Bielefelder Schauspieler Rolf Kanies ist 2020 sehr präsent – Teeplantagen-Chef im ZDF-Film Zwischen Pilcher und „Tatort“

Bielefeld (WB). Erst im Alter von 40 Jahren trat der Bielefelder Schauspieler Rolf Kanies im Fernsehen auf. Heute, 22 Jahre später, blickt der Charakterdarsteller auf eine beeindruckende Liste von Rollen in Erfolgskrimis wie „Tatort“, „Polizeiruf 110“ oder „Wilsberg“ sowie in Filmen wie „Der Untergang“. In dem Kinohit spielte Kanies damals den General Krebs, aber war zuvor auch im Gespräch für die Hauptrolle gewesen. Doch Bruno Ganz verkörperte schließlich Adolf Hitler.

Von Stefan Biestmann
Vor der malerischen Kulisse Cornwalls: Rolf Kanies (Mitte) spielt im neuen Pilcher-Film einen Teeplantagen-Besitzer. „Eigentlich trinke ich nur Tee, wenn ich krank bin“, sagt Kanies. In den Drehpausen machte er Wanderungen mit Kirsten Block und Oliver Stritzel.
Vor der malerischen Kulisse Cornwalls: Rolf Kanies (Mitte) spielt im neuen Pilcher-Film einen Teeplantagen-Besitzer. „Eigentlich trinke ich nur Tee, wenn ich krank bin“, sagt Kanies. In den Drehpausen machte er Wanderungen mit Kirsten Block und Oliver Stritzel. Foto: Jon Ailes/ZDF

An diesem Sonntag um 20.15 Uhr im ZDF ist Kanies erstmals in einem Rosamunde-Pilcher-Film zu sehen – in der Episode „Von Tee und Liebe“. Dass Kritiker den Namen Pilcher mit seichter Unterhaltung verbinden, ist dem 62-Jährigen bewusst. „Das Drehbuch und meine Rolle haben mir gefallen. Es ist kein Film auf Schmonzetten-Niveau, sondern es geht um tiefmenschliche Beziehungen“, sagt er.

Der gebürtige Bielefelder, der heute in Berlin lebt, spielt Mortimer Morgan, den Chef einer Teeplantage. Dabei ist Kanies gar kein Tee-Fan. „Eigentlich trinke ich nur Tee, wenn ich krank bin“, berichtet er schmunzelnd. Kanies recherchierte als Vorbereitung auf die Rolle im Internet über die Arbeit auf Teeplantagen und sprach auch mit dem Besitzer einer Plantage.

„Das ist ein richtiger Kampf.“

In der Pilcher-Folge wächst Mortimer Morgan und seiner Frau Jane (Kirsten Block) die Arbeit über den Kopf. Der Konkurrenzdruck durch Supermärkte wird immer größer. Hinzu kommt noch ein Erbstreit mit seinem Widersacher Joe Jones (Oliver Stritzel). „Das ist ein richtiger Kampf, aber das ist auch das Spannende an der Rolle.“ Und Mortimer Morgan sei ein Mann, der mit den Kräften am Ende ist. „Er stand Zeit seines Lebens jeden Tag 15 Stunden auf dem Feld seiner Plantage.“

Ganz so lange vor der Kamera stehen musste Kanies bei den Dreharbeiten nicht. Das Produktionsteam filmte im Spätsommer mehr als vier Wochen vor malerischer Kulisse im Süden Englands. „Das Ambiente ist wunderschön. Uns blieb in den Drehpausen noch Zeit für Wanderungen.“

Teeplantagen-Besitzer Mortimer Morgan (Rolf Kanies) mit seiner Ehefrau Jane (Kirsten Block). Foto: Jon Ailes/ZDF

Bei Kanies wurden viele Erinnerungen wach. Am Drehort in Cornwall verweilte er schon als 15-Jähriger. „Meine Eltern schickten mich als Jugendlichen einige Wochen nach England, um eine Sprachschule zu besuchen – weil mein Englisch so schlecht war“, sagt er lächelnd. Damals war für ihn schon längst klar, dass er Schauspieler werden wollte. Bereits als Kind hatte er in Bielefeld in einem Schaufenster eine Kasperpuppe gesehen. Später erhielt er sie als Weihnachtsgeschenk.

„Diese Figur war für mich ein Vorbild – und die große Bühne das Ziel“, erinnert er sich. „Dann spielte ich als Kind und Jugendlicher Puppentheater vor vielen Zuschauern – und begann später eine Laufbahn als Schauspieler.“ Kanies besuchte die Schauspielschule Bochum und trat bis zu seinem 40. Geburtstag ausschließlich im Theater auf. Im Jahr 1994 wurde er als bester Schauspieler Nordrhein-Westfalens ausgezeichnet.

Erste Fernsehrolle Ende der 90er.

Ende der 90er Jahre startete er dann mit den ersten Fernsehrollen durch. Die Erfolgsgeschichte hält bis heute an. Im Jahr 2020 stehen weitere Auftritte vor Millionenpublikum an. Kanies ist gleich in zwei neuen Tatorten zu sehen – in einer Kölner WDR-Folge und in einer NDR-Episode mit Maria Furtwängler. Zudem wirkt er in mehreren Episoden der ARD-Anwaltsserie „Die Heiland“ mit.

Auf seine TV-Rollen bereitet er sich wie früher im Theater vor. Das gilt auch für den Pilcher-Film. „Ich gebe meinem Charakter eine Biografie und entwickle im Vorfeld die Charakterzüge: wie er sich bewegt, wie er spricht“, berichtet Kanies. Dann folgt immer der Austausch mit dem Regisseur – in diesem Fall mit Marc Prill. Und die TV-Zuschauer können am Sonntag miterleben, welche markanten Charakterzüge Kanies dem Teeplantagen-Chef gegeben hat.

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