Ortwin Goldbeck erhält das Ehrenbürgerrecht der Stadt Bielefeld „Sie sind uns ein Vorbild“

Bielefeld  (WB). Diese Manschettenknöpfe sind einzigartig. Sie zeigen das große Stadtsiegel der Altstadt Bielefeld aus dem 13. Jahrhundert und die Umschrift „Ehrenbürger der Stadt Bielefeld“. Seit Sonntag Abend gehören sie Ortwin Goldbeck. Oberbürgermeister Pit Clausen hat dem 80-jährigen Unternehmer nach einem entsprechenden Ratsbeschluss die Ehre zuteilwerden lassen.

Von Hans-Heinrich Sellmann
Ortwin Goldbeck (links) mit Oberbürgermeister Pit Clausen und der Urkunde, die ihn zum Ehrenbürger macht. Es folgen der Eintrag ins Goldene Buch und ein besonderes Geschenk.
Ortwin Goldbeck (links) mit Oberbürgermeister Pit Clausen und der Urkunde, die ihn zum Ehrenbürger macht. Es folgen der Eintrag ins Goldene Buch und ein besonderes Geschenk. Foto: Sellmann

Unter minutenlangem, stehendem Applaus von zahlreichen Gästen aus Gesellschaft, Politik, Kultur, Kirchen, Sport und Wirtschaft nahm der sichtlich bewegte Goldbeck das Ehrenbürgerrecht im kleinen Saal der Rudolf-Oetker-Halle entgegen. „Ich bin mehr als gerührt. Diese Feierstunde ist mir sehr nahe gegangen“, sagte der damit einzige lebende Ehrenbürger der Stadt. Für ihn sei es der Höhepunkt des ohnehin schon besonderen Jahres 2019 gewesen.

Bei bester Gesundheit 80 Jahre alt werden, das 50-jährige Bestehen seines Bauunternehmens feiern und nicht zuletzt das Kunstforum Hermann Stenner in der ehemaligen Villa der Handwerkskammer, die jetzt den Namen Ortwin-Goldbeck-Forum trägt, eröffnen – dieses Jahr ist so etwas wie die Klammer um das Leben eines außergewöhnlichen Bielefelders.

Freiheit, Verantwortung, Vertrauen

Dabei, und diese charmante Spitze ließ sich Ortwin Goldbeck beinahe spitzbübisch nicht nehmen, sei er damals ja gar kein Bielefelder gewesen. Geboren 1939 in Gadderbaum, oder „auf Gilead”, wie Pastor Ulrich Pohl zuvor angemerkt hatte, sei er in Quelle in einer Familie aufgewachsen, „die uns große Freiheiten ließ, aber auch Verantwortung einforderte“. Seine Mutter habe immer gesagt, dass im Leben beides zu verbinden sei. Und so sei in ihm mit dem Rückenwind der Aufbruchstimmung der 1950er Jahre schnell die Erkenntnis gereift: „Nur in einem eigenen Unternehmen habe ich die Freiheit, die Dinge umzusetzen, die mir wichtig sind.“

Was folgte, war die Gründung eines Handwerksbetriebes mit sieben Mitarbeitern in Ummeln („Damals auch noch nicht Bielefeld...“), der sich zu einem europaweit operierenden Konzern entwickeln sollte und bis heute die „drei Bausteine unserer Unternehmenskultur“ beherzigt: wie von der Mutter mitgegeben, Freiheit und Verantwortung, aber längst auch Vertrauen. „Vertrauen vor Kontrolle“, hatte Ortwin Goldbeck vor langer Zeit als Prämisse ausgegeben und ist inzwischen beruhigt, dass die drei Söhne Jörg-Uwe, Joachim und Jan-Hendrik, den Betrieb in diesem Sinne weiter führen. Denn ein wenig mulmig sei ihm schon gewesen, damals in den 2000er Jahren, als er die Geschäfte in jüngere Hände gegeben habe: „Aber jetzt weiß ich, dass mein größter Wunsch erfüllt ist.“

„Lebenswerk, das Maßstäbe setzt“

Doch ein Ehrenbürgerrecht gibt es nicht allein wegen unternehmerischer Qualitäten. Früh hatte Goldbeck erkannt, dass „die Wirtschaft nicht nur nach Gewinn streben darf, sondern eine gesellschaftliche Verpflichtung hat“. Und so, daran erinnerte Pit Clausen in seiner Würdigung, habe sich Ortwin Goldbeck bereits ab den 1970er-Jahren ehrenamtlich engagiert: im Stahlbau-Verband, im Verein Gildenhaus, im Bildungswerk der ostwestfälisch-lippischen Wirtschaft, in der Universitätsgesellschaft, im Verwaltungsrat der von Bodelschwinghschen Stiftungen und nicht zuletzt in der Industrie- und Handelskammer, deren Präsident er acht Jahre lang war. „Ihr Engagement geht weit über das hinaus, was man als ‚üblich‘ bezeichnet. Sie sind uns ein Vorbild“, sagte Clausen und sprach von einem „Lebenswerk, das Maßstäbe setzt“.

Ein Lebenswerk, und daraus machten weder Geehrter noch Laudator einen Hehl, das ohne einen Menschen im Leben Ortwin Goldbecks wohl in dieser Form nicht möglich gewesen wäre: Ehefrau Hildegard, „die mich seit mehr als 50 Jahren begleitet“. Einer ihrer vielen klugen Sätze hat bereits jetzt, nach wenigen Jahren, das Zeug, ebenfalls in die Geschichte der Stadt einzugehen: „Das können wir doch nicht zulassen“, habe sie am Frühstückstisch gesagt, als sie aus der Zeitung von Plänen erfahren habe, die Handwerkskammer-Villa könne demnächst nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Der Grundstein für das Kunstforum.

Damit ist erstmals seit 1992 wieder das Ehrebürgerrecht vergaben worden. Vorgänger Golbecks sind (ohne die ehemals selbständigen Gemeinden) Ignaz Neukirch, Ludwig Volrath Jüngst, Eduard Windthorst, Hermann Delius, Gerhard Bunnemann, Lina Oetker, Herbert Hinnendahl, Rudolf August Oetker, Alex Funke und Karl Peter Grotemeyer.

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