Umweltamt zeigt am Beispiel eines Bungalows, was energetische Sanierung ausmacht
Vier Grad – die Heizung ist noch aus

Bielefeld (WB). Das Außenthermometer zeigt vier Grad Celsius. Drinnen werden 21 Grad gemessen. Allerdings: Die Heizung ist nicht angestellt. „Das war in diesem Winter bislang noch nicht nötig“, sagt Michael Seehrich. Der Grund: Er hat sein Haus, Baujahr 1966, energieeffizient sanieren lassen.

Freitag, 07.02.2020, 15:30 Uhr
Blick in den Keller mit der modernen Heizungsanlage. (Von links) Hauseigentümer Michael Seehrich, Uwe Hofmeister (Klimaschutzteam des Umweltamtes) und Thomas Rohrer, der auch auf Kleinigkeiten wie Schellen (über der Isolierung!) achtet. Foto: Bernhard Pierel

Bis 2050 will die Bundesregierung einen „nahezu klimaneutralen Gebäudebestand“ erreichen. Die energetische Sanierung von „Gebäuden im Bestand“ soll dazu beitragen – auch im Handlungsprogramm Klimaschutz der Stadt. Um Hausbesitzern oder -käufern zu zeigen, was machbar ist, haben Umweltamt, der Verein KlimaTisch und Alt-Bau-Neu/Bielefeld am Donnerstag ein „gutes Beispiel“ vorgestellt: Seehrichs Flachdach-Bungalow in geschlossener Bauweise an der Theodor-Haubach-Straße mit 110 Quadratmetern Wohnfläche, zwei versetzten Ebenen, einem kleinen Atrium und Teilunterkellerung.

Professionellen Rat eingeholt

2016 hat er die Immobilie im Bielefelder Westen gekauft und in einigen Monaten saniert, seit fast drei Jahren wohnt er in dem Bungalow. „Ich bin rundum zufrieden, zumal ich nicht viel machen muss“, betont Michael Seehrich.

Bei der Sanierung hat er sich professionellen Rat von Thomas Rohrer geholt, der Architekt und Energieberater hat auch die Baubegleitung übernommen. Das Haus wurde generalüberholt: Dach und Wände wurden gedämmt, ebenso die Kellerdecke, damit die neue Fußbodenheizung die Wärme in die Wohnräume abstrahlt. Die Haustür wurde ebenso erneuert wie die Fenster, die zugleich vergrößert wurden und nun eine Dreifach-Verglasung haben. „Die ist energieeffizienter als die alten Wände“, sagt Rohrer.

Wie viel deren Dämmung bringt, erläutert er anhand von Vergleichszahlen: Zwei Zentimeter eines modernen Dämmstoffes haben den gleichen Effekt wie 90 Zentimeter (!) Klinker, ein Meter Beton oder 29 Zentimeter Hochlochziegel.

61 Euro Gewinn

Auf das halbe Dach kam zudem eine Photovoltaikanlage, die das Haus versorgt und auch den Strom für die Warmwasserzubereitung liefert. „Im vergangenen Jahr habe ich sogar 61 Euro Gewinn gemacht“, sagt Seehrich schmunzelnd – obgleich er ein „ordentlicher“ Verbraucher sei. Die Photovoltaikanlage wird sich nach 16 Jahren amortisiert haben.

Für ein ausgeglichenes Raumklima und Belüftung sorgt zudem eine Umluftanlage, die zugleich Feuchtigkeit nach außen führt. Deswegen und weil wirklich lückenlos gedämmt worden sei, sagt Rohrer, gebe es keine Kältebrücken und auch keine Schimmelbildung. Und statt vorher 270 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche, verbraucht er nun 43 kW/h Energie.

Energieberater einschalten

Inklusive zweier neuer Bäder, die statt der Glaskuppeln Fenster erhielten, eingerissener und neuer Wände, neuer Rohrleitungen, neuer Böden, einer Sprechanlage sowie des Anstrichs außen und innen hat Seehrich 160.000 Euro investiert. „Und trotzdem würde ich, wenn ich jetzt verkaufe, 150.000 Euro Gewinn machen.

Sein Rat an jeden, der Ähnliches plant: Man sollte unbedingt frühzeitig einen Energieberater einschalten (was staatlich gefördert wird). Der kann auch ziemlich genau sagen, was sinnvollerweise gemacht werden sollte. Neue Fenster allein, betont Rohrer, reichen nie. Dann müsse zumindest ein Ablüfter ins Bad, besser noch eine Lüftungsanlage her. Die Fachleute findet man unter www.energie-effizienz-experten.de.

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