Initiatoren übergeben Petition an Bielefelder Oberbürgermeister – Mit Video
88.501 Menschen wollen die Mufflon-Herde erhalten

Bielefeld (WB). 88.501 Menschen haben eine Online-Petition zum Erhalt der Mufflon-Herde im Bielefelder Abschnitt des Teutoburger Waldes unterzeichnet. Am Donnerstag haben die Initiatoren die Petition an Oberbürgermeister Pit Clausen übergeben. Der versprach, sich für den Erhalt der Herde einzusetzen. Das Oberverwaltungsgericht Münster hatte den Abschuss gestattet, eine Revision nicht zugelassen. Dagegen hat die Stadt bereits eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig angekündigt.

Donnerstag, 09.01.2020, 19:34 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 19:36 Uhr
Walther Baumann (links), Rainer Kötter (Zweiter von links) und Sabine Weber übergeben die Petition, die bisher von fast 90.000 Menschen online unterzeichnet worden ist, im Rathaus an Oberbürgermeister Pit Clausen. Foto: Thomas F. Starke

Längst hat die Bielefelder Mufflonherde ein eigenes Maskottchen. „Benny Muffelkopp“ grüßte am Donnerstag im Rathaus von einem Spruchband. Darauf stand: „Ich bin auch ein Bielefelder“. Nach dem Urteil der Münsteraner Richter hatte Sabine Weber spontan ihre Online-Petition zum Erhalt der Herde gestartet: „Ich weiß noch, wie wir uns gefreut hatten, als wir die ersten 5000 Unterzeichner zusammen hatten“, berichtete sie am Donnerstag. Dann wurde ihre Petition zum Selbstläufer. Aus dem gesamten Bundesgebiet gab es Unterzeichner. „Die meisten aber stammen aus Bielefeld und der weiteren Umgebung“, so Weber.

Clausen: „Dies ist nicht bloß ein Wahlkampfthema für mich“

Selbst in Augenschein nehmen konnte sie die Mufflons bisher nicht. Aber für Walther Baumann, der direkt am Teuto lebt, sind sie seit Jahren alte Vertraute: „Sie gehören einfach zu uns.“ Das sahen auch die vielen Mitstreiter so, die mit ins Rathaus gekommen waren. Einen eigenen Song zum Erhalt der Herde hatten sie ebenfalls gedichtet und in der Eingangshalle vorgetragen. Es ist übrigens nicht der erste. Auch „Shantallica“, der etwas andere Bielefelder Shantychor, hatte bereits seine eigene Mufflon-Hymne vorgestellt.

„Nein, dies ist nicht bloß ein Wahlkampfthema für mich, sondern ein Anliegen, das uns schon seit vielen Jahren beschäftigt“, sagte Clausen. Er erläuterte noch einmal die etwas komplizierten juristischen Zusammenhänge. Wegen der Schäden vor allem an Fichten hatte die Klasingsche Familienstiftung als Waldbesitzerin auf Komplettabschuss der Herde geklagt. Die Klage bezog sich auf den Abschussplan des Jahres 2011. Und nur auf diesen bezog sich auch das Urteil der Münsteraner Richter. Ein Abschussplan ist ein behördlich genehmigter Jahresplan, der festlegt, wie viel Wild nach Alter und Geschlecht in jedem Jagdrevier zu erlegen ist.

Stadt will Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einlegen

Nach viereinhalbstündiger Verhandlung begründete das Gericht den Komplettabschuss in seinem Urteil auf 50 Seiten, ließ aber eine Revision nicht zu. Dagegen will die Stadt nun Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einlegen. Bis Montag muss dies geschehen. Dann hat die Verwaltung weitere zwei Monate Zeit, die Beschwerde zu begründen. Selbst wenn dies nicht erfolgreich wäre oder das Bundesverwaltungsgericht das Münsteraner Urteil bestätigte, bedeutete dies aber noch immer nicht das Aus für die Mufflonherde.

„Jedes Jahr muss ein neuer Abschussplan vorgelegt werden“, erläuterte Clausen. Der für 2020 dürfte ebenfalls nicht den Komplettabschuss beinhalten. Auch weil sich die Grundlagen geändert hätten, so der Oberbürgermeister. „Wald vor Wild“, hatten die Münsteraner Richter geurteilt. Aber das dürfe nicht gleichzeitig „Wald ohne Wild“ bedeuten, so Clausen. Aktuell seien die Schäden in den Fichtenbeständen des Teutoburger Waldes auch weniger auf das Wild, sondern in viel größerem Maße durch den Klimawandel begründet.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7181389?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198387%2F2513179%2F
Neue Werbeverbote fürs Rauchen kommen
Werbung für das Rauchen soll zukünftig verboten werden.
Nachrichten-Ticker