Bielefelder Handwerk legt bei den Umsätzen weiter zu – nur die Metallbranche zeigt „Abkühlung“
Gesucht: Betriebsnachfolger und Azubis

Bielefeld (WB). Jürgen Sautmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, spricht von „Sonderschichten, die die Betriebe schieben müssen, um die Arbeit zu bewältigen“. Kurz: Das Handwerk hat allen Grund, hochzufrieden zu sein.

Freitag, 07.02.2020, 10:00 Uhr
Im Bäckerhandwerk herrscht Hochkonjunktur. Als Umsatzbringer gelten belegte Brötchen und Snacks. Foto: dpa

Nahezu 74 Prozent der (befragten) Betriebe sprechen von gestiegenen oder unverändert hohen Umsätzen im vergangenen Jahr.

Bäckereien florieren

Vorreiter bei den hohen Umsätzen seien, so Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer, vor allem die Ernährungshandwerke, da speziell die Bäcker, und das Gebäudereinigerhandwerk.

Eher verhalten seien im Dienstleistungssektor dagegen die Umsätze bei Textilreinigern und Friseuren, so Wulfmeyer. In der Metallbranche sprechen gar 80 Prozent der befragten Betriebe von gesunkenen Umsätzen, auch beim Kfz-Handwerk sehe es nicht durchgängig „rosig“ aus. Jürgen Sautmann: „Die Kunden warten ab – zum Beispiels darauf, dass es die neue E-Prämie gibt.“

Nachwuchs fehlt

Trotz der guten Zahlen, wenn auch verbunden mit der Erwartung, dass sich das Wachstum verlangsame, gebe es Dinge, die dem Handwerk „die Sorgenfalten ins Gesicht“ treiben würden, so Martin Lang, Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft.

Da sei zum einen der Nachwuchsmangel, zum anderen auch die geringe Bereitschaft, einen Betrieb in eigener Verantwortung zu führen. Die Folge, so Wulfmeyer: „Tendenziell wird die Anzahl der Handwerksbetriebe sinken.“ Zudem würden Kleinbetriebe vom Markt gedrängt. Den Grund sehen Wulfmeyer und Lang unter anderem in der „überbordenden Bürokratie“. Als ein Beispiel nennt Lang die „Dokumentation der Mülltrennung“: „Das ist von einem Zwei-Mann-Betrieb gar nicht ‚nebenbei’ leistbar.“

Wulfmeyer versichert, dass es bei Bielefelder Handwerksbetrieben keine überdurchschnittlichen Wartezeiten gebe. Bei im Voraus planbaren Aufträgen belaufe sich die Wartezeit auf „maximal acht oder neun Wochen“. Um kurzfristig Hilfe zu leisten, bei Wartung und Service könnten die Kunden sicher sein, schnell einen Termin zu bekommen. Martin Lang ergänzt: „Wir sind uns auch für kleine Aufträge nicht zu schade.“

Die Kreishandwerkerschaft beklagt, dass der „Arbeitsmarkt nahezu leer gefegt“ sei. Gleichzeitig seien die Anforderungen höher geworden. Trotzdem gehe man von einem leichten Beschäftigungsanstieg vor allem bei den Gebäudereinigern und im den Gesundheitshandwerken aus. 65 Prozent der befragten Betriebe planen jedoch keine Neueinstellungen.

Azubi-Card für Bus & Bahn

Die Kreishandwerkerschaft hat noch einen Wunsch an die Stadt: dass nämlich die Schülercard (29 Euro pro Monat) auch für Auszubildende gelten solle. Sautmann: „Das wäre nur logisch und würde eine Lücke schließen, weil ja auch Studierende keinen Fahrschein lösen müssen.“ Die Umsetzung, sagt Jürgen Sautmann, wäre unkompliziert, weil „alle Azubis seit herbst 2019 über einen Auswies, die Azubi-Card, verfügen.“

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