Jahresbilanz des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes sieht „angespannte Situation“
Durchwachsene Ernte, viele Vorschriften

Bielefeld (WB). 2019 war für die heimischen Landwirte ein anspruchsvolles Jahr. „Wir befinden uns in bewegten Zeiten“, bilanziert Hermann Dedert, der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld.

Mittwoch, 01.01.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 01.01.2020, 12:20 Uhr
Die Getreideerträge waren in diesem Jahr „überwiegend in Ordnung“, bilanzieren die Landwirte. Foto: Landwirtschaftlicher Kreisverband

Zwei trockene Sommer in Folge, immer neue Vorschriften bei niedrigen Preisen; selten sei die Stimmung so angespannt wie derzeit. Die Demonstrationen in Bonn, Hamburg, Berlin und vielen anderen Städten hätten gezeigt, wie groß die Zukunftsangst sei. Permanent neue, überzogene Auflagen, die nicht auf fachlicher Basis, sondern auf rein politischer Ebene entstünden, prasselten auf die Landwirtschaft ein. „Uns fehlt jegliche Verlässlichkeit und Planungssicherheit“, so der Vorsitzende.

Den Bauern machen beispielsweise die erneute Verschärfung der Düngeverordnung, die überbordende Bürokratie und die neuen Vorgaben, zusammengefasst im Agrarpaket, zu schaffen. „Es kann nicht sein, dass wir immer vor vollendete Tatsachen gestellt und die Fülle der Auflagen auf Kosten von uns Bauern gemacht werden“, betont Dedert.

Planungssicherheit nötig

Die Proteste der vergangenen Wochen seien von der Basis gekommen. Nun gelte es, den Schwung der jungen Leute zu nutzen und gemeinsam mit den Stärken für die bäuerlichen Anliegen zu kämpfen. „Viele junge Landwirte stehen in den Startlöchern, um auf den Höfen einzusteigen“, schildert der Vorsitzende. Für teure Investitionen bräuchten sie Planungssicherheit, um langfristig Perspektiven zu haben und ihre Familien ernähren zu können. Gerade kleine und mittlere Höfe, die die Überregulierung finanziell nicht stemmen könnten, würden aus der Landwirtschaft gedrängt. „Wer die Märkte immer weiter öffnet und dazu die Auflagen so hoch schraubt, dass wir auf dem Weltmarkt überhaupt nicht mehr wettbewerbsfähig sind, der muss sich nicht wundern, wenn ein Hof nach dem anderen aufgeben muss“, sagt Dedert.

Die Erntebilanz für 2019 fällt durchwachsen aus. Die Raps- und Getreideerträge seien in diesem Jahr überwiegend in Ordnung, aber in Menge und Qualität unterschiedlich. Das sei angesichts der Trockenheit im Sommer durchaus überraschend. Beim Grünland war der erste Schnitt im Frühjahr gut, die Folgeschnitte hatten eine große Spannbreite: von deutlich weniger bis Totalausfälle. „Der Regen im Herbst war dringend nötig, Wiesen und Weiden konnten sich erholen und sind nachgewachsen. Die Futtergrundlage für die Rinder-, Schaf- und Pferdehalter ist nicht mehr ganz so angespannt“, berichtet der Vorsitzende.

Sorge um den Wald

Beim Mais zeige sich eine große Bandbreite. Aufgrund der unterschiedlichen Bodenqualitäten und Regenfälle bewege sich die Ernte von ganz ordentlich bis ganz schlecht. Unter dem Durchschnitt, mit großer Spannbreite, falle die Kartoffelernte aus. „Doch die Preise gleichen gewisse Mindererträge aus.“ Die Zuckerrübenernte sei ertraglich sowie von den Zuckergehalten zufriedenstellend.

Große Sorgen bereitet der Wald. „Bei uns wird die Fichte fast verschwinden“, so der Vorsitzende. „Unklar ist noch, welche Baumarten nachfolgen müssen, die den geänderten Bedingungen standhalten.“ Zudem sieht Dedert die Rettung des Waldes als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Druck bei Rindfleisch

Die Milcherzeugung sei nicht kostendeckend, aufgrund stagnierender Erzeugerpreise seit Monaten bei zugleich höheren Grundfutterkosten. Der Rindfleischmarkt stehe enorm unter Druck, es komme Rindfleisch aus allen Richtungen nach Deutschland. Der Berufsstand fordert hier die gleich hohen Standards für importiertes Rindfleisch wie sie die deutschen Rinderhalter zu erfüllen haben. „Wir essen gerne Rindfleisch, warum bevorzugen wir nicht das westfälische oder zumindest das deutsche“, fragt Dedert. Die Futterkosten seien aufgrund der Trockenheit hoch, die Erlöse auf extrem niedrigem Niveau.

Nach einer Talsohle in den vergangenen beiden Jahre sei der Erzeugerpreis für Schweinefleisch aktuell gut. Die Auswirkungen der afrikanischen Schweinepest (ASP) in China hätten die Kurse steigen lassen. Eine mögliche Einschleppung der ASP nach Deutschland sei näher gerückt. Eine Gefahr, auf die man sich vorbereite. Haltungsauflagen und bürokratische Hürden seien nach wie vor die bestimmenden Themen der Tierhalter. Dedert: „Es braucht Entscheidungen mit Augenmaß, die uns Perspektive geben.“

Konzepte für die Zukunft

Wie kann unsere Landwirtschaft den Anforderungen der Gesellschaft entsprechen, aber nicht durch deutlich höhere Kosten aus dem Markt gedrängt werden? „Dies müssen wir mit Politik und Gesellschaft diskutieren und nach Lösungen suchen, die für alle tragbar sind“, erklärt der Vorsitzende.

Jeder müsse seinen Beitrag leisten. Wir brauchen Zukunftskonzepte, die unseren jungen Hofnachfolgern Mut machen, die Herausforderungen anzunehmen“, unterstreicht Dedert. „Wir machen Landwirtschaft heute und wollen dies auch noch in Zukunft tun.“

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