In der Bielefelder Kirche St. Jodokus haben zwei der Könige gefehlt
Krippenfiguren entwendet

Bielefeld (WB). Aufregung um die Krippenfiguren in der katholischen Kirche St. Jodokus in Bielefeld: Mitglieder eines sogenannten Künstlerkollektivs mit dem Namen „Ausgegrenzt“ haben am Samstag zwei der Heiligen Drei Könige entwendet und sie am Sonntag zurückgebracht.

Montag, 06.01.2020, 07:34 Uhr aktualisiert: 06.01.2020, 07:38 Uhr
In Bielefeld fehlten am Samstag Figuren in St. Jodokus. Foto: Thomas F. Starke

Von der Aktion vor dem Dreikönigstag waren am Wochenende mehrere deutsche Kirchen betroffen – neben Bielefeld Kirchen in Berlin, Darmstadt, Frankfurt, Freiburg, Köln und Münster, wie „Ausgegrenzt“ mitteilte.

„Mit der Aktion wollen wir auf die gravierende humanitäre Notlage in den Flüchtlingslagern an den europäischen Außengrenzen aufmerksam machen“, teilte ein Sprecher der Gruppe mit. Auch gehe es um die „menschenunwürdige Unterbringung“ von Flüchtlingen in deutschen Ankerzentren.

„Um Verständnis werben“

St. Jodokus’ Pfarrer Norbert Nacke sagte am Sonntag dem WESTFALEN-BLATT, dass das Fehlen zweier Figuren beim Gottesdienst am Samstagmittag aufgefallen sei. „An der Krippe lagen Blätter mit einer Erklärung der Aktion und einer E-Mail-Adresse. Ich habe sofort reagiert und die umgehende Rückgabe der Figuren gefordert“, so Nacke. In seiner E-Mail machte er auch auf mögliche Straftatbestände aufmerksam: „Ungeachtet der durchaus begrüßenswerten Kunstaktion halte ich es für eine absolute Unverschämtheit, ohne jegliche Rücksprache mit Verantwortlichen der Kirchengemeinde Krippenfiguren zu entfernen. Damit ist der Tatbestand des Diebstahls und des Hausfriedensbruchs erfüllt.“

Und weiter: „Ich erwarte von Ihnen, dass die Krippenfiguren unverzüglich wieder an ihren Platz gelangen. Andernfalls behalten wir uns vor, Anzeige zu erstatten. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie bei zukünftigen Kunstaktionen auf strafbare Handlungen verzichten.“

Die Antwort der für die Aktion Verantwortlichen an Pfarrer Nacke kam prompt. Darin schreibt eine gewisse „Rosa Frahm“ als bundesweite Sprecherin der Aktion: „Wir entschuldigen uns sehr für die Unannehmlichkeiten, die wir Ihnen mit dieser Kunstaktion bereitet haben. Es ist uns bewusst, dass unsere Aktion durchaus provokant ist. Ziel ist nicht, Sie und die Gemeindemitglieder zu verärgern. Deswegen möchten wir noch einmal um Verständnis werben. Wir versichern Ihnen, dass die Figuren sehr sorgsam aufbewahrt sind und keinen Schaden nehmen werden. Sie werden sie selbstverständlich zurückbekommen. Wir möchten Sie deshalb darum bitten, von einer Strafanzeige abzusehen und eine solche Kunstaktion nicht zu kriminalisieren.“

Zwölf Kirchen in NRW betroffen

Bei dem Namen „Rosa Frahm“ dürfte es sich um ein Pseudonym handeln, zusammengesetzt aus dem Vornamen der Kommunistin Rosa Luxemburg und dem Geburtsnamen des SPD-Politikers Willy Brandt, der als Herbert Ernst Karl Frahm zur Welt kam.

„Gegen 11.30 Uhr am Sonntag sind Kirchenbesuchern die beiden Krippenfiguren im Foyer von St. Jodokus aufgefallen. Ich vermute, dass sie jemand während des 10-Uhr-Gottesdienstes zurück zu uns gebracht hat“, so Pfarrer Nacke.

In Nordrhein-Westfalen waren von der Aktion inklusive St. Jodokus insgesamt zwölf überwiegend katholische Kirchen betroffen: in Münster St. Clemens, St. Mauritz, St. Michael, St. Stephanus, St. Petronilla, St. Konrad, die Heilig-Geist-Kirche und die Dyckburg-Kirche. Die drei betroffenen Kirchen in Köln sind St. Pankratius, Christi Auferstehung und das Jugendpastoralzentrum Crux.

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