Streifenwagenbesatzung fährt auf Rad-/Gehweg rückwärts und kollidiert mit Kinderwagen
Vater schützt Sohn und Tochter vor Polizei

Bielefeld (WB). „Ich habe mit dem rechten Arm den Kinderwagen nach hinten gerissen, mich vor das rückwärts fahrende Auto gestellt, mit der linken Hand auf die Heckscheibe geschlagen und mit dem Arm dagegen gedrückt.“ Es waren dramatische Sekunden, die Familienvater Mustafa Yasar (32) am vergangenen Samstag in Sennestadt erlebt hat.

Dienstag, 04.02.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 09:46 Uhr
Mustafa Yasar mit seinen Kindern. Foto: Christian Müller

Auf dem Rad-/Gehweg an der Paderborner Straße etwa in Höhe McDonald’s-Schnellrestaurant musste der Mann seinen Sohn (3) und seine Tochter (2) vor einem plötzlich zurück setzenden Polizeiauto in Sicherheit bringen. Er und seine Kinder seien vom rangierenden Streifenwagen etwa drei Meter weit nach hinten geschoben worden, sagt der Vater.

Zusammenstoß zwischen Auto und Kinderwagen

Der Fahrer (47) eines Streifenwagens hatte bei der Rückwärtsfahrt auf dem Rad/Gehweg offenbar den von hinten kommenden Vater mit dem Kinderwagen übersehen. Es kam zum leichten Zusammenstoß zwischen dem Auto, einem 3er BMW der Polizeiwache Süd, und dem Kinderwagen. Mustafa Yasar wurde an seinem vor kurzem operierten linken Arm verletzt, als er versuchte, den BMW zu stoppen. Den Kindern ist nichts passiert.

Der 32-Jährige war am Samstag gegen 14.25 Uhr mit seinen Kindern auf dem Rückweg vom Einkauf zur Wohnung an der Vennhofallee. Als er sich der großen Kreuzung Paderborner-/Verler-/Lämershagener Straße genähert habe, sei plötzlich der Streifenwagen vom Grünstreifen neben McDonald’s direkt vor ihn auf den Gehweg gefahren. „Ich bin noch einen Meter zurück gegangen und dachte, das Auto fährt jetzt weg“, erinnert sich der Vater. Seine Vermutung, der BMW fahre nach vorne zur Kreuzung, war falsch. Der Oberkommissar am Steuer habe zurück gesetzt und den Kinderwagen touchiert.

„Der Fahrer hat sich bestimmt vier Mal bei mir entschuldigt“

„Der Fahrer hat sich hinterher bestimmt vier Mal bei mir entschuldigt und mir die Hand gegeben. “Ich habe Sie nicht gesehen”, hat der Mann zu mir gesagt“, berichtet Mustafa Yasar. Trotz der Entschuldigung hat der Vater Fragen. Was hat eigentlich ein Streifenwagen auf dem Rad-/Gehweg zu suchen? Warum wurde für seine Kinder kein Rettungswagen gerufen? „Mein Sohn ist schon so groß, dass seine Füße aus dem Kinderwagen hängen. Der Streifenwagen ist direkt davor gerollt. Ich musste selbst Füße und Gelenke meines Kindes untersuchen“, sagt der Sennestädter.

Die Streifenwagenbesatzung habe sich zur Verkehrsüberwachung hinter dem Rad-/Gehweg postiert, antwortet Polizeisprecher Knut Packmohr auf die Fragen. Und erklärt, warum der BMW dort stehen durfte: „Die Straßenverkehrsordnung untersagt zwar grundsätzlich die Nutzung von Rad- und Gehwegen durch Kraftfahrzeuge. Jedoch regelt Paragraf 35 der Straßenverkehrsordnung, dass die Polizei von den Vorschriften befreit ist, soweit das zur Erfüllung hoheitlicher Aufgaben dringend geboten ist.“

Zum Rettungswagen sagt der Polizeisprecher, dass die Eltern sich entschieden hätten, selbst mit ihren Kindern zum Arzt zu gehen. Der Unfall sei auf Wunsch der Eltern von der Polizei dokumentiert worden, die Anzeige werde im Verkehrskommissariat bearbeitet. „Ansonsten wird dieser Vorfall im Polizeipräsidium nun im Rahmen des Beschwerdemanagement untersucht“, sagte der Sprecher.

Kommentare

Mathias Anderer  wrote: 04.02.2020 15:46
Polizisten sind auch nur Menschen!
Hermann  wrote: 04.02.2020 13:38
Ein Fehler im Straßenverkehr ist geschehen, eine Ordnungswidrigkeit, bei Verletzungen der Beteiligten möglicherweise gar eine Straftat (fahrlässige Körperverletzung). Die Verkehrsunfallanzeige sei aufgenommen und eine Behandlung durch den Rettungsdienst abgelehnt worden, so die Polizei. "Besonders" einzig die Tatsache, dass es sich bei dem Unfallverursacher um einen Polizeibeamten handelte.

Die Zeilen des Westfalenblattes geben diesbezüglich nichts Gegenteiliges her. Der Bericht nun mit Hinweis auf einen "operierten Arm" und die "Größe der Füße der Kinder"? "Vater schützt Sohn und Tochter vor Polizei"?! M. E. eine unanagemessene Berichterstattung; schade! Was wird damit bezweckt?
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