25-Jähriger im Aldi-Markt von Ladendetektivin erwischt
Halbes Jahr Haft: Schlägerei nach Schokoriegel-Diebstahl

Bielefeld (WB). Der Mann ist 25 Jahre jung, ledig, er hat keine Kinder – und mag „Snickers“ sehr gerne. Klingt zunächst harmlos. Bezahlen will er für den Schokoriegel nicht. Als er beim Diebstahl auf frischer Tat erwischt wird, kommt es zur Schlägerei. Jetzt muss er ein halbes Jahr ins Gefängnis.

Freitag, 07.02.2020, 13:30 Uhr aktualisiert: 07.02.2020, 14:16 Uhr
Symbolfoto: Nach dem Diebstahl einer „Snickers“-Packung eskalierte die Situation. Foto: Fels

Aldi-Markt, Otto-Brenner-Straße. Ein Freitag. Es ist 13.15 Uhr an diesem 4. Januar, als der Mann die „Snickers“-Familienpackung im Wert von 1,89 Euro in seiner Sporttasche verschwinden lässt. An der Kasse stoppt ihn die Ladendetektivin und führt ihn ins Büro. Ein Fall, wie er täglich in Deutschland vorkommt.

Ladendetektivin: „Üblicherweise wird man vorgewarnt, bevor jemand auch wirklich zuschlägt“

Doch die Situation gerät außer Kontrolle. Ein falsches Wort, Beleidigungen, offenbar auch Frust und auch Unwissenheit darüber, dass eine Ladendetektivin auch Gewalt anwenden darf, wenn es sein muss. Der Mann, der nicht gut Deutsch spricht und erst seit Ende 2018 in Deutschland lebt, dreht förmlich durch. Die Lage eskaliert. Es fliegen Fäuste, eine Scheibe geht zu Bruch. Nur durch die Hilfe mehrerer Aldi-Mitarbeiter kann Schlimmeres verhindert werden, bis die Polizei eintrifft. „Der Mann ist unberechenbar. Der flippt plötzlich aus und hat einfach zugeschlagen. Üblicherweise wird man vorgewarnt, bevor jemand auch wirklich zuschlägt“, sagt die 46-jährige Ladendetektivin. Sie und auch ihre Helfer erlitten zumindest keine ernsten Verletzungen.

Angeklagter hatte auch im Real-Markt schon versucht zu stehlen und wurde auch dort erwischt

Es war nicht ihre erste Begegnung mit dem Beschuldigten. Im Real-Markt an der Teutoburger Straße wollte er wenige Wochen zuvor Energie-Drinks stehlen. Und auch hier wurde er erwischt. Allerdings endete dieser Vorfall ohne Handgreiflichkeiten. Warum der Beschuldigte aber beim Diebstahl der „Snickers“-Familienpackung derart ausgerastet ist, bleibt im Amtsgerichtsprozess ein Rätsel. Der Mann erzählt, er sei krank und habe sich häufig nicht im Griff. Zumindest für Letzteres spricht sehr viel, zumal es schon häufiger Ausraster gegeben haben soll.

Drogen, Alkohol, Persönlichkeitsstörung sind mögliche Ursachen

Eine Persönlichkeitsstörung sei nicht auszuschließen. Das habe ein Gutachter festgestellt. Drogenkonsum und auch die Tatsache, dass der gebürtige Aserbaidschaner sein Geburtsland und die Türkei verachtet und überwiegend in der Ukraine unter schwierigen Bedingungen und zum Teil ohne Mutter und Vater aufgewachsen ist, machen die Situation nicht einfacher. Mutter und Schwester leben noch in Deutschland, der Vater ist längst abgeschoben. Der geständige Angeklagte selbst möchte nicht in Deutschland bleiben. Ihn zieht es zurück in die Ukraine.

Halbes Jahr Gefängnis ohne Bewährung

Der 25-Jährige muss wegen räuberischen Diebstahls in einem minder schweren Fall und vorsätzlicher Körperverletzung ein halbes Jahr hinter Gittern. Ohne Bewährung. Er hat zwar keine Voreintragungen, aber das Gericht geht nicht davon aus, dass er niemals wieder stehlen wird. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Die Vorsitzende Richterin Kirsten Reichmann legte ihm nahe, das Land zu verlassen. „Sie wollen ja ohnehin zurück in die Ukraine. Dort können Sie sich dann auch Hilfe holen, um ihre Persönlichkeitsstörung in den Griff zu kriegen.“

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