Bielefelds bekanntester Serientäterin wird zum dritten Mal in selber Sache der Prozess gemacht
Trotz Haftstrafe: Betrügerin weiter frei

Bielefeld (WB). Kornelia H. (69), Bielefelds bekannteste und langjährigste Serienbetrügerin mit zig Vorstrafen, müsste eigentlich längst wieder im Gefängnis sitzen. Doch die Frau, die vor drei Jahren als Brautmoden-Betrügerin bundesweit traurige Berühmtheit erlangte, ist weiter auf freiem Fuß. Und das, obwohl sie bereits im August 2018 vom Amtsgericht Bielefeld zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.

Montag, 03.02.2020, 13:12 Uhr aktualisiert: 03.02.2020, 14:12 Uhr
Das Landgericht in Bielefeld. Foto: dpa/Friso Gentsch

Das Gericht schickte die 69-Jährige hinter Gittern, weil sie wieder einmal Gläubiger hintergangen hatte. So zahlte Kornelia H. zwei Kreditgebern 69.000 Euro nicht zurück. Zudem blieb die 69-Jährige nach einem Einkauf in einem für feines Porzellan und teures Küchenzubehör bekanntem Bielefelder Altstadt-Geschäft 13.990 Euro schuldig. „Sie setzt sich über andere Personen hinweg, zu ihrem eigenen Vorteil“, hatte seinerzeit das Amtsgericht die notorische Straftäterin charakterisiert. Doch das Urteil des Amtsgerichtes wurde nie rechtskräftig, die 69-Jährige blieb auf freiem Fuß.

Landgericht reduziert in der Berufung Haftstrafe um drei Monate

Im Juli vergangenen Jahres stand Kornelia H. wegen ihren Betrügereien zu Lasten der zwei Kreditgeber und des Haushaltswarengeschäftes nämlich erneut vor Gericht. Ihr Anwalt Dr. Holger Rostek hatte gegen das Urteil des Amtsgerichtes Berufung zum Landgericht eingelegt. Die 5. Kleine Strafkammer des Landgerichtes reduzierte – notgedrungen– die Strafe von zweieinhalb Jahren auf zwei Jahre und drei Monate.

Der Betrug zu Lasten des Haushaltswarengeschäftes wurde eingestellt. Kornelia H. hatte behauptet, die Waren für 13.990 Euro im Auftrag einer Unternehmerin aus Polen gewissermaßen nur abgeholt zu haben. Für den Einkauf habe nicht sie, sondern die polnische Geschäftsfrau zu bezahlen. Letztere war zwar als Zeugin zum Berufungsprozess geladen, kam aber nicht. Da Kornelia H. ihre Behauptung nicht zu wiederlegen war, wurde dieser Betrug vom Gericht eingestellt, die Haftstrafe von zweieinhalb Jahren auf zwei Jahre und drei Monate Haft reduziert.

69-Jährige sitzt bis heute nicht im Gefängnis

Dennoch sitzt die 69-Jährige bis heute nicht im Gefängnis. Das neue Urteil des Landgerichtes ist nämlich ebenfalls nicht rechtskräftig. Verteidiger Dr. Holger Rostek zog vor die dritte Instanz und legte zum Oberlandesgericht (OLG) Hamm Revision ein. Der 3. Strafsenat des OLG hat vor wenigen Tagen entschieden und das Urteil des Bielefelder Landgerichtes wegen Rechtsfehlern aufgehoben. Das bestätigte OLG-Sprecher Martin Brandt auf Anfrage dieser Zeitung. Die gebildete Gesamtstrafe sei ebenso fehlerhaft wie die Begründung zum ausgeurteilten gewerbsmäßigen Betrug von Kornelia H. Der Fall sei zur erneuten Verhandlung an eine Kleine Strafkammer des Landgerichtes Bielefeld zurück verwiesen worden, sagte der OLG-Sprecher.

Das Landgericht muss nun eine neue Gesamtstrafe für die zigfach vorbestrafte Serienbetrügerin finden. Wann der mittlerweile dritte Prozess in dieser Sache stattfindet, steht noch nicht fest. „Die Berufungskammern sind alle überlastet“, sagte Verteidiger Rostek. Er geht gelassen an die mittlerweile seit August 2018 gärende Angelegenheit. Rostek: „Das neue Verfahren führt möglicherweise zu einer Bewährungsstrafe.“

Einst wurde der Frau vom Gericht die Sicherungsverwahrung angedroht

Sollte das so kommen, dann hätte Kornelia H. endgültig über die Justiz triumphiert. Vor 15 Jahren, als sie vom Landgericht wegen Betruges und Diebstahls in 46 Fällen zu fünf Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde, sah das noch ganz anders aus. Seinerzeit drohte die 1. Große Strafkammer die Sicherungsverwahrung an, sollte die Serienbetrügerin erneut straffällig werden.

Neue Straftaten wie die Betrügereien an dutzenden Bräuten, die für die Hochzeit in Weiß zahlten, aber ihre Kleider nie erhielten, hat die 69-Jährige zwar wieder in Hülle und Fülle verübt. In die angedrohte Sicherungsverwahrung kam die Frau, deren Delikte seit 30 Jahren aktenkundig sind, nie.

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