Vier Verbände beklagen den Flächenverbrauch und wollen die Frischluftschneise am Biohof Bobbert erhalten
Naturschützer lehnen Baugebiet in Quelle ab

Bielefeld (WB/peb). Die Brackweder Bezirksvertretung hat der Entwicklung eines Neubaugebietes auf der Wiese zwischen Wilfried­straße, Osnabrücker Straße und dem Biohof Bobbert im November zugestimmt. Jetzt regt sich Widerstand von Seiten der Naturschützer: Die geplante Bebauung missachte die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes, schreiben Vertreter des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), des Naturwissenschaftlichen Vereins für Bielefeld und Umgegend, des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie des Vereins Pro Grün Bielefeld in einer Stellungnahme. Sie fordern die Stadt Bielefeld auf, auf eine flächige Neubebauung zu verzichten.

Sonntag, 05.01.2020, 14:28 Uhr aktualisiert: 05.01.2020, 14:30 Uhr
Wo neben dem Biohof Bobbert ein Gewächshaus steht und Schafe grasen, sollen Wohnhäuser entstehen. Foto: Kerstin Sewöster

70 neue Wohneinheiten sind auf dem Areal geplant , darunter rund 30 ein- bis zweigeschossige Einzel- und Doppelhäuser sowie etwa vier Mehrfamilienhäuser. Aus Sicht der vier Naturschutzverbände widersprechen diese Pläne, über die die Politik noch abschließend abstimmen muss, „einer nachhaltigen, flächensparenden Siedlungsentwicklung und der Baulandstrategie der Stadt Bielefeld“.

In den vergangenen 20 Jahren habe der Stadtbezirk Quelle eine massive Ausweitung seiner Siedlungsgebiete und damit einen erheblichen Verlust von Freiflächen erlebt. Weil Flächen für Neubaugebiete in Bielefeld knapp seien, sei „flächensparendes Bauen das Gebot der Stunde“, sagen die Naturschutzverbände. Die jetzt für Quelle vorgelegte Planung vorwiegend mit Ein- und Zweifamilienhäusern auf vergleichsweise großen Grundstücken stehe daher den „stadtentwicklungspolitischen und ökologischen Zielen entgegen“.

Von der Bebauung am Hof Bobbert raten die Naturschützer indes gänzlich ab. Denn die Landwirtschaftsfläche wird aktuell überwiegend als landschaftsökologisch wertvolles Grünland genutzt. „Bei den Grünlandbiotopen gibt es seit Jahren einen massiven Rückgang im Stadtgebiet, der besonders auf Bautätigkeiten zurückzuführen ist“, heißt es in der Stellungnahme. Aufgrund ihrer ökologischen Bedeutung sei die betroffene Fläche im Zielkonzept Naturschutz der Stadt in die Kategorie „Landschaftsräume mit hoher Naturschutzfunktion“ eingestuft worden. Die im Bebauungsplan vorgesehene Änderung des Landschafsplanes sei nicht vertretbar.

Und: „Die Fläche ist Bestandteil einer bedeutenden Frischluftschneise, die vom Hang des Teutoburger Waldes bis in den Siedlungskern von Quelle und die neuen Baugebiete hineinreicht. Eine flächige Bebauung in diesem Bereich würde diese Frischluft- und Klimaschneise unterbrechen. Die Bebauung steht damit auch dem Klimaschutzprogramm der Stadt Bielefeld und den mit der Ausrufung des Klimanotstandes verbundenen Zielsetzungen entgegen“, beklagen die vier Naturschutzverbände.

Die Naturschützer bedauern außerdem, dass durch den Flächenverlust ausgerechnet ein Biolandbetrieb mit eigenem Hofladen betroffen wäre. Denn Biologische Landwirtschaft und die Nutzung biologisch angebauter und regional erzeugter Produkte „leisten einen besonders wichtigen Beitrag zum Klimaschutz“. Der geplante Bebauungsplan sei somit auch im Sinne der Zielsetzung, Biolandbetriebe und eine entsprechende Nahversorgung zu fördern, kontraproduktiv.

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