CDU und FDP greifen Clausen an und wollen neue Verkehrspolitik
„Jeder muss ans Ziel kommen“

Bielefeld  (WB). CDU und FDP im Rat werfen Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) vor, den Start der Jahnplatz-Baustelle bewusst zu verzögern, damit nicht vor dem Kommunalwahltag am 13. September 2020 eine Großbaustelle mitten in der Stadt entstehe.

Samstag, 07.12.2019, 12:00 Uhr
Rad, Auto, ÖPNV oder zu Fuß: Jeder müsse mit dem Verkehrsmittel seiner Wahl unterwegs sein dürfen. CDU und FDP fordern deshalb mehr Freizügigkeit statt Regulierung. Foto: Bernhard Pierel

Dies sei der Grund, weshalb die Verwaltung eine Vorlage mit den vorgesehen Umleitungsstrecken für den Jahnplatz-Umbau kurzfristig von der Tagesordnung des Stadtentwicklungsausschusses genommen habe, sagte FDP-Ratssprecherin Jasmin Wahl-Schwentker am Freitag. In der Vorlage sei noch dezidiert vom Baustart im Juni 2020 ausgegangen worden.

Der Jahnplatz-Umbau und das geplante Fahrradparkhaus unterm Platz sind für CDU-Ratsfraktionschef Ralf Nettelstroth Beispiele einer verfehlten Verkehrspolitik des Paprika-Bündnisses aus SPD, Grünen, Bürgernähe/Piraten und Lokaldemokraten. Auch hier sei es der Oberbürgermeister, der die Vorhaben erst mit seiner Stimme im Rat ermöglichen werde.

„Mobilität realistisch und zukunftsfähig“

Nach dem Beschluss des Paprika-Bündnisses zur Verkehrswende im Frühjahr dieses Jahres fordern Union und Liberale nun ein neuerliches Umdenken. „Mobilität für Bielefeld realistisch und zukunftsfähig gestalten“, haben sie ihren Antrag betitelt, der am kommenden Donnerstag im Rat behandelt werden soll.

Das Gutachten des Karlsruher Büros PTV habe gezeigt, dass nur durch den Einsatz massiver Geldmittel der Anteil der ÖPNV-Nutzer am Gesamtverkehr von derzeit 14 auf maximal 18 Prozent gesteigert werden könne, so Nettelstroth. Schon vor diesem Hintergrund sei es illusorisch, den Anteil des motorisierten Individualverkehrs von mehr als 50 Prozent auf ein Viertel reduzieren zu wollen.

„Jeder muss mit dem Verkehrsmittel seiner Wahl ans Ziel kommen können“, formulierte es Jasmin Wahl-Schwentker. Die Zukunft liege in der Mobilitätsvernetzung, sind sich Nettelstroth und Wahl-Schwentker einig. Autofahrer, Fußgänger, Radfahrer und ÖPNV-Nutzer dürften nicht weiter gegeneinander ausgespielt werden. „Wir müssen uns auch mal über die Preisschilder unterhalten“, so Nettelstroth weiter.

Was kostet die Verkehrsinfrastruktur?

Deshalb soll die Verwaltung mit dem Ratsantrag beauftragt werden, darzustellen, welche Finanzmittel für die geplante Veränderung der Verkehrsinfrastruktur aufgewendet werden müssten. Schon jetzt zeichne sich ab, dass sich die Verluste bei den Verkehrsbetrieben Mobiel um fünf Millionen Euro erhöhen würden.

Nettelstroth und Wahl-Schwentker erinnerten auch an die zahlreichen Pendler, täglich 84.000, die zur Arbeit nach Bielefeld kämen, und 45.000, die aus der Stadt ins Umland führen. Für sie gebe es beispielsweise viel zu wenig Park-and-Ride-Plätze, keinen Anreiz zum Umstieg. Den fand auch der Sennestädter CDU-Ratsvertreter Holger Nolte nicht. 30 Tage fuhr er mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Zentrum, war oft 90 Minuten unterwegs. Mit dem Auto wären es 30 Minuten gewesen.

Kommentare

Thomas Krämer  wrote: 09.12.2019 01:31
Nur der Gedanke ein Stadtzentrum ohne Autos!
Ich nutze seit Jahren gewerblich in der Stadt den ÖPNV, bin seit April von der Linie 3 abgeschnitten, aber 90 Minuten auch von Sennestadt kann ich mir nur vorstellen, weil wieder einmal ein Individualist die Verkehrsregeln nicht versteht oder einhält und somit den ÖPNV blockiert.

Soviel zum Individualverkehr und Zeit - einer kann schneller, aber weitere 1000 andere können uns auch behindern, wir leben in einer Stadt, oder?
Ich hatte einen zusätzlichen Zeitaufwand durch Ausfall der Linie 3 von bis zu 20 Minuten, die ich auch fußläufig bis zum Jahnplatz bräuchte, 2 km. Standard Senne - Jahnplatz ebenfalls 20 Minuten mit der Stadtbahn.

Wir brauchen kein Fahrradparkhaus am Jahnplatz (siehe mal den Vorplatz HBf OS), wir benötigen eine Trennung von Individualverkehr und ÖPNV, wer transportieren muss oder will, darf rein, alle anderen müssen nicht individuell rein, oder?
Ich gaube kaum das ein Arbeitnehmer oder Arbeitgeber mehr wie 10 kg transportiert im Individualverkehr! Aber sie schleppen ein 6qm fressendes Etwas mit bis zu 2 Tonnen Gewicht, was abgestellt werden muss für 8 Stunden der Nichtnutzung?
Ich würde innerhalb der City, Parkhäuser für Autos bevorzugen, um diese umzuwidmen in Fahrradparkhäuser.

Nur zur Info! Stellt euch mal bei Schüco ab 16 - 20 Uhr an die Herforder Str. und beobachtet den Individualverkehr?
So dumm oder krank sind wir Menschen als Individualisten!

Wissen,
nicht denken. sondern nachdenken.


Gruß
Thomas Krämer
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