Stadt will mit einem neuen Konzept auf steigende Temperaturen reagieren Bielefeld bekommt Klimamanager

Bielefeld (WB). Die Stadt Bielefeld will einen Klima-Anpassungsmanager einstellen. Der neue Mitarbeiter soll sich um die Beschaffung von Zuschüssen oder Vor-Ort-Programme wie Straßen- oder Hofbegrünungen kümmern sowie die Ämter bei Klimaprojekten unterstützen. Die Position ist Teil eines neuen Klima-Anpassungskonzeptes. Damit reagiert die Stadt auf steigende Temperaturen und Hochwasserereignisse.

Von Michael Schläger
Mehr Tage mit Temperaturen über 30 Grad sagen die Klimaexperten für Bielefeld voraus. Gleichzeitig wird es im Winter deutlich weniger Frosttage geben. Der Mittelwert soll sich zwischen 2021 und 2050 um 1,2 Grad erhöhen.
Mehr Tage mit Temperaturen über 30 Grad sagen die Klimaexperten für Bielefeld voraus. Gleichzeitig wird es im Winter deutlich weniger Frosttage geben. Der Mittelwert soll sich zwischen 2021 und 2050 um 1,2 Grad erhöhen. Foto: dpa

„Wir haben modellhaft verschiedene Klimaszenarien durchrechnen lassen“, sagt Martin Wörmann, Leiter des städtischen Umweltamtes. Danach sei mit einer Erhöhung der Mitteltemperatur um etwa 1,2 Grad Celsius im Zeitraum 2021 bis 2050 zu rechnen. Schon in den vergangenen 140 Jahren ist die Durchschnittstemperatur in Bielefeld um 1,5 Grad angestiegen (siehe Kasten).

Mehr heiße Tage, weniger Frost

Der weitere Anstieg bedeutet, dass sich nach den Rechenmodellen die Zahl der heißen Tage mit Temperaturen von mehr als 30 Grad um vier pro Jahr erhöhen wird. Umgekehrt dürfte sich die Zahl der Frosttage mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt um 22 verringern. Das langjährige Mittel beträgt 55 Frosttage. „Das heißt, im Herbst und Winter sind die Temperaturanstiege stärker als im Frühjahr und Sommer“, erläutert Wörmann.

Wichtig für das Wohlbefinden sei die nächtliche Abkühlung nach heißen Sommertagen. „Heute gilt: Über einem Acker am Hang des Teuto können beispielsweise in Stieghorst im Sommer nachts weniger als elf Grad erreicht werden, während es im Innenstadtbereich noch 22 Grad sind“, erläutert Wörmann. Zu warm für einen erholsamen Nachtschlaf.

Durch den vorhergesagten Temperaturanstieg und die zunehmende Versiegelung der Stadt verschlechterten sich die Verhältnisse weiter. Hier soll das Klimaanpassungskonzept greifen. „Mit Hilfe von Bewertungskarten und Planungshinweiskarten besteht die Möglichkeit, die künftige städtebauliche Entwicklung so zu steuern, dass auch in Zeiten des Klimawandels künftige Generationen in Bielefeld ein gesundheitsförderliches Stadtklima vorfinden“, umschreibt der Umweltamtsleiter die Zielsetzung.

Starkregenereignisse nehmen zu

Bei der Wasserbilanz seien die Prognosen deutlich schwieriger. Die Niederschlagsmenge werde sich nicht deutlich verändern. „Aber die Tage mit Niederschlag werden nach den Prognosen abnehmen“, so Wörmann. Die Monate Juni bis September dürften davon stärker betroffen sein als die übrigen Monate. Durch die höhere Verdunstungsrate werde sich das verfügbare Wasser tendenziell verknappen. „Die Tage mit starken Niederschlägen werden dagegen zunehmen“, verweist der Amtsleiter auf die Ergebnisse der Klimaforscher. Bis 2050 könne es in Bielefeld an zusätzlich 22 Tagen im Jahr mehr als 20 Millimeter Niederschlag geben. Wörmann: „Sowohl viel Regen in kurzer Zeit als auch Regen über mehrere Tage auf gesättigtem Boden kann als Starkregen zu Schäden führen.“

Was das bedeutet, haben bereits viele Bielefelder zu spüren bekommen. 2012 und 2013 war es gleich in zwei Jahren in Folge nach heftigen Gewitterregen zu Überschwemmungen an der Weser-Lutter in Heepen gekommen. In dutzende Häuser vor allem im Bereich Fohlenwiese sowie am Lei­thenhof war das Wasser der über die Ufer getretenen Lutter gelaufen. Seitdem setzt die Stadt ein verbessertes Hochwasserschutzkonzept um, in dessen Zuge die Lutter auch naturnah umgebaut werden soll.

Für das neue Klima-Anpassungskonzept wurden Starkregen-Ereignisse simuliert, etwa ein 39-Milliliter-Regen innerhalb von 60 Minuten, der statistisch alle nur alle 30 Jahre auftritt. „In Karten sind maximale Wasserstände für jeden Ort, Fließrichtungen und Strömungsgeschwindigkeiten dargestellt“, sagt Wörmann. Darauf aufbauende Planungshinweiskarten könnten bei der Stadtentwicklung helfen.

Wörmann betont dass das neue Konzept nicht Folge des Klimanotstand-Beschlusses vom Sommer 2019 sei. „Wir arbeiten schon lange an diesem Thema“, sagt er. „Jetzt haben wir dafür eine aktuelle Datengrundlage.“

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