Neue Messungen ergeben eine Höhe von 31,5 statt 37 Metern Der Turm der Sparrenburg ist kleiner als gedacht

Bielefeld (WB). Das Wahrzeichen Bielefelds thront auf dem Kamm des Teutoburger Waldes, hoch oberhalb der Stadt. Was bislang niemand ahnte: Der Turm der Sparrenburg ist kleiner als gedacht. Jahrzehntelang ist die Turmhöhe mit 37 Metern angegeben worden, doch wie sich jetzt herausstellte, ist der Turm nur 31,5 Meter hoch.

Von Arndt Wienböker
Vermessungstechniker Hannes Vogt hat die Sparrenburg ganz genau ins Visier genommen, um die Höhe des Turms zu ermitteln. Das überraschende Ergebnis: Der Turm ist nur 31,5 Meter hoch und nicht, wie bislang angenommen, 37 Meter.
Vermessungstechniker Hannes Vogt hat die Sparrenburg ganz genau ins Visier genommen, um die Höhe des Turms zu ermitteln. Das überraschende Ergebnis: Der Turm ist nur 31,5 Meter hoch und nicht, wie bislang angenommen, 37 Meter. Foto: Thomas F. Starke

Das ergab eine von Radio Bielefeld in Auftrag gegebene Messung. Das Bielefelder Vermessungsbüro Schmitz legte dabei genau Hand an. „Wir haben von zwei Stellen aus vier Messungen mit einem Tachymeter vorgenommen und die Werte dann gemittelt“, erklärt Vermessungstechniker Hannes Vogt. Anvisiert wurde dabei die obere Kante einer Zinne auf der Spitze der Burg.

Turm misst an der höchsten Stelle genau 31,465 Meter

Das Ergebnis: An der höchsten Stelle ist der Turm exakt 31,465 Meter hoch – über Normalhöhe Null (NHN) 207,86 Meter. „Die Zahlen sind bis auf einen halben Zentimeter genau. Wir haben die echte Höhe zwischen zwei Ebenen gemessen“, versichern Hannes Vogt und sein Kollege Michael Bergmann. Das Ergebnis fanden nicht nur die beiden Experten überraschend. „Erstaunlich“, meint etwa auch Wolfgang Schmitz, Inhaber des Vermessungsbüros.

Alle Infotafeln und Werbebroschüren müssen geändert werden

Auf einer der Tafeln an der Sparrenburg heißt es: „Der heutige 37 Meter hohe Turm ist ab 1842 auf den Ruinen des ursprünglichen Bergfrieds errichtet worden.“ Nun müssen alle Infotafeln, Werbebroschüren, Bücher und Einträge in den sozialen Medien überarbeitet werden. „Damit haben wir überhaupt kein Problem. Das ist doch eine lustige Geschichte, die wir auch gerne unterstützt haben“, erklärt Martin Knabenreich, Geschäftsführer von Bielefeld Marketing.

Rätselraten über die bislang überlieferte Turmhöhe von 37 Metern

Wie die bislang überlieferte Turmhöhe von 37 Metern zustande gekommen ist, kann er sich auch nicht erklären. „Die Zahlen, die wir bislang hatten, waren auf jeden Fall alt und ganz offensichtlich falsch. Den damals überlieferten Zahlen ist auch nie nachgegangen worden.“

Ursache der „falschen Turmhöhe“ könnte am Fahnenmast liegen

Die letzte Messung soll im Jahr 1905 stattgefunden und eine Turmhöhe von 32,14 Metern ergeben haben. Wie dann die 37 Meter als Eintrag in die städtischen Bücher gelangt sind, bleibt ein Rätsel. „Es gibt durchaus Uneinigkeit darüber, wie eine Turmhöhe bestimmt wird. Häufig wird auch der höchste Punkt genommen“, wagt Martin Knabenreich einen Erklärungsversuch. Der höchste Punkt, das ist im Fall der Sparrenburg die Spitze des Fahnenmastes. Und die wurde nun mit 45,1 Metern gemessen. „Der Fahnenmast ist auch deutlich jünger als der Turm“, sagt Knabenreich. Das Wahrzeichen Bielefelds ist in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut worden, erstmals urkundlich erwähnt wurde die Burg im Jahr 1256.

Oder sind die „falschen Zahlen“ aus alten Schriften übernommen worden?

Eine andere Erklärung für die „falschen Zahlen“ könnte das Alter der Schriften sein, aus denen vor mehr als 100 Jahren die Turmhöhe von 37 Metern übernommen worden ist. „Bei Vermessungen dieser Art können immer wieder Probleme auftauchen. Manchmal sind die Schriften nicht gut erhalten, und dann kann aus einer 1 schnell auch mal eine 7 werden“, meint Hannes Vogt.

Im Internet ist die richtige Turmhöhe bereits aktualisiert worden

Die nun ermittelte neue Turmhöhe werde von der Stadt auf jeden Fall übernommen, versichert der Geschäftsführer von Bielefeld Marketing. Im Internet sind die Zahlen bereits aktualisiert worden. Knabenreich: „Wir freuen uns, dass nun Klarheit herrscht und werden die Angaben mit der nächsten Auflage auch in unseren Printprodukten ändern. Außerdem können wir diese Geschichte bei unseren Führungen durch die Sparrenburg als kleine Anekdote mit einfließen lassen.“

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