„Schrittmacher trifft Tanz-Jugendclub“ präsentiert Stück zum Thema Musik
Berührend und beeindruckend

Bielefeld (WB). Schon die erste Szene offenbart eine der Qualitäten des Stücks: das wunderbare Zusammenspiel von Musik, Licht und Tanz. Zu getragenen Streicherklängen und tiefblauem Licht auf weichen Nebelschwaden bewegen sich die Tänzer langsam, suchend, ihre Körper erkundend. Und diese Harmonie zieht sich durch die gesamte Choreografie. Eine Choreografie, die vor allem auch von der exzellenten und sehr abwechslungsreichen Musikzusammenstellung lebt.

Montag, 10.02.2020, 04:17 Uhr aktualisiert: 10.02.2020, 05:00 Uhr
Beim Community-Dance-Projekt „Schrittmacher trifft Tanz-Jugendclub“ zeigten die Teilnehmer zum Teil ein beeindruckendes tänzerisches Können. Foto: Lioba Schöneck (Theater Bielefeld)

Das passt zum Thema des diesjährigen ersten Tanzprojektes: „Music was my...“. So vielfältig wie die Musik des Stückes – von Mozart über Satie bis zu Philip Glass, von afrikanischen und südamerikanischen Liedern bis zu 20er Jahre-Schlagern oder Elektrosounds – sind auch die Themen, die die Tänzer und Tänzerinnen mit Musik verbinden. Da geht es um eindrückliche Urlaubserlebnisse, um die Zeit, die viel zu schnell verfliegt, darum, was Gefühle bedeuten und natürlich um den Tanz.

Typisch für die Community-Dance-Projekte, sind hier persönliche Geschichten eingeflossen, die die Mitwirkenden kreativ, mutig und leidenschaftlich mit Rezitaten und beeindruckendem Tanz erzählen. Erfolgreich unterstützt wurden sie von dem Choreografen Adrian Look, den der künstlerischer Leiter Gianni Cuccaro dafür eigens aus London geholt hat. Die beiden kennen sich vom Tanzensemble des Bielefelder Theaters, wo sie nicht nur drei Jahre gemeinsam tanzten, sondern auch füreinander Choreografien schufen.

Look versucht in seinem Tanztheater technisches Können und emotionales Bewegungsvokabular zu verbinden, und das unter möglichst authentischem Einsatz der Tänzer. Das ist ihm auch bei diesem Tanzprojekt gelungen. Unter Mitwirkung weiterer Choreografen wie Hsuan Cheng-Floth, Iris Boer und Sebastian Pickering sowie natürlich Gianni Cuccaro und Kerstin Tölle, die den Tanz-Jugendclub leitet, haben die 19 Tänzerinnen und zwei Tänzer ein sehr persönliches und bewegendes Tanztheaterstück kreiert.

Wunderbar harmonisch war der gemeinsame Tanz beider Gruppen und das Ineinanderfließen der verschiedenen Szenen, sehr berührend die Duette, die vor allem gegenseitige Zuwendung und liebevolle Unterstützung widerspiegeln. Viel Platz blieb aber auch für kleine und größere Soli der einzelnen Teilnehmer, von denen etliche ein beeindruckendes tänzerisches Können bewiesen. Insgesamt war die Choreografie von anmutigen und fließenden Bewegungen geprägt, was sie wunderschön und immer wieder anrührend machte.

Das Stück war aber auch witzig bis zur Absurdität, etwa wenn eine Tänzerin zu dem Song „Ich bin schön“ von Jun Miyake und Mechthild Großmann wie eine Kleiderpuppe mit unzähligen Gewändern bis zur Unbeweglichkeit überzogen wurde. Einfallsreich und witzig war auch die Szene, in der die Tänzer allen möglichen alltäglichen Tätigkeiten nachgingen, begleitet von dem 1930er-Jahre-Song „Midnight, the Stars and You“ – bekannt aus der letzten Einstellung von Stanley Kubricks „Shining“.

Nicht zuletzt sorgten auch die geschmackvoll in dunklen und Rottönen gehaltenen Kostüme von Katharina Rode sowie das schöne passend gesetzte Licht – dezent von oben, mit verschiedenen Farben und Schattenspielen – für eine runde und überzeugende Aufführung.

Die vom Publikum mit nahezu frenetischem Applaus belohnt wurde.

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