände beseitigt würden, verringere das die Kosten um 350.000 Euro .

Kommentare

Das Positive sehen...

Natürlich wäre es nicht nötig eine Polizeikaserne mitten in der Stadt zu eröffnen. Und der Wohnraum wird dringend gebraucht.
Der "bürgerschaftliche Beteiligungsprozess" in Richtung der Stadtbahnverlängerung nach Hillegossen ist allerdings völlig aus dem Ruder gelaufen: NIMBY-Interessen der Anwohner an der zukünftigen Linie 3 Verlängerung wurde plötzlich Vorrang eingeräumt, die Studie von 2011 zur Wirtschaftlichkeit der Verlängerungen von Line 3 (189% Refinanzierung) gegenüber Linie 2 (66%) beiseite gewischt. Ich unterstelle der Paprika hier Hintergedanken zur Kastrierung der Bundesstraße 66, auf die sie sonst keinen Einfluss nehmen können.
Falls der Bund nun die Fehlplanungen in Richtung Verlängerung der Line 2 / Vernichtung der Detmolder Straße als Autobahnzubringer par ordre du mufti überflüssig macht, haben Pendler beim nächsten Urnengang wenigstens die Chance auch andere Themen zu berücksichtigen.

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