Beköstigungsaktion: Türkische Initiative unterstützt den Bielefelder Tisch Döner für Bedürftige

Bielefeld (WB). Beim Bielefelder Tisch in der Heeper Straße herrscht reges Treiben. Es ist Dienstagnachmittag und bedürftige Menschen freuen sich auf eine warme Mahlzeit. Dieses Mal steht etwas Besonderes auf dem Speiseplan: Frischer Geflügeldöner, spendiert von einer erst vor wenigen Wochen ins Leben gerufenen Initiative türkeistämmiger Bürger aus Bielefeld.

Von Arndt Wienböker
Drei Männer finden in der kleinen Küche des Bielefelder Tisches Platz: Bilge Yildirim steht am Dönerspieß und schneidet das Fleisch, das Idris Seckin den bedürftigen Menschen serviert. Auch Frank Jordan (links) hilft gerne mit.
Drei Männer finden in der kleinen Küche des Bielefelder Tisches Platz: Bilge Yildirim steht am Dönerspieß und schneidet das Fleisch, das Idris Seckin den bedürftigen Menschen serviert. Auch Frank Jordan (links) hilft gerne mit. Foto: Arndt Wienböker

Wiltrud (57) nimmt regelmäßig die Angebote des Bielefelder Tisches in Anspruch. „Das hier heute ist eine super Sache, aber den Döner habe ich nicht gegessen. Das war mir einfach zu viel.“ Das gilt für viele andere Gäste nicht. „Freunde von mir haben gleich zwei Döner verputzt. Die waren total begeistert“, sagt Wiltrud.

„Herkunft oder Religion spielen keine Rolle“

Das hören die Initiatoren der Beköstigungsaktion natürlich sehr gerne. „Wir freuen uns, wenn es den Menschen schmeckt. Wir sehen es als unsere Pflicht an, den Bürgern in unserer Stadt, denen es nicht so gut geht, zu helfen. Außerdem wollen wir Vorbild für andere Organisationen sein“, erklärt Ihsan Kilic. Er ist einer der Mitbegründer der „freien Initiative türkeistämmiger Mitbürger“, die sich aus etwa 15 Personen zusammengeschlossen hat. „Wir sind kein eingetragener Verein, sondern einfach Bielefelder, die etwas zum Leben und zur Gemeinschaft in der Stadt beitragen wollen. Herkunft oder Religion spielen dabei keine Rolle“, erklärt Olcay Ayazoglu.

Sie ist eine der Frauen, die an diesem Dienstag in der Heeper Straße 121a helfen und die bedürftigen Menschen mit Essen versorgen. Neben Döner, dem Hauptgericht des Tages, tischt die Initiative Salate, türkisches Tzaziki, Ayran und als Nachtisch Baklava, ein in Honig- oder Zuckersirup eingelegtes Gebäck aus Blätter- oder Filoteig, auf. Und das schmackhafte Angebot kommt sehr gut an. „Echt lecker, aber ich kann nicht mehr“, sagt eine der Gäste.

In der Küche steht Bilge Yildirim an dem 50-Kilogramm-Dönerspieß, den die türkische Initiative extra mitgebracht hat. Er schneidet das Fleisch und kommt dabei mächtig ins Schwitzen, denn es ist heiß in der kleinen Küche. „Platz genug ist in jeder Küche“, schmunzelt Frank Jordan, während er mit hochrotem Kopf das Geschirr wegräumt. Jordan ist seit acht Jahren ehrenamtlich für den Bielefelder Tisch tätig. „Ich habe hier schon alles gemacht, seit etwa einem Jahr stehe ich in der Küche.“

Gelebte Integration

Auch der Bielefelder Tisch freut sich über die besondere Aktion der türkischen Initiative. „Das ist eine tolle Sache, ein Zeichen von gelebter Integration“, betont Ulrich Wienstroth, Geschäftsführer des Bielefelder Tisches. Die Suppenküche muss sich an diesem Tag lediglich um Suppe und Salate kümmern. An „normalen“ Tagen – die Bürgerhilfe hat dienstags, donnerstags und samstags geöffnet – würden 600 bis 800 Essenportionen an Bedürftige und Obdachlose aus Bielefeld ausgegeben.

„Es kommen jedes Mal 100 bis 180 Personen zu uns. Egal welchen Alters, welcher Nation oder Religionszugehörigkeit: Alle bekommen kostenlos eine komplett warme Mahlzeit mit drei Gängen und dürfen essen, so viel sie wollen. Für viele ist das der Höhepunkt des Tages“, berichtet Ulrich Wienstroth. Neben den Mahlzeiten bietet der Bielefelder Tisch auch eine Kleiderkammer sowie medizinische und soziale Hilfe an. Wienstroth: „Wir sind ein Sammelbecken und weisen niemanden ab.“

Die türkische Initiative aus Bielefeld hat neben dem Essen auch einen Anhänger voll mit Kleidung für den Bielefelder Tisch gespendet. „Das war unsere erste Aktion dieser Art, aber ganz bestimmt nicht die letzte. Wir wollen Zeichen setzen und bedürftigen Menschen in unserer Heimatstadt helfen“, versichern die Organisatoren.

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