Labrador Coopers Kita-Arbeit ist einzigartig in Bielefeld
Herzensbrecher auf vier Pfoten im Dienst als Co-Pädagoge

Samstag, 08.02.2020, 09:00 Uhr
Cooper, der „ausgewiesene“ Co-Pädagoge, hat immer freitags Dienst in der Kita Bullerbü. Marlo, Victoria, Nela, Mert, Anabell und Mick (von links) freuen sich jede Woche auf den Labrador-Rüden, der eineinhalb Jahre Ausbildung durchlaufen hat.

Bielefeld (WB). Cooper (6), seines Zeichens Labrador-Rüde, hat eine eineinhalbjährige Ausbildung samt Prüfung und „Stresstest“ hinter sich. Jetzt ist er in Festanstellung. Freitags hat Cooper als „Co-Pädagoge“ Dienst in der DRK-Kita Bullerbü an der Travestraße in Sennestadt und unterstützt Erzieherin Elisa Temme (27), sein „Frauchen“.

Christopher Brandes (DRK-Vorstand) sagt, das pädagogische Konzept, das Elisa Temme und Cooper verfolgten, sei einzigartig in Bielefeld. Kita-Leiterin Hanne Holtkamp weiß, dass es Kitas mit einem „Bürohund“ gebe, der aber „einfach da“ sei. Die Kita Abenteuerland des DRK nutze das Angebot der Sentana-Stiftung und habe gelegentlich einen „Besuchshund“ zu Gast.

Cooper behält immer Ruhe – auch wenn er an den Ohren gezogen wird

Cooper dagegen habe gemeinsam mit Elisa Temme die langwierige Ausbildung durchlaufen – es habe 100 Bewerbungen auf acht Plätze gegeben. Der Labrador mit dem schokofarbenen Fell musste zunächst einen Eignungstest bestehen. „Der war hart“, erinnert sich Elisa Temme. Cooper musste immer Ruhe bewahren – auch, als eine Frau sich schreiend zu Boden warf, als er an den Ohren gezogen, sein Fell heftig gegen den Strich gebürstet wurde.

Alle Eltern und auch das Veterinär- und Gesundheitsamt wurden mit einbezogen

Auch die Kita, so Hanne Holtkamp, musste nicht nur Träger DRK überzeugen, sondern auch Veterinär- und Gesundheitsamt. Außerdem mussten alle Mitarbeiterinnen Ja sagen, die Reinigungsfirma und die Eltern mussten einverstanden sein. Da habe es zunächst ein paar Vorbehalte gegeben, aber inzwischen, so Hanne Holtkamp, „dürfen alle 79 Kinder Umgang mit Cooper haben“. Kinder, die früher die Straßenseite gewechselt hätten, wenn ihnen ein Hund entgegen kam, hätten Sicherheit im Umgang mit Tieren gewonnen. 

Cooper ist nicht einfach „nur“ ein Schmusehund

Cooper ist alles andere als „nur“ ein Schmusehund. Freitags, am „Cooper-Tag“, muss er ohne Frühstück aus dem Haus, denn das bereiten ihm die Kinder (jeweils eine andere Kleingruppe) zu. Sie legen ihm seine Decke aus und alle nehmen gemeinsam die erste Mahlzeit des Tages ein. Elisa Temme sagt, sie arbeite der jeweiligen Situation angepasst, Cooper werde in kleine Spiele mit eingebunden, er könne zum Bespiel für die Kinder würfeln, gibt ein Glockensignal, unterstützt, wenn es um Geschicklichkeit geht.

Es gibt Kinder, die Cooper ihre Geheimnisse ins Ohr flüstern

Kinder, die sich keinesfalls nass oder dreckig machen wollte, matschten inzwischen herum, wenn Cooper mitmacht. Elisa Temme: „Ja, er ist ein richtiger Herzensbrecher.“ Kinder, die nicht sprechen wollten, würden mit Cooper reden und sich nach und nach mehr trauen. Elisa Temme: „Es gibt Kinder, die Cooper ihre Geheimnisse ins Ohr flüstern.“

Wenn die ganz Kleinen vor ihm stehen, legt er sich hin, damit er nicht größer ist als sie

Sie beschreibt den Hund als loyal, als wertfreien Motivator und als rücksichtsvoll: „Wenn die ganz Kleinen vor ihm stehen, legt er sich hin, damit er nicht größer ist als sie.“ Nach seinem Sechs-Stunden-Arbeitstag ist Cooper trotz diverser Pausen zwischendurch nach Feierabend erschöpft. Elisa Temme: „Zu Hause legt er sich erst einmal hin und schläft ein paar Stunden.“

In anderen Kitas gibt es Hamster und Meerschweinchen, aber Cooper ist einmalig

Christoph Brandes ist überzeugt vom Co-Pädagogen mit der großen Schnauze: „Tiere können Seelentröster sein oder eine Art Brücke, um Kinder zusammen zu bringen.“ So gebe es in anderen DRK-Kitas zum Beispiel Hamster oder Meerschweinchen, aber: „Cooper ist einmalig.“ In zwei Jahren müssen Hund und Herrchen wieder ‘ran: Dann muss die Ausbildung aufgefrischt werden.

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