Sennestädter Muslime ziehen an die Industriestraße – Räume an der Rheinallee werden verkauft Moscheebau soll im Sommer starten

Bielefeld (WB). Seit dem 1. Januar ist der Türkisch-Islamische Kulturverein Sennestadt Eigentümer der früheren städtischen Bauhoffläche an der Industriestraße. Damit ist für die muslimische Gemeinde nach mehr als 20-jähriger Suche nach einem neuen Standort der Weg frei zum Bau einer Moschee in Sennestadt. Baubeginn soll in diesem Sommer sein, aber schon in wenigen Wochen will der Kulturverein aufs neue Gelände umziehen.

Von Peter Bollig
Die Flüchtlingscontainer auf dem Gelände am Ende der Industriestraße sind abgebaut. Bevor dort die neue Moschee entsteht, will der Türkisch-Islamische Kulturverein die bestehenden Gebäude (Mitte) beziehen.
Die Flüchtlingscontainer auf dem Gelände am Ende der Industriestraße sind abgebaut. Bevor dort die neue Moschee entsteht, will der Türkisch-Islamische Kulturverein die bestehenden Gebäude (Mitte) beziehen. Foto: Thomas F. Starke

Das kleine Containerdorf auf dem Grundstück am Ende der Industriestraße ist inzwischen abgebaut. Zwischen April 2016 und April 2019 waren dort Flüchtlinge untergebracht. Geblieben ist eine Gebäudezeile, die früher von Mitarbeitern des städtischen Bauhofs genutzt wurden. Die einstigen Garagen sollen jetzt in Gebetsräume umgewandelt werden, sagt der Vorsitzende des Türkisch-Islamische Kulturverein Murat Zeytinoglu dem WESTFALEN-BLATT.

Ebenfalls eingerichtet werden sollen ein Lokal für Jugendliche, eine Cafeteria für ältere Vereinsmitglieder und eine Bibliothek. Zu dem Komplex gehören außerdem drei Wohnungen. Eine davon, sagt Murat Zeytinoglu, soll der Vorbeter der dem Dachverband Ditib angehörenden Gemeinde beziehen, die anderen beiden werden möglicherweise vermietet oder als Kursräume genutzt, so der Vereinsvorsitzende.

Baugenehmigung liegt vor

Großes Ziel des Vereins ist indes der Bau einer Mosche auf dem gut 8000 Quadratmeter großen Gelände. Seit fast 25 Jahren suche man nach einem Standort. Pläne an der Lämershagener Straße/Ecke Senner Hellweg waren ebenso gescheitert wie der Wunsch, die frühere Post am Sennestadtring als Moschee zu nutzen. Die Gemeinde mit ihren rund 150 Mitgliedern hatte die Post 2013 eigens dazu gekauft. Die notwendige politische Zustimmung für die Umnutzung blieb aber aus.

Bewegung kam im vergangenen Frühjahr in die Planung für eine neue Moschee. Wie berichtet übertrug der städtische Immobilienservicebetrieb (ISB) als Eigentümer das Grundstück an der Industriestraße an die Sennestadt GmbH. Die städtische Tochter übereignete ihrerseits öffentliche Flächen an den ISB, darunter den Reichowplatz. Durch diesen Tausch konnte die Sennestadt GmbH wiederum mit dem Kulturverein die Fläche an der Industriestraße gegen die alte Post tauschen.

Eine Baugenehmigung wurde Murat Zeytinoglu zufolge für den Moscheebau bereits erteilt. Geplant ist eine zweigeschossige Moschee mit Kuppel und zwei etwa 23 Meter hohen Minaretten. Weil der Baukörper auf dem Gelände jetzt noch einmal verschoben werden soll, sei nun allerdings noch eine Nachbesserung im Antragsverfahren notwendig. Gleichwohl ist sich der Vorsitzende sicher, dass im Sommer mit dem Bau des Gotteshauses begonnen werden kann. Der werde sich dann aber hinziehen. Zeytinoglu geht von einer drei bis fünfjährigen Bauzeit aus – auch aufgrund der hohen Kosten von geschätzt zwei Millionen Euro.

Vereinsräume sollen 350.000 Euro einbringen

Das Geld soll unter anderem von Mitgliedern und anderen Kulturvereinen kommen. Als Anschubfinanzierung allerdings ist der Erlös aus dem Verkauf der bisherigen Gemeinderäume eingeplant. „Mit diesem Geld wollen wir starten“, sagt der Vereinsvorsitzende. Seit wenigen Tagen wird das Vereinslokal an der Rheinallee 119 für 350.000 Euro auf dem Immobilienmarkt angeboten. Das eingeschossige Gebäude stammt aus dem Jahr 1963 und verfügt über eine Fläche von 278 Quadratmetern. Das Grundstück ist rund 577 Quadratmeter groß.

Murat Zeytinoglu rechnet mit einem Verkauf innerhalb der nächsten fünf Monate. Sehr viel früher soll der Umbau an der Industriestraße beginnen. In zwei bis drei Wochen, sagt der Vorsitzende, soll dort die Renovierung der Gebäude beginnen. Vor allem die Jugendarbeit soll am neuen, deutlich größeren Standort profitieren.

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