Staatsanwaltschaft kann „Nacktkünstler“ nicht finden – Bruder weiß, wo er ist
Ermittler suchen Flitzer „Ernie“

Bielefeld (WB). Wo ist Ernst-Wilhelm „Ernie“ Wittig (72), Deutschlands bekanntester Flitzer aus Bielefeld? Diese Frage stellt sich die Staatsanwaltschaft Hannover. Sie ermittelt seit Monaten wegen exhibitionistischer Handlungen und Erregung öffentlichen Ärgernisses gegen „Ernie“, sagt Kathrin Söfker, Sprecherin der Anklagebehörde. Der selbst ernannte Nacktkünstler („Mein Körper ist ein Kunstwerk!“) soll zu den Vorwürfen vernommen werden. Aber: „Der Beschuldigte ist nicht auffindbar. Wir haben ein Aufenthaltsermittlungsverfahren eingeleitet“, sagt Staatsanwältin Söfker.

Dienstag, 07.01.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 07.01.2020, 12:36 Uhr
»Ernie« im Jahr 2005 im Dortmunder Westfalenstadion. Foto: S. Hörttrich

Der Bruder des gesuchten Flitzers kann das Ganze nicht verstehen. „‚Ernie‘ lebt sein ganzes Leben lang mit mir auf dem Hof an der Milser Straße“, sagt er. Abends komme der 72-Jährige zum Schlafen nach Hause, tagsüber sei er unterwegs. Vor einem Jahr, nach Verbüßung der bislang letzten seiner zahlreichen Haftstrafen aus etwa 30 Verurteilungen, sei der Flitzer wieder ins Gehöft zwischen Milse und Altenhagen eingezogen.

Nacktauftritt vor mehr als 76.000 Zuschauern

„Die Polizei war schon mehrfach bei uns und hat sich das bestätigen lassen“, wundert sich der Bruder. Dass die Staatsanwaltschaft Hannover den „Nacktkünstler“ nicht finden könne, sei wohl nur mit „Ernies“ zahlreichen Gefängnisaufenthalten zu erklären. „Er wurde offenbar von Amts wegen von seinem bekannten Wohnsitz an der Milser Straße abgemeldet, weil Behördenpost wegen der Haft unzustellbar war“, meint der Bruder.

Die Staatsanwaltschaft Hannover will „Ernie“ vorladen und vernehmen, weil er sich im Juni und August vergangenen Jahres nackt gezeigt haben soll. Im letzten Fall soll das vor Kindern und Jugendlichen eines Gymnasiums in Hannover geschehen sein. Seit den 80er Jahren sorgt Flitzer »Ernie« für Aufsehen. Bei seinen Auftritten trägt er außer seinem Adamskostüm meist nur eine Baseballkappe. Überregional wurde er unter anderem mit dem Nacktauftritt vor mehr als 76.000 Zuschauern im Dortmunder Westfalenstadion bekannt.

Kommentare

HaJo  wrote: 07.01.2020 17:35
ceterum censeo
... die meisten Menschen sehen weg, wenn sie etwas nicht wahr nehmen wollen.
Zum Beispiel im Kino oder beim Fernsehen. Ist die Szene zu grausam, wird weggesehen oder man hält sich die Augen zu. Ein kleiner Schlitz zwischen den Fingern lässt erkennen, wenn es wieder angenehmer zu werden scheint.
Aber wenn ein nackter - also ursprünglicher (niemand wird mit Kleidung geboren) - Mann über die Straße geht, dann geht Wegsehen nicht?!
Vielleicht sollte man überlegen, die Gucker - vulgo Voyeuristen - in den Fokus zu nehmen... ;-)
HaJo  wrote: 07.01.2020 13:37
Seltsam
... die Hälfte der Menschheit weiß, wie ein nackter Mann aussieht, da selbst Mann. Der größte Teil der anderen Hälfte der Menschheit weiß ebenfalls wie ein nackter Mann aussieht, da selbst gesehen.
Es mutet mich fremd an, sich dermaßen aufzuregen, wenn ein Mensch sich einmal ohne Kleidung sehen lässt, die übrigens immer künstlich ist und sich von Land zu Land, von Weltanschauung zu Weltanschauung unterscheidet. Mensch darf sich verstümmeln, tatauieren, mit Metall durchlöchern... Alles kein Problem. Aber sich als Mensch - ohne diese Veränderungen - sehen lassen, das ruft die Gerichte hervor.
Nicht selten frage ich mich, wer oder was hier tatsächlich pervers ist...
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