Bei der Bielefelder Heilsarmee kommen ungeliebte Weihnachtsgaben unter den Hammer – mit Video Geschenke-Recycling mit Spaßfaktor

Bielefeld (WB). Es scheint, als könnte Christian Presch selbst kaum glauben, was Heiligabend bei manchen Bielefeldern so unterm Weihnachtsbaum liegt. „Klein, aber grausam“, kommentiert der Auktionator Geschmacklosigkeiten wie etwa einen kleinen Engel auf einer Austernschale. Bei ihm bekommen die Dinge eine zweite Chance: Im prall gefüllten Saal der Heilsarmee versteigert er, was Spender an ungewollten Geschenken wieder loswerden wollen.

Von Peter Bollig
Auktionator Christian Presch erteilt im Saal der Heilsarmee mit seinem Hämmerchen für manch Skurriles den Zuschlag.
Auktionator Christian Presch erteilt im Saal der Heilsarmee mit seinem Hämmerchen für manch Skurriles den Zuschlag. Foto: Thomas F. Starke

Die Auktion gehört für viele in die Weihnachtszeit wie Heiligabend. Zum 21. Mal hatte die Heilsarmee zum „Weihnachtsgeschenke-Recycling“ eingeladen. Und schon eine halbe Stunde, bevor Presch an diesem Samstag um 12 Uhr zum ersten Gebot aufruft (für das Buch „Die staubsaugende Schreckschraube“), sind die 150 Sitzplätze im Saal an der Siegfriedstraße belegt. Wer später kommt, muss stehen.

Fürs kommende Jahr, kündigt Christian Presch an, werde er lieber keine Werbung für die Auktion machen. „Wir wollen ja gar nicht größer werden“. Der Termin steht schon fest: 9. Januar 2021, 12 Uhr. „Heute gibt’s hier viele Kalender zu ersteigern, da können Sie es eintragen“, animiert er launig das Publikum.

Apotheken-Tüten als Zugabe

Es sind die Kuriositäten, die die Menschen seit zwei Jahrzehnten zu dieser ganz speziellen Auktion locken – aber es ist eben auch die Unterhaltung, die Christian Presch mit seinen Kommentaren und Anpreisungen liefert. Als Besucher Winfried Marx für einen Euro eine Packung Strähnchenaufheller ergattert und Presch verspricht, „wir überzeugen uns im nächsten Jahr, ob es geholfen hat“, erreicht die Stimmung einen ersten Höhepunkt. Rund drei Stunden geht es so weiter, hält der Auktionator das Tempo hoch, um die etwa 300 Stücke unter die Besucher zu bringen.

Nur wenig bleibt liegen. Ein Anleitungsbuch für das erste iPhone-Handy kann offenbar niemand mehr gebrauchen. Vieles wechselt für den Mindestgebotspreis von einem Euro den Besitzer: Ein Magnetspiel oder eine Laptoptasche etwa. Da hält sich Presch nicht lange auf. Bei einem Leuchtstern muss er nachhelfen: „Nicht ‚Oooh‘ rufen, bieten!“, kontert er die Reaktion der Besucher auf das Objekt. Bei Ladenhütern zieht der Auktionator mehrfach die Trumpfkarte und legt einen Fiat-500-Schlüsselanhänger oder die schon in den Vorjahren begehrten „Apotheken-Tüten“ mit Pflegeprodukten als Zugabe drauf.

Andere Objekte brauchen keine Zugabe: Eine Spielesammlung bringt schnell zwölf Euro, ein Sitzkissen aus Korbgeflecht (Presch: „Ich habe mich schon gefragt, was das ist. Ein Öko-Ersatzrad?“) erzielt elf Euro. Ein aus einem Fahrradreifen gefertigter Gürtel ruft zwar ein „Iiiih“ beim Publikum hervor, bringt am Ende aber 24 Euro ein. Spaß haben die Besucher auch an einem singenden und tanzenden Fisch, den sich Mersada Ellermeier jetzt für sieben Euro an die Wand hängen kann.

50 Euro sind das höchste Einzelgebot

Mehrfach bieten Besucher auf die sprichwörtliche Katze im Sack, ersteigern Tüten, deren Inhalt mit Rücksicht auf die Grundsätze der Heilsarmee nicht gezeigt wird, der aber auf alkoholische Getränke hindeutet, oder Tassen, in denen ausgefüllte Lottozettel stecken. Für Erheiterung sorgen auch die Besucher selbst, wenn ein Gruß durch den Saal von Presch als Angebot gedeutet wird („Ich habe davor gewarnt“), zwei Freundinnen, die nebeneinander sitzen, sich gegenseitig überbieten, ohne dass sie es merken, oder eine Bieterin zwei Bände der Erotik-Romanreihe „50 Shades auf Grey“ ersteigert und beteuert, ihr sei es nur um die Apotheken-Tüte als Zugabe gegangen.

Einen Spitzenpreis erzielt Christian Presch für eine Spielekonsole, die Robert John Nahrgang gespendet hat und die 42 Euro einbringt. Das höchste Einzelgebot des Tages bringt Heilsarmee-Pastor Michael Geymeier ein: Für 50 Euro kommt er beim Bieter mit seiner Zuckerwatte-Maschine vorbei, um dort eine Feier zu versüßen.

Nach rund drei Stunden ist der Gabentisch abgeräumt. Der Erlös von 1453 Euro kommt wie in den Vorjahren einem sozialen Zweck zugute. Das Geld fließt diesmal in den Arbeitskreis Demenz der Stadtteilkonferenz West, die damit neue Flyer drucken lassen möchte, um auf ihre Angeboten aufmerksam zu machen.

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