Wohnsituation besonders in Bielefeld und Paderborn angespannt Mieterbund OWL schlägt Alarm

Bielefeld (WB). Die Wohnungssituation spitzt sich dem Mieterbund zufolge in weiten Teilen Deutschlands „teils dramatisch“ zu. Das gelte auch für Bereiche in Ostwestfalen-Lippe.

Von Paul Edgar Fels
Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Thomas F. Starke

„Besonders in den Universitätsstädten Paderborn und Bielefeld ist die Lage stark angespannt“, erklärte am Montag der Geschäftsführer des Mieterbundes Ostwestfalen-Lippe und Umgebung, Ralf Brodda. Aber auch im wirtschaftlich starken Kreis Gütersloh sei es für Bezieher mittlerer und niedriger Einkommen „extrem schwierig“, eine Wohnung zu finden, die sie sich leisten könnten.

Erste Schritte unternommen

„Wohnen muss aber bezahlbar bleiben, und wo das nicht der Fall ist, wieder bezahlbar werden“, fordert die Interessenvertretung. Auf der anderen Seite gebe es in ländlichen Bereichen Leerstände. „Das ist eine große Herausforderung für die Gesellschaft und besonders für Politik, öffentliche Verwaltung und Wohnungswirtschaft, aber auch für die Menschen in Nachbarschaften, die dichter oder erstmals bebaut werden müssen,“ sagte Veronika Rosenbohm, Vorsitzende des Mieterbundes OWL. „Wohnungspolitik darf nicht dem Markt überlassen werden. Er kann daran nur scheitern“, betonte sie weiter.

Auch in Ostwestfalen-Lippe müsse die Politik alles unternehmen, um die Wohnungssituation kurz- und langfristig zu verbessern. Zwar sei zu erkennen, dass in den vergangenen Jahren erste richtige Schritte unternommen worden seien. So wurde etwa in Bielefeld eine Quote von 25 Prozent und in Paderborn sogar von 30 Prozent öffentlich geförderten Wohnungsbaus eingeführt. Das sei aber zu wenig. Die Quoten müssten erhöht werden – bei geeigneten Projekten auf bis zu 50 Prozent. Paderborn habe darüber hinaus eine eigene Wohnungsbaugesellschaft gegründet. „Es besteht aber weiter Handlungsbedarf“, sagte Rosenbohm.

Weniger öffentlich geförderte Wohnungen

Der Bestand an Sozialwohnungen ist in den Jahren 2016 bis 2018 in Bielefeld und Paderborn lediglich leicht gestiegen. In Gütersloh geht er sogar zurück (siehe Tabelle). Auffällig ist vor allem, dass die Zahl der Baugenehmigungen (nicht nur für Sozialwohnungen) in den Großstädten Bielefeld und Paderborn 2018 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen ist. In Bielefeld von knapp 1300 auf 870, in Paderborn von 1150 auf knapp 900. „Der Rückgang im Bestand der öffentlich geförderten Wohnungen muss nicht nur gestoppt, sondern umgekehrt werden“, fordert der Mieterbund OWL. In Bielefeld müssten beispielsweise jährlich mindestens 1300 Wohneinheiten und davon 350 öffentlich geförderte Wohnungen gebaut werden, um den aktuellen Stand zu halten.

„Das heißt, wir fordern für die Umkehr der Entwicklung den Bau von mindestens 450 öffentlich geförderten Wohnungen pro Jahr“, betonte der Mieterbund weiter. Dabei müssten die Stadt und ihre Tochter, die Bielefelder Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (BGW), Vorreiter sein. „Es genügt nicht, dass die BGW jährlich 100 neue Wohnungen bauen will. Wir fordern mindestens das Doppelte“, so Rosenbohm und Brodda.

Weiter fordert der Mieterbund OWL, Kommunen in der Region müssten ihre Aktivitäten koordinieren. Es müssten fächerübergreifende Strategien entwickelt werden. „Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Wohnen und Arbeiten müssen zusammen gedacht werden. Daraus können sich ganz neue Ansätze ergeben.“

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